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MacBook für 30 Euro: Käufer wollen Otto verklagen

Ende Juli unterlief dem Versandhändler ein Fehler: Notebooks wurden zu Schleuderpreisen angeboten. Kunden bestellten und bekamen aber anstelle der Geräte einen Gutschein. Jetzt wollen einige vor Gericht ziehen.

18.08.2009, 14:53 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Ende Juli gab es beim Versandhändler Otto ein ganz besonderes Angebot: Notebooks zu Schleuderpreisen. Tausende Kunden griffen zu, bekamen aber anstelle der Ware einen Gutschein. Damit sind einige Käufer nicht einverstanden und wollen nun klagen, wie das Magazin "Spiegel Online" berichtet.
Spiegel: Kunden wollen klagen
Der Meldung zufolge haben sich "mehrere Kunden" schriftlich an Otto gewandt und auf eine Lieferung der Notebooks zum angegebenen Preis beharrt. Der Spiegel beruft sich dabei auf den Versandhändler, der aber keine Details zur genauen Anzahl der Beschwerden kommunizierte. Einige dieser Käufer hätten nun angekündigt, die Ware einklagen zu wollen.
MacBooks für maximal 50 Euro
Konkret geht es um günstige Marken-Notebooks von Herstellern wie Acer, Sony, HP und Medion sowie Apple MacBooks und das MacBook Air, die Otto in seinem Onlineshop zu Preisen von 29,99 beziehungsweise 49,95 Euro offerierte. Schuld war ein Fehler bei der Dateneingabe, wie das Versandhaus später mitteilte. Bis der Fehler behoben wurde, gingen bei Otto nach eigenen Angaben aber 2.565 Bestellungen über insgesamt 6.534 Notebooks ein. Die Ware möchte der Händler nicht liefern und verschickt stattdessen 100-Euro-Gutscheine.
Wie stehen die Chancen?
Laut Spiegel seien sich Juristen uneinig, ob eine Klage echte Chancen hätte. Rechtlich beruft sich Otto auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die verschickten Bestellbestätigungen: ein Kaufvertrag werde erst mit Zugang der Ware beim Kunden wirksam. Auch der Rechtsanwalt Sebastian Dosch sieht das Angebot im Onlineshop als unverbindlich an. Wie er in seinem Weblog "Klawtext" schreibt, handele es sich um eine "invitatio ad offerendum" - eine "unverbindliche Einladung, ein Angebot abzugeben". Bestellt der Kunde, unterbreite er ein Angebot. Die Annahme erfolge erst, wenn Otto den Kauf bestätige. Dies war bei den Bestellbestätigungen aber nicht der Fall.
Update vom 19. August: Einzelfälle prüfen
Wie Sebastian Dosch unserer Redaktion mitteilte, sei jedoch wohl jeder Einzelfall zu prüfen, da zwischenzeitlich laut Screenshots von Nutzern bei Otto auch der Beschreibungstext und die Abbildung durcheinander gerieten. So war eine Tasche abgebildet, der Text sprach jedoch von einem MacBook - und umgekehrt. Sollte sich Otto in diesem Fall nachträglich an einen Vertrag gebunden haben, wäre jedoch eine Anfechtung möglich. Der Fachanwalt für IT-Recht verweist auf einen ähnlichen Fall: 2005 hatte der Bundesgerichtshof bei falschen Preisen von Notebooks, die auf einem Fehler bei der Datenübertragung beruhten, auch entsprechend entschieden (Urteil vom 26. 1. 2005 - VIII ZR 79/ 04; LG Bielefeld).
Dosch geht aber davon aus, dass im Regelfall keine vertragliche Bindung vorliegt. Interessant ist der Punkt der Absicht: Das "Otto-Schnäppchen" sprach sich über Weblogs und Twitter schnell herum, sodass einige Besteller genau Bescheid wussten, absichtlich bestellten und dies zum Teil auch öffentlich berichteten. In manchen Fällen werde man daher auch fragen müssen, ob hier nicht ein Rechtsmissbrauch vorliege.

(Saskia Brintrup)

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