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LTE-Router: Telekom sperrt Hardware aus

Für die LTE-Nutzung zuhause kommt bei Telekom, Vodafone und Telefónica Germany ein LTE-Router von Huawei zum Einsatz. Die Telekom setzt zudem auch 2012 auf eine Hardwaresperre für Router anderer Hersteller. Onlinekosten.de befragte die drei LTE-Anbieter zum Einsatz von frei verfügbaren Routern wie der Fritz!Box 6840 LTE.

20.01.2012, 17:16 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Der LTE-Ausbau kommt Schritt für Schritt voran. Nachdem die drei Mobilfunknetzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Germany aufgrund von Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur zunächst ländliche Regionen mit dem Mobilfunkstandard der vierten Generation erschließen mussten, werden in einigen Bundesländern nun auch die ersten Großstädte mit der schnellen Funktechnik versorgt. Vergangenes Jahr startete die Telekom LTE in Köln. Mitte Oktober folgte der Festnetz- und Mobilfunknetzbetreiber Vodafone mit dem LTE-Startschuss in Düsseldorf. Und auch in weiteren deutschen Metropolen geht es schnell und drahtlos ins Netz. Telefónica Germany baut LTE-Netze in München, Berlin und Hamburg auf. Wer die neue Mobilfunkgeneration zuhause nutzen möchte, muss derzeit noch Einschränkungen bei der Hardwareauswahl hinnehmen und kann in der Regel nur die von den Providern angebotenen LTE-Router oder alternativ einen LTE-Surfstick nutzen. Ein Ärgernis für manchen Kunden, denn auf dem Markt sind inzwischen diverse Geräte frei verfügbar.

Telekom setzt Speedport LTE-Router voraus

Die Deutsche Telekom setzt zur Nutzung ihres LTE-Tarifs Call & Surf Comfort via Funk den Einsatz des von ihr vermarkteten LTE-Routers Speedport LTE voraus. Dahinter verbirgt sich der auch bei Vodafone und o2 verwendete Router B390s-2 des chinesischen Herstellers Huawei. Die Hardware steht entweder zum Kauf für einmalig 249,95 Euro oder im Rahmen des Endgeräteservicepaketes für 4,95 Euro monatlich zur Miete bereit.

In diversen Online-Foren zeigen sich LTE-Nutzer unzufrieden über den Funktionsumfang der LTE-Hardware. Die Funktionalität des Speedport-Routers sei "ein Witz". Kunden vermissen beispielsweise DynDNS oder einen Anrufbeantworter und sprechen sich für eine freie Hardwareauswahl aus. Aus Kundensicht erscheint es unverständlich, dass sich nicht jeder LTE-Router in den jeweiligen LTE-Netzen nutzen lässt.

IMEI-Hardwaresperre wird auch 2012 nicht aufgehoben

Eine Telekom-Sprecherin erklärte unserer Redaktion auf Anfrage, dass das Unternehmen nur LTE-Endgeräte zulasse, die im eigenen Netz getestet wurden. Damit will der Bonner Konzern einen störungsfreien Betrieb beim Kunden sicherstellen. Der auf dem Markt frei verfügbare LTE-Router Fritz!Box 6840 LTE, den sich viele Nutzer als eine mögliche Alternative wünschen, sei dagegen noch nicht getestet worden. In diesem Jahr will der Konzern sein eigenes Portfolio um weitere LTE-Router erweitern. Derzeit würden geeignete Geräte ausgewählt, die nach einer Testphase freigegeben werden. Eine Auswahl der Hersteller habe noch nicht stattgefunden. Um Kunden mit den "Call & Surf via Funk"-Komplettpaketen "eine optimal aufeinander abgestimmte Netz und Endgeräte Performance am LTE-Zugang" zur Verfügung zu stellen, setzt die Telekom auf IMEI-fancing. Sprich: Die IMEI, eine eindeutig identifizierbare 15-stellige Seriennummer des Gerätes, wird für den LTE-Zugang abgeglichen. Die Hardwaresperre soll auch in diesem Jahr nicht aufgehoben werden.

Vodafone erlaubt Nutzung anderer LTE-Router - o2 prüft Fritz!Box 6840 LTE

Einen anderen Weg gehen die LTE-Konkurrenten der Telekom. Vodafone bietet nach Angaben eines Unternehmenssprechers den Kunden "eine Auswahl an optimal auf unser Netz abgestimmter LTE-Hardware an." Die LTE TurboBox ist ein reines LTE-Signal-Empfangsgerät. Daher hält der Mobilfunknetzbetreiber die TurboBox zusammen mit dem WLAN-Router LTE EasyBox 803 für 2,50 Euro monatliche Miete bereit. Hardwaresperren beispielsweise auf Basis von IMEI setzt Vodafone nach eigenen Angaben nicht ein. "Natürlich können Kunden aber auch andere Hardware nutzen", so der Vodafone-Sprecher. Einschränkend weist der Netzbetreiber aber darauf hin, dass bei der Nutzung von LTE-Komplettpaketen mit nicht von Vodafone bereitgestellter Hardware keine Telefonie möglich sei. Der Düsseldorfer Mobilfunknetzbetreiber könne den nötigen Quality of Service in diesem Fall nicht gewährleisten. Das Hardware-Angebot werde aber ständig erweitert, das Unternehmen stehe in engem Kontakt zu zahlreichen Herstellern.

Bei der Telefónica-Marke o2 kommt ebenfalls der Huawei LTE-Router B390 zum Einsatz, für den der Mobilfunknetzbetreiber bei Bestellung des Tarifs "o2 LTE für zuhause" einmalig 49,90 Euro berechnet. Bereits im Dezember 2010 kündigte Telefónica Germany jedoch an, dass die ersten o2 Friendly User LTE-Tests auch mit dem LTE-Router von AVM durchgeführt werden. Daher könnte die Fritz!Box 6840 LTE eventuell künftig das Router-Sortiment bei o2 erweitern. Eine entsprechende Aufnahme ins Portfolio werde nach Angaben eines o2-Sprechers geprüft.

Update vom 3. Februar, 12:30 Uhr: Keine IMEI-Sperre bei mobilen Telekom LTE-Tarifen

Eine Telekom-Sprecherin wies unsere Redaktion darauf hin, dass seit Juli 2011 mit allen Telekom Postpaid-Tarifen die Nutzung von LTE möglich sei. Alle Kunden könnten damit mit einem LTE-fähigen Endgerät grundsätzlich auch das LTE-Netz der Telekom nutzen. Die Beschränkung auf ausgewählte Endgeräte per IMEI-Fancing sei dagegen nur in wenigen Tarifen umgesetzt, unter anderem bei Call & Surf Comfort via Funk. Dieses werde in Regionen ohne DSL-Versorgung als Festnetzprodukt vermarktet.

Bei der Nutzung mobiler Tarife wie zum Beispiel web'n'walk XXL sei keine Beschränkung auf nur von der Telekom vermarktete Endgeräte verbunden. "Allerdings können wir auch nur für die über uns vermarkteten LTE-Endgeräte wie aktuell der Speedstick LTE und Speedport LTE sicherstellen, dass diese problemlos im Netz funktionieren", so die Telekom-Sprecherin.

(Jörg Schamberg)

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