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Mark Zuckerberg: Auf den Spuren von Bill Gates

Der Börsengang von Facebook wird Gründer Mark Zuckerberg zu einem Multi-Milliardär machen. Das war allerdings nie der Antrieb des 27-Jährigen: Er ist beseelt von der Idee, mit Facebook die Welt zu vernetzen.

05.02.2012, 09:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Mark Zuckerberg hat eine Vision: Alle Menschen sollen immer und überall miteinander vernetzt sein - am besten über das von ihm gegründete Online-Netzwerk Facebook. Diese Vision lässt er seit dem Teenager-Alter nicht aus den Augen. Mit dem Börsengang von Facebook wird sie ihn innerhalb von acht Jahren von einem Außenseiter an der Elite-Uni Harvard zum Multi-Milliardär machen. In seinem Werdegang und Streben gleicht Zuckerberg damit zugleich vor allem einem: Microsoft-Gründer Bill Gates. Auch dieser schaffte es vom Nerd zum milliardenschweren Konzernchef, indem er seinerzeit mit dem Windows-Betriebssystem einen neuen Quasi-Standard etablierte.

Eigene Anteile für 28 Milliarden Dollar

Zuckerberg hält gut 28 Prozent an Facebook. Wird der Börsenwert wir erwartet bei 100 Milliarden Dollar angesetzt, ist der 27-Jährige auf einen Schlag über 28 Milliarden Dollar schwer. Milliardär hätte Zuckerberg allerdings schon lange werden können. Bereits 2006 bot der damalige Yahoo-Chef Terry Semel siegessicher eine Milliarde Dollar für das kleine Netzwerk mit nicht einmal zehn Millionen Nutzern. Zur großen Überraschung des einstigen Hollywood-Fuchses Semel lehnte Zuckerberg kühl ab, genauso wie bei späteren lukrativen Angeboten. Facebook ist sein Baby, sein Lebenswerk, das er nicht aus der Hand geben will, wie später immer wieder in Interviews durchschien.

Entsprechend wenig scharf war Zuckerberg auch auf einen Börsengang von Facebook. Geld hatte das Unternehmen dank des Interesses von Risikoinvestoren schon immer genug, inzwischen kommen auch Milliarden aus Online-Werbung rein, er selbst lebt betont bescheiden. Als börsennotiertes Unternehmen ist es hingegen zwingend notwendig, die Zahlen offenzulegen, die Gewinnerwartungen der Investoren zu erfüllen und den Aktienkurs zu pflegen. Daher wolle er so lange wie möglich unter dem Radar der Börsianer fliegen, betonte Zuckerberg. Letztlich ist es nur die schiere Größe von Facebook, die das Unternehmen an die Börse zwingt: Mit Erreichen der Schwelle von 500 Anteilseignern muss Facebook nach US-Börsenrecht ohnehin seine Geschäftszahlen offenlegen.

Kapuzenpullover und Studenten-Image

Zuckerberg sorgte aber dafür, dass er auch nach einem Börsengang das Sagen haben wird. Er hält Aktien der Klasse B, von denen jede zehn Stimmen hat - die Anleger bekommen dagegen Aktien mit nur einer Stimme. So könnte Zuckerberg auch mit einem geringen Anteil seine Firma fest im Griff behalten. Ausgerechnet im Börsenprospekt erklärte er den Anlegern, dass der Gewinn für Facebook nicht im Vordergrund stehe: "Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln."

Während sein einstiger Investor und Mentor Sean Parker in den frühen Facebook-Jahren mit heißen Partys auffiel, wirkt Zuckerberg mit seinen typischen Kapuzenpullis derweil noch heute wie der ewige Student. Sein Privatleben ist denkbar unspektakulär. Mit seiner Freundin Priscilla Chan ist er seit seiner Studienzeit zusammen, sein erstes eigenes Haus kaufte er sich erst im vergangenen Jahr. So unbeholfen Mark Zuckerberg bei seinen öffentlichen Auftritten wirken mag, so verbissen ist er, wenn es um seine Vision für das "soziale Internet" geht. Alle Lebenssituationen soll eine "Facebook"-Schicht durchdringen - diese Idee setzt er von Anfang an mit erstaunlichem Starrsinn durch. Mehr als einmal musste Facebook einen Schritt zurück machen, weil es den Nutzern zu schnell ging.

Typisches Beispiel war der 2007 gestartete Dienst Beacon, bei dem Einkäufe automatisch den Facebook-Freunden mitgeteilt wurden. Nach einem Aufschrei vieler Mitglieder und einer Sammelklage wurde Beacon (englisch: Leuchtturm) schließlich 2009 eingestellt. Heftige Kritik gab es auch, als die Standard-Voreinstellung für die Facebook-Profile plötzlich auf "öffentlich" geändert wurde - wodurch viele private Fotos offen im Internet landeten, auch vom Facebook-Gründer selbst.

250 Millionen neue Fotos - jeden Monat

Zuckerberg lernte aus den Kontroversen, dass man den Nutzern mehr Zeit geben muss. Heute werden jeden Tag mehr als 250 Millionen Fotos in die Plattform hochgeladen. Und rund 845 Millionen Menschen weltweit vertrauen Facebook und Zuckerberg ihre Daten an.

Der Mann, der die Welt konsequent zu immer mehr Offenheit überreden will, gibt über sich selbst nur wenig Preis. Am ehesten noch bekommt man Einblick in sein Leben, wer bei Facebook dem Profil seines Hundes Beast folgt. Für Schlagzeilen sorgte Zuckerberg jüngst höchstens mit seinem Entschluss, nur noch das Fleisch von Tieren zu essen, die er selbst getötet hat.

Vorwürfe, Klagen und schmutzige Wäsche

Vor einem allzu biederen Image rettet Zuckerberg die chaotische Gründungszeit, die - auch mit dem Lockruf der Börsen-Milliarden - für jahrelange Konflikte mit Plagiatsvorwürfen, Klagen und viel schmutziger Wäsche sorgte. Alles filmreifer Stoff, den Hollywood mit "The Social Network" auf die große Leinwand brachte.

Eine Hauptrolle in dem Streit um Facebook haben die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss: Sie werfen Zuckerberg vor, ihnen die Facebook-Idee geklaut zu haben. In einem Vergleich handelten sie mehr als 100 Millionen Dollar aus, wollten dann aber noch mehr haben. Später tauchte auch noch ein ehemaliger Holzpellets-Händler auf, der behauptet, ein ausgebooteter Geschäftspartner mit Anspruch auf ein Viertel an Facebook zu sein. Das Netzwerk wirft dem Mann vor, den als Beweis vorgelegten Vertrag schlicht gefälscht zu haben.

(Christian Wolf)

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