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M2000M: Neuer Alleskönner im Wohnzimmer im Test

Der M2000M von Shuttle ist für den Einsatz im Wohnzimmer angepasst und ersetzt CD- und DVD-Player, Radio, Videorekorder und TV-Reciever. Darüber hinaus bietet er zahlreiche neue Möglichkeiten im Media Center.

10.01.2007, 13:00 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Bereits vor über einem Jahr haben wir das Konzept der so genannten Wohnzimmer-PCs vorgestellt. Rechner, die speziell für den Einsatz im Wohnzimmer entwickelt sind und DVD-Player, Videorecorder, Musikanlage sowie TV-Receiver ersetzen, sich zudem bequem per Fernbedienung und drahtloser Tastatur vom Sofa aus bedienen lassen. Inzwischen hat die Computerindustrie die Entwicklung der Multimedia-Rechner vorangetrieben, Chipriese Intel hat sogar einen Standard für eben solche wohnzimmertauglichen Rechner vorgestellt.
Neue Generation
Die "Home Theater PCs" der neuen Generation sollen sich intuitiver steuern lassen und die Installation soll einfacher von der Hand gehen. Microsoft hat sogar sein Betriebssystem Windows XP an die Nutzung mit einem Fernseher angepasst und das erweiterte System Windows XP Media Center Edition 2005 auf den Markt gebracht. Wir werden in diesem Artikel zunächst Intels Viiv-Plattform vorstellen, anschließend die Einrichtung eines aktuellen Wohnzimmer-PCs demonstrieren und weiterhin auf Bedienung und Funktionen eines solchen Rechners eingehen. Dabei steht die Windows Media-Center-Oberfläche im Vordergrund.
Letztendlich soll die Frage geklärt werden, ob der speziell angepasste PC tatsächlich all die bisher im Wohnzimmer verwendete Multimedia-Elektronik ersetzen oder sogar übertrumpfen kann. Als Vorführgerät steht uns der Media Center PC M2000M von Shuttle zur Verfügung. Der Rechner im Desktop-Format ist seit September 2006 auf dem Markt, entspricht Intels "Wohnzimmer-Standard" und nutzt als Betriebsystem die Windows XP Media Center Edition von Microsoft. Vorweg schauen wir uns die technischen Details des Rechners an.

In Shuttles Online-Shop kann jeder die Ausstattung des M2000M vor dem Kauf individuell konfigurieren. Mit der kleinsten Konfiguration kostet der Rechner 1.792 Euro.
Unter der Haube
Unser 1.900 Euro teures Testgerät ist mit einem Intel Core Duo-Prozessor mit 1,83 Gigahertz und zwei Megabyte Level-2-Cache, 512 Megabyte DDR2-Arbeitsspeicher und einer GeForce 7600GS von Nvidia mit 256 Megabyte Grafikspeicher ausgerüstet.
Die Festplatte fasst 250 Gigabyte, zudem ist ein 8-in-1 Kartenlesegerät integriert. Weiterhin eingebaut sind gleich zwei Hybrid-TV-Karten für den Empfang von digitalen DVB-T- als auch analogen TV-Signalen. Dank gleich zweier Tuner ist es möglich, mit dem Rechner eine Sendung im Hintergrund aufzuzeichnen, während man auf dem Bildschirm weiterhin frei zwischen Sendern zappen und andere Sendungen verfolgen kann.
Bequem vom Sofa steuern
Gesteuert wird das System bequem mit einer Fernbedienung oder einer kabellosen Tastatur mit integriertem Scrollrad. Der Rechner ist mit Wireless LAN ausgestattet und verfügt über zahlreiche Audio- und Video-Anschlüsse, auf die wir später genauer eingehen werden. Das Display des M2000M zeigt aktuelle Informationen an, je nachdem welche Anwendung gerade ausgeführt wird. Ist der Rechner ausgeschaltet, erscheinen auf dem Display Datum und Uhrzeit.
An der Front bietet der M2000M Anschlüsse für USB 2.0- und Firewire-Peripherie sowie für Kopfhörer und Mikrofon. Weiterhin ist der PC mit einem Wechseldatenträger-Steckplatz für eine 2,5-Zoll-Festplatte ausgerüstet. Auf den externen Datenträger, der optional erhältlich ist, können etwa aufgezeichnete Sendungen oder andere Multimedia-Inhalte kopiert und zu einem Videoabend bei Freunden mitgenommen werden.
Viiv ist eine bereits Mitte 2005 von Intel vorgestellte Plattform für Wohnzimmer-PCs. Erste kompatible Rechner sind Anfang 2006 auf den Markt gekommen. Intel will mit der Marke und dem dahinter stehenden Konzept an Erfolge der ähnlich kommunizierten "Centrino"-Plattform für Notebooks anknüpfen.
Intels "Wohnzimmer-Plattform"
Viiv gibt Herstellern von Media Center PCs vor, welche Fähigkeiten ein Rechner erfüllen muss, damit er mit einer Viiv-Zertifizierung und einem dazugehörigen Aufkleber von Intel ausgeliefert werden kann.
Bei den Endkunden soll sich Viiv nach Wunsch von Intel zu einem Symbol für multimediafähige und wohnzimmertaugliche Qualitäts-PCs etablieren und beim Kauf Vertrauen zum Produkt schaffen. Dementsprechend versuchen viele Hersteller ihre Media-Center-PCs diesem Standard anzupassen, in Hoffnung auf bessere Verkaufszahlen. Doch was steckt im Einzelnen hinter der Plattform?
Wie bei Centrino schreibt Intel auch beim Viiv-Standard bestimmte Hardware voraus. Allerdings geht es weniger um technisch neu entwickelte Bauteile, sondern vielmehr um das Vorhandensein bestimmter Hardware-Komponenten. Viiv-Rechner müssen auf einem Intel-Chipsatz basieren und mindestens mit einem Doppelkern-Prozessor ausgestattet sein. Zudem muss die Intel Matrix Storage Technik unterstützt werden, die die Nutzung von zwei Festplatten im RAID-Verbund ermöglicht. Dadurch kann ein besserer Schutz vor Datenverlust erreicht werden.
Quick-Resume-Technik
Weiterhin ist mindestens eine LAN-Schnittstelle vorgeschrieben, Wireless LAN ist dagegen nicht Pflicht. In Punkto Audio ist mindestens ein 5.1-Surround-System Voraussetzung. Wirklich neu ist die erforderliche Quick-Resume-Technik, die es erlaubt, einen Rechner per Knopfdruck blitzschnell in einen stromsparenden Standby-Modus zu fahren und später ebenso zügig wieder einzuschalten. Den Einsatz einer TV-Karte schreibt Intel nicht zwingend vor, obwohl Media-Center-PCs erst damit im Wohnzimmer wirklich sinnvoll werden. Deshalb sind auch ohne Vorschrift nahezu alle erhältlichen Geräte mit mindestens einem TV-Adapter ausgestattet. Zuletzt schreibt Intel Herstellern auch noch die Wahl des Betriebssystems vor, das Windows XP Media Center Edition heißen muss. Unser Shuttle M2000M ist mit allen erforderlichen Komponenten ausgestattet und erfüllt den Viiv-Standard. Allerdings hat unser Testgerät bei Intels Testprogramm zur Überprüfung einer vollständigen Viiv-Technik-Kompatibilität den LAN-Test nicht bestanden, obwohl die von Intel geforderte Netzwerkkarte im Rechner arbeitet.
Die Installation des M2000M im Wohnzimmer geht einfach von der Hand und ist nicht komplizierter als der Aufbau einer Stereoanlage. Nach wenigen Minuten sind alle Kabel angeschlossen.
Inbetriebnahme
Das Gerät bietet verschiedene Audio- und Video-Ausgänge zum Anschluss an Wiedergabegeräte. Neben einem analogen VGA- und einem digitalen DVI-Port steht auch ein S-Video-Ausgang zum Anschluss des Rechners an einen Fernseher bereit. Die beste Bildqualität am analogen TV-Gerät erreicht man aber über den Component-Video-Out-Ausgang, der ebenfalls zur Ausstattung des M2000M gehört. Leider fehlen im Lieferumfang die nötigen Adapter und Anschlusskabel, um den Rechner direkt an einen gängigen Fernseher mit Scart-Buchse anzuschließen. Dafür muss also separat das nötige Zubehör gekauft werden. Bei der Audio-Ausgabe unterstützt der Rechner 7.1 Surround-Sound oder üblichen Stereo-Sound. Ein Cinch-Audiokabel zum Verbinden des Rechners mit einer Musikanlage liefert Shuttle aber mit.

Auf ins Media Center
Nachdem wir unseren Rechner mit allen nötigen Geräten verbunden haben und der Kabelsalat komplett ist, kann es endlich losgehen. Die Media-Center-Oberfläche des erweiterten Windows XP ist speziell an die Benutzung mit einem Fernseher angepasst. So kann auch die gesamte Bedienung wie beim Fernseher gewohnt bequem vom Sofa aus über die mitgelieferte Fernbedienung erfolgen. Da Fernsehgeräte mit High-Definition-Auflösung erst langsam die Wohnzimmer erobern, stehen in den meisten deutschen Haushalten noch Flimmerkisten mit einer PAL-Auflösung von 768 x 576 Bildpunkten. Media Center passt sich an diese im Vergleich zum Computer-Gebrauch niedrige Auflösung an.
Ein Bildschirm-Assistent hilft bei der Wahl des richtigen Bildschirmtyps, der bei Benutzung eines Beamers ausgewählt werden muss. Ebenfalls lässt sich das System an die Benutzung mit einem integrierten Bildschirm, einem Flachbildschirm, einem Monitor mit Rückprojektion oder an eine Frontprojektion anpassen. Nach Auswahl des richtigen Bildschirmtyps können zahlreiche Einstellungen betreffend Verbindung, Auflösung, Seitenverhältnis, Helligkeit, Kontrast und Farben optimiert und individuell angepasst werden.
DVB-T- und analoge TV-Signale
Als nächstes muss sowohl nach Fernseher- als auch Radio-Sendern gesucht werden. Auch hierbei führt ein Assistent schrittweise übersichtlich durch die Einrichtung. Entsprechend der jeweiligen Empfangsart und Region lädt Media Center eine passende Senderliste herunter und durchsucht diese dann nach vorhandenen Kanälen. Mit einer handgroßen DVB-T-Antenne konnten wir im Raum Köln/Bonn 15 Sender empfangen, die alle in einer guten Bildqualität ohne Artefakte wiedergegeben wurden. Da die beiden TV-Adapter des M2000M auch analoge Signale verarbeiten können, besteht ebenfalls die Möglichkeit analoge Fernsehsender zu empfangen.
Beim Fernsehen selbst stehen dann verschiedene Funktionen bereit. Dank Timeshifting ist es möglich, eine laufende Sendung über die Pause-Taste zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortzusetzen. Der Rechner speichert die laufende Sendung während der Pause zwischen. Ein weiteres bequemes Feature stellt der EPG (Electronic Program Guide) dar. Die Funktion zeigt das Fernsehprogramm aller verfügbaren Sender für die nächsten Tage an. Will man eine bestimmte Sendung aufzeichnen, reicht es, einfach die Aufnahme-Funktion dafür auszuwählen. Möglich sind auch automatische periodische Aufnahmen etwa für Serien oder mehrteilige Filme.
Aufnehmen und parallel zappen
Da der M2000M mit zwei TV-Adaptern ausgestattet ist, kann während einer laufenden Sendung im Hintergrund parallel eine zweite aufgezeichnet werden. Gespeichert werden zunächst alle Aufnahmen auf der Festplatte. Später können etwa Filme oder Sendungen auf CDs oder DVDs gebrannt werden.
Windows MCE bietet eine umfassende Medienwiedergabe für Videos, Musik und Bilder. Dabei kann man entweder auf gespeicherte Dateien auf der Festplatte zugreifen oder Daten von einer DVD oder CD wieder geben. Über den Kartenleser lassen sich etwa Urlaubsfotos direkt von der Speicherkarte des Fotoapparates anschauen. DVDs werden vom Media-Center-PC genauso wie von einem DVD-Laufwerk behandelt. Nach Einlegen des Mediums startet automatisch die Wiedergabe. Fotos und Bilder lassen sich in einer Diashow wiedergeben. Vorhandene Musik kann nach Album, Interpret, Wiedergabeliste, Titel oder Genre sortiert werden. Das Hilft, auch bei vielen Musikstücken und Alben noch den Überblick zu behalten. Zusätzlich ist auch noch eine Suchfunktion integriert.

Online-Dienste
Unter "Onlinegalerie" bietet das Media-Center die Möglichkeit, Multimediadienste über das Internet zu nutzen. So kann man sich etwa den Gang zur nächsten Videothek sparen, da Videos von einigen Anbietern als "Video on Demand" gegen eine Leihgebühr direkt aus dem Netz geladen und angeschaut werden können. Ähnliches gilt für Musik. Bei diversen mit Media Center verknüpften Anbietern können einzelne Musikstücke oder ganze Alben eingekauft und anschließend herunter geladen werden. Einige TV-Sender wie etwa das ZDF oder MTV bieten mittlerweile auch spezielles Online-TV an, bei dem man aus verschiedenen Sendungen auswählen kann. Weiterhin bietet das Media Center Zugriff auf hunderte von Radiosendern aus der ganzen Welt.
Wer das aktuelle Weltgeschehen nicht aus den Augen verlieren möchte, kann sich in Multimediale Portale der Nachrichtenagentur Reuters oder der Financial Times Deutschland einloggen. Und auch die Wettervorhersage kann per Knopfdruck abgerufen werden. Otto und Neckermann bieten ganze Online-Shopping-Portale und bei Berge & Meer etwa kann man online per Fernbedienung eine Reise buchen. Eine private E-Mail-Adresse kann sich jeder über Freenet einrichten. Zuletzt sorgen noch diverse kleine Online-Spiele, die sich ebenfalls über die Fernbedienung steuern lassen, für Unterhaltung.
Mit dem M2000M lassen sich durchaus auch 3D-Spiele zocken. Allerdings bietet die Geforce 7600GS nicht genügend Leistung um High-End-Grafik neuester Games flüssig wiederzugeben.
Spiele-Tauglichkeit
So muss man sich bei aktuellen Titeln meist mit dem Standard-Grafik-Modus begnügen. Auch der 512 Megabyte große Arbeitsspeicher bremst das System spürbar aus. Für die Kernaufgaben des Rechners, also das Media Center, Office- und Multimediaanwendungen, reicht die Performance jedoch aus. Synthetische Benchmarks bestätigten unseren Eindruck, dass sich der M2000M beim Leistungsspektrum heutiger PCs im unteren Mittelfeld bewegt. Beim 3DMark 05 erreichte der Rechner 3.936 Punkte, beim 3DMark 06 2.219 Punkte. Etwas besser waren die Werte beim Office-lastigeren PCMark 05, bei dem das System auf 4.436 Punkte kam.
Résumé
Abschließend wollen wir auf unsere Anfangsfrage zurückkommen und klären, ob der M2000M gängige Multimedia-Elektronik im Wohnzimmer ersetzen kann. Unsere Antwort lautet ja, denn der Rechner ersetzt CD- und DVD-Player, Radio, Videorekorder und DVB-T-Receiver und bietet darüber hinaus über die intuitive Media-Center-Oberfläche noch zahlreiche neue Features wie beispielsweise "Video on Demand", Internetzugang und Online-Shopping-Portale.
In Punkto Programmaufzeichnung hat der Rechner gegenüber einem Videorekorder oder auch einem DVD-Recorder die Nase vorn und bietet neue Funktionen wie Timeshifting oder den EPG, erlaubt es zudem eine Sendung aufzuzeichnen und währenddessen eine andere anzuschauen. Die Bedienung des Rechners gelingt dabei gewohnt bequem vom Sofa aus. Leider ist der M2000M mit rund 1.900 Euro nicht gerade günstig, bietet nur mittelklassige Performance für aktuelle 3D-Spiele und lässt beim Lieferumfang noch einige Adapter und Kabel für den TV-Anschluss vermissen.

(Filip Vojtech)

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