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Kurios: Extra-Gehweg für Handy-Nutzer eröffnet

Handy am Steuer ist schon lange tabu. Aber wer redet von chattenden Fußgängern? Immer mehr landen in der Notaufnahme - Grund genug für eine chinesische Großstadt, eine kuriose "Extrawurst" im Straßenverkehr für Handy-Nutzer einzuführen. Das Motto: Sicher ans Ziel für Generation "Kopf unten".

16.09.2014, 00:01 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Hanns Guck-in-die-Luft aus dem Kinderbuch "Struwwelpeter" war gestern. Der Hanns von heute würde wohl "Kopf-unten" heißen. Wer unterwegs E-Mails und Whatsapp-Notes auf dem Smartphone checkt, hat möglicherweise ein soziales Problem, wie Filmemacher Gary Turk in seinem YouTube-Video "Look Up" darstellt. Und, schlimmer noch: kein Auge mehr für den Straßenverkehr. Aber Kopf hoch: Rettung naht durch neue Verkehrsregeln. Die chinesische Großstadt Chongqing liegt im Trend: dort wurde kürzlich der erste Gehweg für Handynutzer eröffnet, berichtet "Spiegel Online".

Studie: Über tausend Nutzer wegen Handy zur Notaufnahme

Auf dem 50 Meter langen Abschnitt sollen sich Handynutzer unbehelligt vom Rahmenverkehr schreibend und chattend fortbewegen können. Die Bodenmarkierungen wie Pfeile in Laufrichtung müssen sie dennoch beachten, so das Magazin – ganz ohne "Multitasking" geht es also doch nicht. Drolliger Marketing-Gag mit ernstem Hintergrund: Mehrere Studien beweisen, dass Smartphone-Junkies sich selbst und andere im Straßenverkehr gefährden.

So soll ein US-amerikanisches Forscherteam nachgewiesen haben, dass 2008 mehr als tausend Amerikaner in die Notaufnahme eingeliefert wurden, weil sie stolperten, fielen oder mit etwas oder jemand zusammenstießen, während sie beim Gehen ihr Handy benutzten.

Kommen Bußgelder für Fußgänger bei Handy-Nutzung?

Eine Untersuchung der University of Birmingham kommt zu dem Schluss, dass Kinder mit Handys relativ selten den berühmten Erst-links-dann-rechts-Blick anwenden, bevor sie die Straße überqueren, und somit herankommende Autos schlechter wahrnehmen, so "Spiegel Online" weiter. Und die University of Washington will erkannt haben, dass fast jeder fünfte Fußgänger an Straßenkreuzungen in der Großstadt Seattle mit dem Handy hantierte. Das ist wohl erst der Anfang, denn die Zahl der Smartphone-Nutzer steigt.

Grund genug für das US-amerikanische Office of Compliance für Sicherheit am Arbeitsplatz, ein Warnblatt bezüglich Mobilfunk im Straßenverkehr zu veröffentlichen. Es enthält naheliegende, aber offenbar notwendige Tipps wie: Keine Telefonate und Kurznachrichten beim Gehen, Handy weg beim Überqueren der Straße und ähnliches.

Schließlich ist künftig wohl eher mit Bußgeldern zu rechnen als mit weiteren Mitleid-Aktionen wie Handy-Gehwegen oder den laut "Spiegel Online" in London umgesetzten gepolsterten Laternenpfählen für die sanfte Kollision mit Chat-Junkies.

(Dorothee Monreal)

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