Netzvergleich

LTE: Schweiz vor Österreich und Deutschland

In der Schweiz laufen bereits 90 Prozent aller mobilen Datenverbindungen über LTE. Deutsche Netzbetreiber bauen Verbindungen noch deutlich häufiger über 3G auf. Die Funklöcher machen sich auch bei Zugreisen bemerkbar.

Schweiz© vencav / Fotolia.com

Heidelberg – Zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es große Unterschiede bei Mobilfunk-Netzabdeckung und -qualität. Die aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt auch auf, welchen Einfluss das Handynetz auf die Internetversorgung in Zügen hat.

Es kommt nicht nur auf die Anzahl der Masten an

In allen drei Ländern haben die nationalen Netzbetreiber ähnlich große Marktanteile. Aktuelle Zahlen zu Netzabdeckung und -nutzung ergeben jedoch große Unterschiede zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern. So teilen sich beispielsweise in der Schweiz und in Österreich weniger als 500 Nutzer einen Mobilfunkmast – in Deutschland sind es über 1.100 (Angaben der Regulierer bzw. Bundesämter).

"Die Zahl der Mobilfunkmasten allein erlaubt noch keinen Rückschluss auf die Versorgungsqualität", sagt Eugen Ostasch, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Zum einen erfolgt die Mobilfunkversorgung nicht nur über Masten, sondern mit mehreren Technologien. Zum anderen ist nicht jeder Mast gleich ausgestattet. Die verschiedenen Frequenzbänder ermöglichen sehr unterschiedliche Einsatzszenarien: Langwellige Frequenzen sind besser für die Flächenversorgung geeignet als kurzwellige, haben jedoch geringere Kapazitäten."

Langsames 3G-Netz bremst Deutschland aus

LTE, oftmals auch 4G genannt, ist der aktuelle Netzstandard. Während in der Schweiz Datenverbindungen zu fast 90 Prozent über LTE aufgebaut werden, sind es in Österreich 82 Prozent und in Deutschland lediglich 67 Prozent (Tutela State of Mobile Networks Report 2019). Deutsche Netzbetreiber nutzen die langsameren 3G-Netze noch deutlich häufiger als ihre Kollegen in den Nachbarländern. Das gilt insbesondere in ländlichen Regionen.

"In Deutschland wurde beim Netzausbau viel zu lange auf eine möglichst hohe Versorgungsquote von Haushalten gesetzt, anstatt auch für eine ausreichende Abdeckung in der Fläche zu sorgen. Das ist besonders auf Reisen spürbar, wenn Gespräche abbrechen oder sich Datenverbindungen nicht aufbauen", sagt Ostasch.

Zugreisen: Das Handynetz fährt immer mit

Zur Versorgung der Reisenden in Zügen bauen die Bahngesellschaften der drei Länder keine eigenen Netze auf. Genutzt wird das bestehende Handynetz, und zwar auch im Zug-WLAN. Zusätzliche Antennen oder Repeater verstärken die streckennahen Datensignale der Mobilfunkanbieter und verteilen diese. Fährt der Zug jedoch durch ein Gebiet ohne Mobilfunkversorgung, sind für die Reisenden weder Mobilfunkgespräche noch Internetnutzung möglich.

Eine gute WLAN-Versorgung im Zug ist also abhängig von der Qualität der Mobilfunkversorgung an der Strecke. Umgekehrt ist ein Zug-WLAN nicht nötig, wenn das Handynetz vor Ort gut ausgebaut ist. So verzichtet etwa die Schweizer Bahngesellschaft im nationalen Zugverkehr absichtlich auf WLAN: "Bei einer guten Mobilfunkversorgung würde das WLAN wie ein Flaschenhals wirken. Denn es bündelt die Signale der Nutzer und überträgt sie dann wieder zurück ins Handynetz. Deshalb sind Signalverstärker oft wirkungsvoller", erläutert Ostasch.

Die Deutsche Bahn hingegen hat den vielen Funklöchern im Flächenland Deutschland wenig entgegenzusetzen. Zwar dehnt sie ihr WLAN-Netz derzeit von ICE-Zügen auf Intercity-Strecken aus – doch erst mit einer verbesserten Mobilfunkversorgung vor Ort wird sich auch die Netzqualität im Zug merklich steigern lassen.

Melanie Zecher

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