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Kurth: Keine Regulierung für Glasfaser-Zugänge

Auf dem VATM-Glasfasertag in Düsseldorf sprach sich der Präsident der Bundesnetzagentur gegen eine zu frühe Regulierung aus. Europa hinkt beim Glasfaserausbau noch hinterher.

10.12.2009, 15:31 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der Traffic im Internet nimmt zu, höhere Bandbreiten werden verstärkt nachgefragt. Als technische Lösung bietet sich der Einsatz von Glasfaser an. Auf dem Glasfasertag des VATM, des Verbandes der Telekom-Wettbewerber, in Düsseldorf sprach sich VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner dafür aus, das Thema "Glas" in den Köpfen weiter voranzutreiben. Jedes Unternehmen habe derzeit noch eigene Glasfaserausbaustrategien, der VATM wolle aber marktgängige Konzepte erreichen.
Regulierung für Glasfaser derzeit nicht erforderlich
Laut Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, sei es an den Unternehmen, solche neuen Konzepte zu entwickeln. Neue Dienstleistungen erforderten neue Infrastrukturen, dafür brauche es keine staatliche, zentrale Planung. "Eine zu frühe Regulierung kann kontraproduktiv sein", so Kurth. Denkbar seien auch Partnerschaften mehrerer Unternehmen. Die Bundesnetzagentur werde nur aktiv, wenn Unternehmen sich nicht einigen könnten. Am Anfang dieser Woche hatte die Bundesnetzagentur erste Bedingungen für den VDSL-Zugang der Wettbewerber zum Telekom-Glasfasernetz festgelegt. Damit hätte der Regulierer ein klares Signal mit einem verbindlichen Investitionsrahmen gesetzt. Die konkrete Preisfestlegung komme später hinzu, die Entgeltfrage spiele jedoch eine entscheidende Rolle. Die bisherige Praxis der Regulierung habe bislang gut funktioniert.
Asien und USA sind Deutschland voraus
Auf europäischer Ebene sei der Beitrag der EU zum Glasfaserausbau sehr beschränkt, so Roland Honekamp, Leiter der Sektion Economic Regulation der EU-Kommission. VDSL entwickele sich zu einer dominanten Technologie in Europa, es sei aber schwierig einen Ansatz zu entwickeln, der für alle Mitgliedsländer gelten solle. Hartwig Tauber, Generaldirektor des FTTH Council Europe, führte den Rückstand Europas beim Glasfaserausbau an. In den USA, aber vor allem in Asien, sei der Ausbau - teils auch subventioniert - schon erheblich weiter fortgeschritten. Es gelte in Europa auch die Kosten für die unterirdische Verlegung der Glasfaserkabel zu reduzieren. Dies könne durch die Mitnutzung von Leerrohren oder von ohnehin notwendigen Grabearbeiten sowie durch Verlegung in bestehenden Kanälen erfolgen. Matthias Kurth wies darauf hin, dass der kürzlich veröffentlichte zentrale Infrastrukturatlas bereits alle jeweils vor Ort vorhandenen Infrastrukturen erfasst habe. Künftig werde es auch ein zentrales Baustellenkataster geben. "Der Glasfaserausbau muss beschleunigt werden", so Kurth. Öffentliches Geld dürfe es aber nur zur Förderung geben, wenn der Wettbewerb dadurch nicht beeinträchtigt werde. Eine gezielte Unterstützung müsse technologieneutral sein.
Warnung vor zu großer Euphorie: Kunden müssen mitziehen
Wichtig sei der Mehrwert für die Kunden: Es müsse gefragt werden, ob diese jetzt schon Internetzugänge mit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) benötigten. Norwegen sei beispielsweise fast komplett mit Glasfaser ausgebaut, es werde dort bislang jedoch kaum genutzt. Kurth warnt daher auch vor zu großer Euphorie beim Glasfaserausbau. Die Kunden müssten bereit sein für mehr Bandbreite auch mehr zu bezahlen. Weltweit gebe es unterschiedliche gestalterische Ansätze der Politik. Hartwig Tauber führt hier etwa Südkorea an, das ein Gigabit für alle als Ziel ausgerufen habe. Großbritannien dagegen setze hier lediglich auf bescheidene zwei Mbit/s für die breite Masse.
Open Access als Zukunftsmodell?
In Düsseldorf kam auch der Ansatz Open Access zur Sprache: In der Regel baut eine Kommune in Eigenregie Infrastrukturen aus und ermöglicht Providern dann den Zugang. Die Bundesnetzagentur berät derzeit über ein Eckpunktepapier, das verschiedene Stufen von Open Access klassifizieren soll. Es gebe "kein einheitliches Open Access für alle". Offene Schnittstellen und Standards sollten laut Kurth allerdings definiert werden, damit Dienste auch über Netzwerkgrenzen funktionierten. Wenn eine Kommune ihr Netz allen Anbietern öffne, sei keine Regulierung nötig. Das Kartellamt prüfe derzeit einige entsprechende Projekte.

(Jörg Schamberg)

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