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Kurth: Glasfaserregulierung "Geschenk" für Telekom

Die von der Bundesnetzagentur vorgesehene "Ex post"-Regulierung der Glasfaser erlaubt der Telekom die Festlegung der Preise. Sie muss aber die Glasfaserprodukte bei Marktstart auch den Wettbewerbern öffnen. Matthias Kurth, Präsident der Netzagentur, vertraut auf den Markt.

06.02.2011, 11:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

"Was tut sich im Land bei Glasfaser?". Das war die zentrale Fragestellung auf dem bereits zum dritten Mal vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) in Köln veranstalteten Glasfasertag. Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, erläuterte die von der Regulierungsbehörde Ende Januar vorgelegte "hoffentlich weise" und grundlegende Entscheidung für die Regulierung der Glasfaser: Nicht die Bundesnetzagentur setzt die Preise fest, sondern die Marktteilnehmer selbst können die Preise aushandeln.

Telekom muss Glasfaser für Wettbewerber öffnen

Weiterhin gelte die Regulierung nur für Marktbeherrscher wie die Deutsche Telekom. Kleinere Anbieter wie NetCologne, die auch Glasfasernetze bauen, fallen nicht darunter. Die Telekom will bis 2012 rund zehn Prozent beziehungsweise bis zu vier Millionen Haushalte mit Glasfaser versorgen können. Im Rahmen der Glasfaser-Regulierung für FTTH- und FTTB-Internetzugänge habe Ex-Monopolist der Bundesnetzagentur fest zugesagt, nicht erst ein bis zwei Jahre zu versuchen, Produkte alleine anzubieten. Die Glasfaserprodukte der Telekom sollen zum Zeitpunkt des eigenen Marktstarts auch Wettbewerbern zur Verfügung stehen. Damit würden Verzögerungen wie beim VDSL-Ausbau vermieden.

Bundesnetzagentur vertraut auf den Wettbewerb

Als "Geschenk an die Telekom" bezeichnete Kurth die Entscheidung, dass der Bonner Konzern den Preis selbst festsetzen darf. Die Bundesnetzagentur vertraut dabei auf den Wettbewerb: "Ist der Preis zu hoch angesetzt, wird keiner das Produkt bestellen", so Kurth. Die Regulierungsbehörde überprüfe die Preisgestaltung erst nach der Aushandlung durch den Markt. Einer Ex ante-Regulierung, der vorherigen Festlegung von Preisen durch die Netzagentur inklusive eines Risikoaufschlages, erteilte Kurth beim Glasfaserausbau eine Absage. VATM-Präsident Gerd Eickers äußerte angesichts von 15 Jahren eher schlechten Erfahrungen mit der Telekom jedoch Bedenken gegenüber der von der Bundesnetzagentur angestrebten Ex post-Regulierung. Gelinge eine gerechte Preisfestlegung durch den Markt nicht, müsse die Regulierungsbehörde zügig eingreifen.

Deutsche wollen monatlich nur 5 Euro mehr für schnelleres Internet bezahlen

Bei der Preisfestlegung müsse laut Kurth auch immer die Zahlungsbereitschaft der Endkunden im Blick behalten werden. Das sei der "Deckel für die Wirtschaftlichkeit" der Investitionen in die Glasfasernetze. "Was kann ich denn zurückverdienen und in welchem Zeitraum", so Kurth. Zumal klar sein sollte, dass ein Netz nicht zu 100 Prozent ausgelastet werden wird. In Norwegen gebe es flächendeckend Glasfaser, aber nicht alle Norweger bestellen Glasfaserprodukte. In Deutschland sei die Geiz ist geil-Mentalität vorherrschend. Laut einer Erhebung des VATM sind die Bundesbürger nicht bereit, mehr als 5 Euro im Monat zusätzlich für schnelleres Internet auszugeben. Für einen Breitbandanschluss müsse derzeit durchschnittlich 25 Euro monatlich gezahlt werden.

Ganz anders sieht es beispielsweise in der Schweiz aus, dort fallen monatlich rund 80 Euro für einen schnellen Internetzugang an. Die Schweizer hätten laut Philipp Metzger, dem Vizedirektor beim Schweizer Bundesamt für Telekommunikation (BAKOM), eine hohe Anspruchshaltung und seien bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Die Schweiz habe gegenüber Deutschland einen Vorsprung beim Glasfaserausbau, als Treiber des Wettbewerbs hätten sich die Kabelnetzbetreiber erwiesen. Zudem habe die Schweiz vorausschauend eine stille Reserve an Leerrohren angelegt: Bis zu 90 Prozent der Infrastruktur sei mit Leerrohren ausgestattet, in Deutschland sei der Bestand erheblich niedriger.

(Jörg Schamberg)

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