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Kurth: Kein Glasfaserausbau bis auf die letzte Alm

Auf der Handelsblatt Jahrestagung "Telecom Trends" mahnte der Chef der Bundesnetzagentur, die Kosten für den Breitband-Ausbau nicht aus den Augen zu verlieren. Die digitale Dividende soll in vier Schritten Breitband aufs Land bringen.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com
Deutschland verfügt nach Ansicht von Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, im Allgemeinen über eine gute Breitband-Versorgung. "Ein Großteil der Deutschen ist mit Breitband ganz gut versorgt", sagte er am Mittwoch auf der Handelsblatt Jahrestagung "Telekommarkt Europa 2009" in Düsseldorf. Man könne hierzulande auf eine leistungsfähige Infrastruktur blicken.

Kosten nicht aus den Augen verlieren

Wenn man es genau nehme, sei in Deutschland sogar schon heute eine flächendeckende Breitband-Versorgung vorhanden. Kurth verwies auf die Angebote von SES Astra und Eutelsat, mit denen Breitband auch auf dem Land zur Verfügung stehe. Das sei zwar etwas teurer, aber niemand könne erwarten, dass eine Glasfaserleitung "bis auf die letzte Alm" gelegt werden. "Das muss ja auch noch jemand bezahlen", sagte Kurth. "Die Kostenorientierung im Auge zu behalten ist sehr wichtig."

In Sachen Breitbandausbau sei vor allem die Technologieneutralität eins der wichtigsten Prinzipien. Schließlich wisse niemand, welche Technologie eines Tages am besten und vor allem die kostengünstigste sei. "Wir können es als Schiedsrichter am Markt nicht allen Recht machen", meint Chef-Regulierer Kurth. "Der Markterfolg ist der Maßstab." Das Wettbewerbsniveau in Deutschland dürfe grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden, denn vieles sei durch gesunden Wettbewerb erreicht worden.

Für die Zukunft sei es vor allem wichtig, das Telekommunikationsnetz in Deutschland weiterzuentwickeln. Dafür will die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben vor allem die Investitionen weiter fördern. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass sinkende Endkundenpreise auch immer geringer ausfallende Margen der Telekommunikationsanbieter zu Folge hätten. Das führe ganz zwangsläufig zu einer Konsolidierung des Marktes – wie man aktuell zum Beispiel bei den DSL-Providern sehen könne.

Digitale Dividende in vier Schritten

Angesprochen auf die digitale Dividende sagte Kurth, dass die Breitband-Versorgung auf dem Land in vier Prioritätsstufen angegangen werde. In einer ersten Stufe müssen jene Anbieter, die eine Funklizenz ersteigern werden, alle Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern mit einem Breitband-Anschluss versorgen. Die nächste Stufe dürfe erst angegangen werden, wenn mindestens 80 Prozent der Haushalte aus der ersten Stufe mit mindestens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt werden können. Dies werde von der Bundesnetzagentur überprüft.

(Hayo Lücke)

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