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Learntec: Deutsche Schulen hinter dem E-Mond

E-Learning: Wissen per Mausklick. Eine schöne Theorie? Digitales Lernen ist in der beruflichen Weiterbildung angekommen, nicht aber in den Schule. Und das hat viele Gründe. Die Learntec 2014 in Karlsruhe will das ändern

08.02.2014, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Mobile World Congress© GSM Association

"Wir stehen unmittelbar vor einer digitalen Revolution in der Bildung", sagte der Karlsruher Informatiker Peter Henning anlässlich der Karlsruher Bildungsmesse Learntec. Die Zukunft gehöre der offenen Bildung im Internet, feste Bindung an Klassenräume werde an Bedeutung verlieren.

Schulen sind noch Diaspora

In Bezug auf den aktuellen Status insbesondere an den Bildungsstätten Nummer 1, den Schulen, erscheint dies allerdings sehr optimistisch. Während E-Learning in der beruflichen Weiterbildung bereits weitgehend angekommen ist, steckt der digitale Ansatz an deutschen Schulen noch in den Kinderschuhen. Zwar hat die Learntec in diesem Jahr sich gerade diesem Thema verschrieben: Erstmals gibt es einen besonderen Ausstellungsbereich mit der Bezeichnung school@Learntec, in dem 22 Anbieter ihre speziellen Lösungen für den Unterricht vorstellen. Dennoch sind Schulen aus E-Learning-Sicht noch Diaspora.

Einer der Gründe: Es fehlt an Geld. Zwar gibt es hierzulande Lehrmittelfreiheit, doch was nutzt sie, wenn die Elten keine Tablets kaufen können? Einzelne Schulen, beispielsweise in Niedersachsen, haben kreative Problemlösungen wie Sponsorship und Leasingkonzepte entwickelt, die den elterlichen Geldbeutel schonen. Sie bleiben jedoch die Ausnahme.

Ein weiterer Grund liegt in der angestaubten Lehrerausbildung. Computer und interaktive Lernmöglichkeiten spielen im Lehramtsstudium eine untergeordnete Rolle. Ergebnis: Während US-amerikanische Einrichtungen die Türen für die Technik öffnen, haben hierzulande die wenigsten eine elektronische Tafel. Computer oder Tablets während des Unterrichts sind die Ausnahme, Handys bleiben zumeist verboten. Fazit: Es bleibt beim Overhead-Projektor.

Lehrerausbildung: "Nicht immer Qulität"

Einen kritischen Blick auf die Lehrerausbildung warf auch Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, anlässlich der Messe-Eröffnung. Die Lehrerausbildung funktioniere "nicht immer in der Qualität, die wir benötigen". 84 Prozent der angehenden Lehrer sein Frauen – möglicher Weise ein Problem, wenn es darum geht, das Interesse an mathematischer und naturwissenschaftlicher Ausbildung zu wecken. Gleiches gilt für den Anteil von Lehrern mit ausländischen Herkunft. Hier stehen zwei Prozent einem Anteil von 75 Prozent von Neugeborenen mit Migrationshintergrund in einer Stadt wie Frankfurt am Main gegenüber, so Schlüter.

Ein drittes Problem stellt der Mangel an geeignetem Lehrmaterial dar. Zwar haben sich mehrere Schulbuchverlage in einem "digitalen Buchregal" zusammengeschlossen und bieten einen Teil ihrer Bücher digital an. Von Quoten wie in den USA, wo der komplette Highachool-Lehrplan als iBook erhältlich ist, sind die Deutschen noch weit entfernt.

Immerhin scheinen einzelne Universitäten ihre Chance erkannt zu haben, mit digitalen Hilfsmitteln die Studentenflut zu bewältigen. So zählt beispielweise die Johannes Gutenberg-Universität in Mainz bundesweit zu den Vorreitern bei E-Klausuren. Die Vorteile: Mit dem deutlich geringeren Korrekturaufwand können auch große Teilnehmerzahlen bewältigt werden. Auch sei eine computerbasierte Auswertung in vielen Fällen objektiver und schneller. Im Sommersemester 2013 wurden in Mainz bereits rund 16.200 E-Klausuren geschrieben, 40 Prozent von Medizinstudenten. Doch auch Vizepräsidentin Prof. Mechthild Dreyer betont: "Insgesamt muss es die Vielfalt an Prüfungsformen natürlich weiter geben".

Während der 22. "Learntec" zeigen 226 Aussteller aus zehn Ländern auf dem Messegelände in Rheinstetten bis 4. Februar 2014 ihre Software, Hardware oder Systemlösungen zum digitalen Lernen. Das sind im Vergleich zum Vorjahr zehn Prozent mehr. Bei den Besuchern erwartet die Messeleitung eine Steigerung von rund 6.000 im vergangenen Jahr auf 7.000.

In Deutschland gibt es rund 250 Firmen, die Angebote zum E-Learning entwickeln. Der Wirtschaftsverband Bitkom gibt ihren Jahresumsatz aufgrund einer Untersuchung des MMB Instituts mit 523 Millionen Euro an. Die Branche beschäftigt demnach 9300 Menschen, unter ihnen 2700 als freie Mitarbeiter.

(Dorothee Monreal)

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