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Lottoeinnahmen um 100 Millionen Euro gesunken

Nach Angaben des Deutschen Lottoverbandes hat das Verbot des Internet-Lotto drastische Folgen. Das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland wird fortgesetzt.

06.02.2009, 12:14 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Das große Lottofieber hat sich nach dem Knacken des letzten Jackpots in Höhe von 35 Millionen Euro vorerst gelegt. In den 23.700 Lottoannahmestellen in Deutschland ist wieder Alltag eingekehrt. Nicht so aber bei den Lotto-Vermittlern, die bis zum Ende des vergangenen Jahres auch das Lotto-Spiel per Internet anbieten konnten. Seit dem 1. Januar diesen Jahres ist aufgrund des Inkrafttretens des neuen Glücksspielstaatsvertrages die Abgabe von Lotto-Tipps per Internet verboten.
Lottoeinnahmen sinken drastisch
Der Deutsche Lottoverband, in dem gewerbliche Lottoveranstalter zusammengeschlossen sind, hat bereits sinkende Lottoeinnahmen als erste Auswirkungen des Glücksspielstaatsvertrags festgestellt. Im Vergleich zu den zwölf Ziehungen des Megajackpots 2007 sanken die Einnahmen der Bundesländer in diesem Jahr bei dem immerhin drittgrößten Jackpot in der deutschen Lottogeschichte um 100 Millionen Euro. Dadurch könnten 40 Millionen Euro weniger an gemeinnützige Projekte verteilt werden. Alleine bei der letzten Ziehung flossen 25 Millionen Euro weniger in die Kassen der Lottoveranstalter.
Lottospieler nutzen ausländische Lotto-Anbieter
Norman Faber, der Präsident des Deutschen Lottoverbandes, sieht das Lotto-Spiel in Deutschland in der Krise. Die bis jetzt bekannten Zahlen würden die düstersten Prognosen übertreffen. "Das liegt nicht an den Auswirkungen einer Finanzkrise wie der Deutsche Lotto- und Totoblock behauptet und man beim Blick auf die Spielfreude in den europäischen Nachbarländern unschwer erkennen kann," so Faber. "Vielmehr sorgen hierzulande die Werbebeschränkungen und das Internetverbot dafür, dass das deutsche Lotto viel schneller als befürchtet aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet und deshalb die Einnahmen drastisch sinken", so Faber weiter.
Da in Deutschland das Internet-Lotto verboten ist, würden sich immer mehr deutsche Lottospieler Angebote von ausländischen Anbietern suchen, die nach europäischem Recht legal Lotto im Netz anbieten dürfen. Einnahmen und Steuern würden so im Ausland landen. Einige private Vermittler wie Tipp24 waren nach Großbritannien ausgewichen und bieten seitdem von dort aus weiterhin Lotto mit den gleichen Gewinnquoten an, die auch der Deutsche Lottoblock ausspielt. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor dem Internet-Lotto: Staatlich garantiert seien diese Lotto-Gewinne nicht mehr.
Zahlreiche Lottoannahmestellen sind im Bestand gefährdet
Gefährdet seien aber vor allem auch die zahlreichen Lotto-Annahmestellen, da die bisherigen Internetspieler eher nach Alternativen im Internet suchen, anstatt in den Kiosk vor Ort zu gehen, um dort ihren Lottoschein auszufüllen. Faber sieht die Lottospieler in den Annahmestellen gar "vom Aussterben bedroht." Es müsse endlich eine Regelung gefunden werden, die mit dem Europarecht konform gehe und auch deutschen Anbietern wieder die Lottovermittlung im Internet ermögliche.
EU-Kommission geht weiter gegen Glücksspielstaatsvertrag vor
Die EU-Kommission wird unterdessen nach Angaben des Deutschen Lottoverbandes weiter gegen das deutsche Verbot des Internet-Lotto vorgehen. Am 31. Januar des vergangenen Jahres hatte die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Es sei keine Einstellung des Verfahrens geplant. Der Glücksspielstaatsvertrag sei nach Meinung der EU-Kommission "unverhältnismäßig, ungerechtfertigt" und ein "Verstoß gegen Europarecht". Die deutschen Regelungen seien widersprüchlich. Der Lottoverband führte an, dass die gewerbliche Spielvermittlung von Lotto im Internet verboten sei, Pferdewetten jedoch nicht. Auch sei das Angebot an Spielautomaten stark ausgeweitet worden. "So wird zwangsläufig der Europäische Gerichtshof den Glücksspielstaatsvertrag aus den Angeln heben müssen", hofft Faber.

(Jörg Schamberg)

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