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Larry Ellison: Ein Titan des Silicon Valley tritt ab

Der milliardenschwere Oracle-Gründer Larry Ellison zieht sich aus dem Geschäft zurück. Ellison hat sich vor allem mit seiner aggressiven Gangart, markigen Sprüche und einem exzessiven Lebensstil einen Namen gemacht.

19.09.2014, 16:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Mit Larry Ellison verlässt eine der schillerndsten Figuren des Silicon Valley die große Bühne. Oracle-Gründer Ellison gibt die Führung des Software-Konzerns ab. Der 70-Jährige übernimmt den Vorsitz im Verwaltungsrat und will zugleich als Technikchef im operativen Geschäft bleiben. Seine bisherigen Stellvertreter Mark Hurd und Safra Catz sollen ihn in einer Doppelspitze ersetzen. Ellison war bisher der einzige Chef von Oracle seit der Gründung im Jahr 1977. Der Milliardär ist legendär für seine aggressive Gangart, markige Sprüche und einen exzessiven Lebensstil. So scheut Ellison keine Kosten für seine große Leidenschaft, das Segeln: Seine Teams gewannen immer wieder den prestigeträchtigen America's Cup, er ließ jüngst den Auftritt bei einer Kundenkonferenz ausfallen, um einem Entscheidungsrennen zuzusehen.

Sammelleidenschaft für Häuser, Autos und Flugzeuge

Bescheiden ist ganz sicher kein Wort, das auf Ellison zutrifft. Das Magazin "Forbes" führt ihn in der aktuellen Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz fünf mit einem Vermögen von 51,3 Milliarden Dollar dank seines Oracle-Anteils. Er sammelt Häuser, Autos und Flugzeuge. Im Jahr 2012 kaufte er sich eine Insel bei Hawaii, laut Medienberichten für eine halbe Milliarde Dollar. Er war vier Mal verheiratet und wurde vier Mal geschieden.

Vor allem macht Ellison aber ein gnadenloser Eroberer-Geist aus. Er zog mit harter Hand milliardenschwere feindliche Übernahmen durch, und ist berüchtigt für verbale Attacken gegen Konkurrenten. Zum Beispiel als SAP mit dem Datenbanken-Produkt Hana auf den Markt kam, schloss Ellison eine Gefahr für Oracle in einer Telefonkonferenz mit Analysten im Herbst 2012 in Anspielung auf den ehemaligen SAP-Chef Léo Apotheker in seiner typischen Manier aus: "Gebt mir den Namen von dem Apotheker, sie müssen auf Drogen sein."

"Fehde" mit Hasso Plattner

Mit SAP und Mitgründer Hasso Plattner pflegt Ellison sowieso schon lange eine herzliche Abneigung: Sie sind erbitterte Rivalen nicht nur im Geschäft, sondern auch bei Segelrennen. 2007 setzte Oracle auch eine juristische Schlacht gegen Europas führenden Softwarekonzern in Gang, nachdem Mitarbeiter einer amerikanischen SAP-Tochter Material von einer Oracle-Firma heruntergeladen hatten.

Symbolträchtig kündigte SAP in den USA ausgerechnet am Tag von Ellisons Abschied vom Chefposten nach 37 Jahren die größte Übernahme der Firmengeschichte an. Für rund 6,5 Milliarden Euro soll der Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung Concur gekauft werden.

Ellison heuerte Privatdetektive an

Oracle steht auch für die klassische Geschichte eines Self-Made-Mannes, der vom einfachen Programmierer zum Milliardär wurde. Er wuchs als Adoptivkind in Chicago auf und brach sein Mathematik-Studium ab, um als Programmierer nach Kalifornien zu gehen. Im Jahr 1977 hatte Ellison die Idee, mit einer eigenen Firma ins Geschäft mit Datenbanken für Firmen einzusteigen, das damals von IBM beherrscht wurde. Er traf einen Nerv. Die Verkäufe wuchsen schnell und Oracle brachte Ellison in eine Liga mit Titanen der Computer-Branche wie Microsoft-Gründer Bill Gates und Apples Steve Jobs. Als Microsoft Ende der 90er Jahre im Visier von Wettbewerbshütern stand, heuerte Ellison Privatdetektive an, um dem Windows-Riesen illegale Geschäftspraktiken nachzuweisen.

Mit Jobs verband dagegen Ellison eine jahrelange Männerfreundschaft. Sie lernten sich kennen als in frühen Oracle-Jahren ein von Jobs' damaliger Freundin geschenkter Pfau seinen Nachbarn Ellison mit seinem Gekreische um den Schlaf brachte. Das gemeinsame Schicksal als Adoptiv-Kind verband die beiden Männer auch emotional. Später, Mitte der 90er Jahre, bot Ellison seinem Freund Jobs an, er könnte den strauchelnden Apple-Konzern einfach kaufen und in die Hand des Gründers legen. Das erwies sich als unnötig, Apple holte sich Steve Jobs selbst als Retter. Zuletzt zeigte sich der Oracle-Gründer in seiner üblichen ungenierten Art skeptisch, ob Apple nach dem Tod seines Freunde erfolgreich bleiben könne: "Wir haben schon einmal gesehen, was mit Apple ohne Steve Jobs passierte."

(Marcel Petritz)

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