Rechtliche Einschätzung

Live-Tracking per WhatsApp: Ist die Ortung des Standortes legal?

WhatsApp könnte schon bald dank der neuen Live-Tracking-Funktion die Ermittlung der Standorte von Freunden ermöglichen. Der Kölner IT-Anwalt Christian Solmecke erläutert rechtliche Fragen rund um das neue Feature.

Jörg Schamberg, 31.01.2017, 10:01 Uhr
WhatsApp Messenger© Rido / Fotolia.com

Köln – In einer Beta-Version des Messengers WhatsApp wurde ein neues Feature entdeckt, das das Live-Tracking von Freunden erlaubt. Lassen sich WhatsApp-Nutzer damit nun bespitzeln und Bewegungsprofile anlegen? Christian Solmecke, Kölner Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht, hat wichtige rechtliche Fragen zur kommenden Tracking-Funktion bewertet.

Tracking-Funktion ist standardmäßig deaktiviert

Das neue Tracking-Feature soll Mitgliedern eines Gruppenchats ermöglichen, die aktuellen Standorte der anderen Mitglieder in Echtzeit nachzuvollziehen. WhatsApp will Nutzern damit ein schnelleres Finden von Freunden beispielsweise in Einkaufsstraßen oder auf Festival-Geländen erleichtern. Standardmäßig ist die neue Funktion deaktiviert. Informationen zum Standort lassen sich wahlweise für ein, zwei oder fünf Minuten oder sogar ohne Zeitbeschränkung teilen.

Jugendliche brauchen für Tracking-Aktivierung Erlaubnis der Eltern

Besonders sensibel sei die Rechtslage bei jungen Nutzern. Auch wenn WhatsApp laut AGB generell nur für Nutzer ab 16 Jahren zugelassen ist, sehe es in der Praxis aber anders aus. Auch Kinder greifen auf WhatsApp zu. "Falls WhatsApp nicht überprüft, wie alt der Nutzer ist, darf die Funktion der Standortermittlung meiner Meinung nach nicht freigeschaltet werden", erklärt Anwalt Solmecke. Da die Funktion sehr weitreichend sei, benötigten Jugendliche das Einverständnis ihrer Eltern zur Aktivierung des Live-Trackings. Denn die Standortanzeige bedeute auch einen teilweise Verzicht auf die eigenen Persönlichkeitsrechte. Gerade junge Menschen könnten dies jedoch kaum einschätzen. Allerdings sei es auch Eltern nicht gestattet, eine Ortung ohne Einverständnis ihrer Kinder freizuschalten. Das gelte insbesondere ab einer Altersgrenze von etwa 14 Jahren, ab der Kinder über eine Ortung mitbestimmen dürfen.

Enge Grenzen für Ortung von Mitarbeitern durch den Chef

Kann der Chef über das neue WhatsApp-Feature künftig den Standort seiner Mitarbeiter orten? "Arbeitsrechtlich ist das Orten der Mitarbeiter nur erlaubt, wenn diese damit ausdrücklich einverstanden sind und es einen nachvollziehbaren Grund für die Ortung gibt", betont Solmecke. Das könne beispielsweise in der Logistikbranche der Fall sein. Für eine legale Ortung sei aber zuvor eine schriftliche Vereinbarung mit dem Mitarbeiter erforderlich.

Ist das Erstellen von Bewegungsprofilen von Freunden erlaubt?

Da die Tracking-Funktion zunächst deaktiviert daherkommt und vom Nutzer aktiv eingeschaltet werden muss, sei sie nicht per se illegal. Unklar sei bislang aber noch, ob WhatsApp die Daten über den Standort speichert. "Ohne ein ausdrückliches Einverständnis und einen deutlichen Hinweis zur Speicherung, dürfte das Mitzeichnen des Standorts allerdings illegal sein", so Solmecke. Das gelte auch für die Erstellung von Bewegungsprofilen von Freunden. "Nur, weil mir meine Freunde die Ortung gestatten, heißt das nicht, dass damit auch die Erlaubnis zur Erstellung von Bewegungsprofilen erteilt wird. Wer seine Freunde täglich beobachtet und entsprechende Aufzeichnungen erstellt, verhält sich unrechtmäßig", erläutert der IT-Anwalt.

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