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Lenovo: Smartphones sind keine Top-Priorität

Während andere Hersteller verbissen um Marktanteile kämpfen, sieht der chinesische Elektronikkonzern Lenovo vorerst keine Notwendigkeit, mit eigenen Smartphones im Ausland zu expandieren, berichtet die "Financial Times Deutschland".

28.06.2010, 12:37 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Einer der am meisten umkämpften Bereiche des Mobilfunksektors ist das Smartphone-Geschäft. Verbissen ringen die Größen der Branche um Marktzugänge, Verkaufsanteile und Absatzsteigerungen - gilt es doch die eigene Position im Hype um iPhone und Co dauerhaft zu festigen. Der chinesische Elektronikkonzern Lenovo sieht hingegen vorerst keine Notwendigkeit, den asiatischen Heimatmarkt zu verlassen und seine Smartphones auch in Europa sowie den USA zu vertreiben, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Für globale Smartphone-Offensive zu klein

Hierzulande ist das Unternehmen bislang hauptsächlich für seine Notebook-Sparte bekannt, die es vor Jahren von IBM übernommen hatte. Mit Mobiltelefonen fiel Lenovo jedoch noch nicht auf – und wird es wohl auch künftig nicht. Schuld daran sind einerseits strategische Fehlentscheidungen der Vergangenheit. So hatte Lenovo seine Mobilfunksparte 2008 für rund 100 Millionen US-Dollar abgestoßen und nur ein Jahr später für das Doppelte wieder zurückgekauft.

Andererseits tritt das Unternehmen bewusst auf die Bremse. "Smartphones sind alles andere als eine Top-Priorität für mich", sagte Lenovo-Manager Milko van Duijl der "FTD". Für eine globale Smartphone-Offensive sei der Konzern nicht groß und bekannt genug. "Die Ausweitung unseres Vertriebsnetzes hält uns schon genug in Atem", so van Duijl.

Software-Expertise ungewiss

Auch Sicht des US-Marktanalysten iSuppli kommen noch Defizite in wichtigen Produktbereichen hinzu. "Das Unternehmen muss seine Software-Expertise erst unter Beweis stellen, bevor es Handys in großer Zahl in den Markt bringen kann", betonte iSuppli-Branchenexpertin Tina Teng. Da Lenovo auf Android setze, komme dem eigenen Softwarewissen wesentlich mehr Bedeutung zu als etwa bei Verwendung vorgegebener Plattformen wie Windows Mobile. Die Entwicklung einer eigenen Benutzerführung sei dabei der beste Unterscheidungsfaktor, sagte Teng.

Andere Beobachter sehen die fehlende Expertise Lenovos als Hauptproblem. "PC-Hersteller haben oft nicht den Zugang zu den richtigen Verkaufskanälen", sagte Meike Escherich vom US-Marktforschungsinstitut Gartner. Eine Voraussetzung seien daher intensivere Kontakte zu Mobilfunkbetreibern, so die Gartner-Analystin. Um in Deutschland stärker Fuß zu fassen, präsentiert sich Lenovo Anfang September erstmals auf der Messe für Unterhaltungselektronik Ifa in Berlin - aller Voraussicht nach aber ohne Fokus auf das Smartphone-Geschäft.

(Christian Wolf)

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