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Kurth: Internetanbieter-Streit bremst Glasfaser aus

Durch Uneinigkeit bei Technik, Standards und Zusammenarbeit werde der Glasfaserausbau in Deutschland unnötig gebremst, so Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, in der "Financial Times Deutschland".

04.05.2010, 15:16 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Glasfaser gehört die Zukunft. Ob diese Zukunft allerdings eher nah oder in weiter Ferne liegt, ist bislang noch weitgehend unklar. Aus Sicht der Bundesnetzagentur dauert die Einführung der Glasfaser zumindest länger als nötig. Grund: Die deutschen Internetanbieter bremsten den Ausbau der Infrastruktur durch Streitereien um Technik und Standards, so der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, in der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Freiwilligkeit statt Zwang

Es sei sehr unbefriedigend, dass viele Verhandlungen bisher zu keinem konkreten Ergebnis führten. "Am Ende des Tages muss es eine Entscheidung geben, sonst wird der Netzausbau in Deutschland blockiert", warnte Kurth. Um Glasfaser den Weg zu ebnen, hat die Netzagentur daher im April erstmals die Vertreter führender Unternehmen der Branche an einen Tisch geholt, um Blockaden auszuräumen. Sollten die vorerst für den Zeitraum eines Jahres geplanten Gespräche einen Anstoß zu freiwilligen Marktlösungen geben, seien weniger Regulierungsmaßnahmen notwendig, so Kurth.

Einigungen sind in vielen Bereichen geboten. So diskutieren die Beteiligten unter anderem über Rahmenbedingungen für Investitionsbeteiligungen und Häuserverkabelung, offene Standards sowie technische Schnittstellen. Kurth fordert auch eine stärkere Zusammenarbeit beim Netzausbau. "Es macht keinen Sinn, dass zwei bis drei Gesellschaften Glasfaser in jede Wohnung legen", kritisiert der Netzagentur-Präsident. Vielmehr werde es tendenziell natürliche Monopole auf regionaler Ebene geben. Auch Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hatte in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass ein Ausbau lokale und regionale Partnerschaften benötige.

In der Folge werde die Regulierung möglicherweise ebenfalls fragmentiert. "Wir schließen bei der Regulierung eine Regionalisierung grundsätzlich nicht aus. Allerdings müssen die Voraussetzungen hierfür bei den Marktanalysen erfüllt sein", sagte Kurth der Zeitung. Bislang fallen Anbieter mit einzelnen regionalen Monopolen nicht unter den Regulierungszwang. Auch die Kabelanbieter stehen derzeit nicht unter Beobachtung der Behörde, da der Marktanteil der klassischen Telekomkonzerne laut Kurth immer noch um ein Zehnfaches über dem der Kabelbetreiber liegt. "Es wird noch eine Reihe von Jahren ein erhebliches Ungleichgewicht beim Breitbandzugang geben", sagt der Behörden-Chef.

(Christian Wolf)

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