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manitu DSL-Flat mit fester IP

Update: Geschäftsbedingungen wie im wilden Westen oder normal? Der Neuling auf dem DSL-Markt sorgt mit seinen AGB für Diskussionen.

02.06.2005, 18:19 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der Internetdienstleister manitu aus Sankt Wendel macht dieser Tage mit einem interessanten Angebot auf sich aufmerksam: eine echte DSL-Flatrate für 9,99 Euro. Bei den heutigen Kampfpreisen der Branche kein sonderlich auffälliger Preis. Allerdings bietet manitu eine feste IP-Adresse inklusive. Zudem gilt das Angebot für die Nutzung auf allen T-DSL Leitungen, also bis zu einer Anschlussgeschwindigkeit von sechs Megabit die Sekunde. Der Telekom-Anschluss bleibt unverändert, eine Zeit- oder Volumenbeschränkung gibt es nicht und der Tarif ist täglich kündbar.
Der Coup des Manitu
Die manituDSL Flatrate verspricht für die 9,99 Euro monatlich so einiges: nach der Bestellung sollen die Zugangsdaten innerhalb weniger Minuten vorliegen für ein nahtloses Weitersurfen auf neuem Tarif. Ebenso problemlos erfolgt die Kündigung: der Vertrag kann täglich aufgelöst werden, ohne Mindestlaufzeit. Eventuell zuviel bezahlte Beträge werden tagesgenau zurück erstattet. Die Webindianer aus Sankt Wedel rufen ihre Kunden sogar dazu auf, möglichst 24 Stunden online zu sein. Die genutzte Plattform werde nämlich von der Telekom u.a. anhand der Zeit abgerechnet, die ein User online ist. "Interessant dabei ist, dass, je länger ein Nutzer online bleibt, er uns direkt weniger Kosten verursacht", wie das Unternehmen auf seinen Infoseiten im Web schreibt.
Die feste IP-Adresse, die das Unternehmen mit in ihr Angebotspaket gepackt hat, wird für viele Gelegenheitssurfer eher uninteressant sein. Wer aber einen Server im Netz einrichten möchte, ist darauf angewiesen. So ist es wohl auch kein Zufall, dass dieses Angebot gerade von manitu kommt. Das Unternehmen betreibt nämlich in Sankt Wendel nach eigenen Angaben "ein Hochleistungs-Internet-Rechenzentrum" und bietet damit normalerweise Webhosting- und Serverhousing-Dienste an.
Update 2.6.: Eigentlich keine Flat
Eine Flatrate für knapp zehn Euro. Das ist zwar nicht revolutionär, aber immer noch günstig. Wie kann ein kleiner Hoster ohne eigene DSL-Infrastruktur so ein Angebot halten, wenn er nahezu die gesamte Vorleistung bei der Telekom beziehen muss? Als Hosting-Unternehmen habe man einen guten Überblick über die Gewohnheiten von DSL-Nutzern, behauptet Inhaber Manuel Schmitt. Die Kalkulation sei daher einfach. Zudem schrecke die feste IP-Adresse traffic-intensive Nutzer mit illegalen Surfgewohnheiten eher ab.
So ganz scheint Schmitt darauf aber nicht vertrauen zu wollen. Denn wie in der Branche nicht unüblich nutzt auch Manitu die Macht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, um sich gegen die wilden Horden der Power-User zu wappnen. Doch bleibt es in diesem Fall nicht bei den schon normal zu nennenden Ausstiegsklauseln bei "übermäßiger" Nutzung der Flatrate. Manitu geht noch weiter. Zunächst wird in den AGB aus der vollmundig annoncierten Flatrate ("keine Volumenbeschränkung, keine Zeitbeschränkung") ein simpler Volumentarif. Denn Manitu möchte den Kunden verpflichten, eine "übermäßige Nutzung" des Angebotes zu vermeiden. Der Anbieter definiert auch gleich, was übermäßig ist: Ab elf Gigabyte Trafficvolumen darf Manitu den bösen Kunden vertreiben. Schmitt will das allerings nicht als Automatismus verstanden wissen. "Wir schmeißen nicht jeden raus, der elf Gigagbyte verbraucht", so der Manitu-Boss, es sei doch nur fair, den Kunden zur Orientierung eine Größenordnung an die Hand zu geben.
Umwandlung in Volumentarif
"Die Nutzung [...] für Downloads illegaler Inhalte ist nicht gestattet", steht in den AGB, die wir am Donnerstag Mittag vom Manitu-Server geladen haben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Weiter heißt es aber: "Bei Verstoß gegen voranstehende Bestimmung wird die Flatrate rückwirkend zu deren Vertragsbeginn in einen Volumentarif mit 1 Cent pro verbrauchtem Megabyte umgewandelt." Und auch die Beweislast dreht der Anbieter um: "Den Nachweis, dass es sich um legale Inhalte handelt, hat der Kunde auf Verlangen durch die Manitu glaubhaft zu erbringen."
Fragwürdig findet diese Formulierung auch Birgit Rosenbaum. Die Partnerin der Kölner Kanzlei Lampmann, Behn & Rosenbaum ist Expertin im Online-Geschäft. Sie sieht in der Klausel eine unangemessene Benachteiligung der Kunden. "Natürlich ist es okay, den Download von illegalen Daten zu verbieten", so die Rechtsanwältin. Aber die Umkehrung der Beweislast ist äußerst problematisch. "Damit stellt sich der Anbieter einen Freifahrtschein aus, die Verträge aller möglichen Kunden ohne nähere Hinweise umzustellen."
AGB geändert
Damit wäre die Klausel ungültig. Das hat man in der Zwischenzeit auch bei Manitu gemerkt und die AGB angepasst. Durch ein Versehen seien die aktuellen AGB noch nicht online gewesen, erklärt Schmitt. Jetzt heißt es weniger drastisch, die Kunden hätten "auf Verlangen der Manitu glaubhaft zu versichern, dass es sich um legale Inhalte gehandelt hat." Und der rückwirkende Volumentarif hat auch etwas an Schrecken verloren, Manitu will maximal 100 Euro berechnen. Power-Usern wird das egal sein,für sie ist das Angebot eh nichts. Und das ist offenbar ganz im Sinne des Anbieters.
Update 3.6.: Manitu transparent
Nach der ganzen Aufregung hat Manitu Website und AGB erneut geändert. Jetzt ist keine Rede mehr von "Flatrate ohne Volumenbeschränkung" oder "rückwirkendem Volumentarif". Stattdessen setzt Manitu in den AGB auf den Kunden. Der soll sich bitte bewusst sein, "dass Flatrates eine Mischkalkulation darstellen, die nur möglich ist, wenn das jeweilige Nutzungsverhalten in Bezug auf die Datenmengen fair ist." Das "Ausnutzen" dieser "volumenunabhängigen Berechnungsweise" ist dem User danach nicht gestattet. Statt rückwirkender Volumenberechnung will Manitu im Falle einer nötigen Kündigung die Gebühren für die nicht genutzten Tage erstatten.
Auf der Homepage des Anbieters führt ein Link zu einer ausführlichen Darstellung der Flatrate-Problematik. Manitu erklärt die eigene Kalkulation und gibt zu: "Auch unsere Flatrate kennt Grenzen." Das ist ehrlich und von für den DSL-Markt ungewöhnlicher Offenheit. Auch wenn man sich fragt, warum es nicht gleich so geht: Manitu geht (mit etwas Gehhilfe) offensiv mit der Traffic-Problematik um. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, an dem sich andere Provider ein Beispiel nehmen können.

(Aleksandra Leon und Volker Briegleb)

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