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Marktcheck: 14 WLAN-Radios bis 150 Euro

Rauschen und Heimatsender sind gestern. Längst stehen tausende Sender per Live-Stream über das Internet zur Verfügung. Mit WLAN-Radios kommt das Programm bequem in jeden Raum. Wir haben 14 aktuelle Modelle bis 150 Euro verglichen.

24.04.2011, 09:01 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Rauschen, Knarzen, Störgefiepe und bescheidene Senderauswahl – der analoge Radioempfang ist oft alles andere als ein Hörgenuss. Seit allerdings Breitbandanschluss und Flatrate-Tarife ebenso zur Grundausstattung der meisten deutschen Haushalte gehören wie Telefon und Fernsehgerät, hat sich das Internet innerhalb weniger Jahre als vielseitige Übertragungsalternative zur terrestrischen Programmausstrahlung etabliert. Auch diverse Elektronik-Hersteller setzen auf den neuen Trend und buhlen mit einer schier unübersichtlichen Anzahl von WLAN-Radiogeräten um die Gunst der Kunden. Wir haben uns daher einmal durch das Angebot gewühlt und zeigen, was aktuell auf dem Markt zu haben ist. Da sich der streamingbasierte Netzfunk insbesondere unter jüngeren Hörern großer Beliebtheit erfreut, in dieser Lebensphase allerdings häufig wiederum notorische Geldknappheit herrscht, stehen dabei Modelle mit eingebautem Lautsprecher aus der Preisklasse bis 150 Euro im Fokus.

Tausende Radiostationen aus aller Welt

Trotz der Kostenbegrenzung ist die Auswahl umfangreich. Nicht nur ausgemachte Billigheimer warten dabei auf kauffreudige Radiofans, sondern auch die ein oder andere Markenklangkiste. In Sachen Ausstattung ist die Bandbreite ebenfalls recht breitgefächert. Eine Modelle überraschen mit Sonderfunktionen wie iPod- beziehungsweise iPhone-Dock, Farb-Display oder UKW- und DAB-Empfang; andere laufen auch mit Akku und Batterien oder glänzen mit Extras wie Fernbedienung, Kartenleser sowie USB-Anschluss. Zu meist vorhandenen Basis-Features zählen das Abspielen von Radio- und Musik-Streams in mehreren Formaten, Uhrzeitanzeige und Weckfunktion, Stationsspeicher sowie Anschlüsse für Kopfhörer oder externe Lautsprecher.

Die Einrichtung für die Hörfunk-Wiedergabe erfolgt in der Regel automatisch oder über einen Menüassistenten, der vorhandene Drahtlosnetzwerke erkennt und nach Eingabe des WLAN-Schlüssels eine Verbindung herstellt. Wesentlich einfacher gelingt die Installation bei Radio-Modellen, die das sogenannte WiFi Protected Setup (WPS) unterstützen. In Kombination mit einem WPS-fähigen Router soll dann ein Knopfdruck für die Einrichtung genügen. Ist die Verbindung schließlich aufgebaut, stehen tausende Sender und Podcasts aus aller Welt zur Auswahl – wie viele genau, ist allerdings je nach Marke unterschiedlich. So nutzt jeder Anbieter einen speziellen Server oder Internetdienst, über den die verfügbaren Inhalte abgerufen werden. Nachteil: Was dort nicht verzeichnet ist, kann auch nicht empfangen werden. Gleichwohl bieten zahlreiche Hersteller die Möglichkeit, fehlende Angebote manuell nachzutragen. Ein Problem bleibt dennoch generell bestehen: Fällt der Streaming-Server aus, ist das Webradio stumm.

Musik-Streaming über UPnP-Server

Musik lässt sich in diesem Fall allerdings immer noch aus lokalen Quellen über das heimische WLAN-Netzwerk abspielen – eine gut sortierte Digital-Sammlung auf PC oder externer Festplatte vorausgesetzt. Welche und wie viele Formate im Einzelnen unterstützt werden, ist von Gerät zu Gerät allerdings höchst unterschiedlich. Lediglich WMA- und MP3-Dateien sind nahezu überall problemlos ausführbar. Um Musikbibliothek und WLAN-Radio miteinander zu vernetzen, kommt meist der Microsoft-Standard Universal Plug and Play (UPnP) zum Einsatz, wobei zunächst ein sogenannter UPnP-Server eingerichtet werden muss. Unter Windows lässt sich das mit Bordmitteln über den integrierten Media Player ab Version 11 bewerkstelligen. Die dafür nötigen Konfigurations-Schritte werden in vielen Geräte-Handbüchern detailliert erklärt.

Wer Mac OS X oder Linux verwendet, kann beziehungsweise muss auf diverse Drittanbieter-Programme ausweichen - etwa das Freeware-Tool XBMC (Windows, Mac OS X, Linux). Weitere Windows-Alternativen sind TVersity oder die mit wenigen Einschränkungen unbegrenzt verwendbare Testversion der Nero-Kaufsuite MediaHome 4. Für Mac OS X findet darüber hinaus gelegentlich das kostenpflichtige Programm Elgato EyeConnect Erwähnung, das ebenfalls nach 30 Tagen für die Verteilung reiner Audio-Inhalte gratis nutzbar bleibt. Eine Ausnahme macht derweil Logitech: Für das Netzwerk-Streaming mit den Squeezebox-Modellen ist zwingend die Installation einer hauseigenen Server-Software für Windows, Mac OS X und Linux vorgeschrieben. Abseits von UPnP können einige Modelle auch auf einzelne freigegebene Netzwerk-Ordner zugreifen. Eine netzwerkautarke Direkt-Wiedergabe gewünschter Klänge ist je nach Ausstattung über USB-Schnittstelle, integrierten Festspeicher oder einen Speicherkarten-Einschub möglich. Fast immer vorhanden ist zudem eine Line-In-Buchse für den Anschluss von MP3-Player und Co.

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Ob die Qualität der Audioausgabe dabei überzeugen kann, hängt nicht zuletzt von den eigenen Ansprüchen und dem künftigen Einsatzort ab. Grundsätzlich sind die kompakten Lautsprecher der meisten Geräte für den Radioempfang und gelegentliche Musik-Sessions konzipiert. Wer also ein kompaktes Küchen- oder Schlafzimmerradio sucht, ist mit den günstigen WLAN-Kisten vermutlich gut bedient.

All-in-One-"Brüllwürfel" oder HiFi-WLAN-Station?

Klangwunder zum Schnäppchenpreis sollte man hingegen nicht erwarten. Zwar bieten einige Modelle etwa einfache Equalizer-Funktionen oder einen zusätzlichen Lautsprecher-Eingang. Dennoch empfiehlt sich für Vielhörer, Musikfetischisten sowie alle CD-, Kassetten- und Plattenliebhaber eher ein reiner WLAN-Radioreceiver beziehungsweise Audioplayer, bei dem die heimische HiFi-Anlage weiterhin das Zentrum aller Wiedergabe-Aktivitäten bleibt. Dieser wird per Cinch-Kabel angeschlossen und kann so über das vorhandene Boxen-Equipment betrieben werden.

Sämtliche vorgestellten All-in-One-Lösungen besitzen wiederum den Vorteil, an keinen fixen Aufstellort gebunden zu sein - Steckdose und aktiviertes Drahtlosnetzwerk genügen. Was sie im Einzelnen sonst noch zu leisten im Stande sind, zeigt der nachfolgende Vergleich mit 14 aktuellen Geräten der Preisklasse bis 150 Euro.


(Christian Wolf)

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