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Markenartikel Bundesliga wird nicht verschleudert

Premiere-Boss Georg Kofler sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg. In einer Telefonkonferenz übte er scharfe Kritik an der im freien TV empfangbaren "Sportschau".

19.07.2007, 16:02 Uhr
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Ab August kehrt die Fußball Bundesliga zurück zu ihren Pay-TV-Ursprüngen. Premiere wird mit einem neuen Bundesliga-Kanal auf Sendung gehen, der alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga live und in Konferenzschaltung zeigen wird. "Premiere steht jetzt so da, wie wir uns das Ende 2005 gewünscht haben", sagte Premiere-Chef Georg Kofler heute in einer Telefon-Konferenz. Ende 2005 hatte Premiere die Bundesliga-TV-Rechte an arena verloren, sie nun über eine Sublizenz aber zurückgekauft. Schwache Kundenzahlen und herbe Verluste bei arena machten es möglich.
Kein Premiere-Monopol
So sehr sich Kofler darüber freut, dass die Bundesliga wieder "zuhause" ist, so sehr übte er auch Kritik an öffentlichen Diskussionen über ein Premiere-Monopol am deutschen Pay-TV-Markt. "Es ist absurd von einem Monopol von Premiere zu sprechen", sagte Kofler. Premiere habe kein Monopol, Premiere sei Marktführer. Es gebe in den Kabelnetzen und über Satellit ein Dutzend anderer Marktteilnehmer im Pay-TV-Segment. Man müsse auch die "europäischen Realitäten" im Auge behalten. "In jedem hoch entwickelten Markt gibt es nur ein profitabel arbeitendes Pay-TV-Unternehmen", so der Premiere-Chef.
Der neue Bundesliga-Kanal Premiere Bundesliga soll künftig sowohl über die Kabelnetze und über Satellit zu empfangen sein, aber auch über den Internetstream bei T-Home. Es sei Unsinn, zwei TV-Produktionen für TV und IPTV parallel zu betreiben. Premiere und die Deutsche Telekom werden das Bundesligaprogramm künftig gemeinsam produzieren und der Pay-TV-Sender sich an den anfallenden Kosten beteiligen.
Auf dem Kanal "arena home" sollen künftig die Bundesliga-Übertragungen von Premiere laufen. Dabei werden 612 Spiele live und in Wiederholungen gezeigt. Außerdem soll es Reportagen und Dokumentationen geben. Noch unklar ist, wie das Programm genau strukturiert und aufgebaut wird. Darüber will Premiere Anfang August gesondert informieren. Möglich, dass auch bisherige arena-Redakteure dann wieder bei Premiere an Bord gehen. "Wir sind nicht nachtragend", sagte Kofler und forderte indirekt zu Bewerbungen auf. Nachtragend könnten allerdings viele Kunden sein. Fußball bei Premiere wird nämlich mehr kosten als bisher bei arena. Im Einzelabo werden 19,90 Euro im Monat fällig, wer zusätzlich europäischen Spitzenfußball sehen möchte, muss sogar 29,98 Euro monatlich zahlen. Nur in Verbindung mit einer 5er- oder 7er-Kombi gibt es den Bundesliga-Kanal für nur knapp zehn Euro.
Eine Marke kostet
Für Kofler sind das faire Konditionen. "Die Bundesliga ist ein Markenartikel. Und Markenartikel werden nicht verschleudert." Premiere hofft, die Abonnementenzahl mit Hilfe der neuen Fußballpakete signifikant zu steigern. "Premiere kann nun schnell Fahrt aufnehmen", sagte Kofler. Und er hatte gleich eine erste Zahl zu verkünden: Zwei Stunden nach Vermarktungsstart der neuen Pakete seien bereits 1000 Bestellungen für "Premiere Bundesliga" eingegangen.
Kofler: Arena-Abenteuer hatte "therapeutische Wirkung"
Mit Blick auf die im Herbst anstehende Rechtevergabe für die TV-Lizenzen ab der Saison 2009/2010 rechnet Kofler mit einem möglicherweise einfacheren Spiel für Premiere. Zwar sei nicht auszuschließen, dass noch einmal jemand ein Abenteuer versuche, das Arena-Experiment habe aber sicher "eine gewisse therapeutische Wirkung". Der Manager von Bayern München, Uli Hoeness, hatte gestern vollmundig verkündet, er könne sich vorstellen, dass einige große Unternehmen schon an ein neues Pay-TV-Projekt denken.
Kein gutes Haar ließ der Premiere-Boss an der Sportschau der ARD. Sie sei "ein voll durchkommerzialisiertes Produkt, das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen" habe. Hier würden Gebührengelder missbräuchlich verwendet, so Kofler. Einem Privatsender würde eine Zusammenfassung besser zu Gesicht stehen.

(Hayo Lücke)

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