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"Krautreporter": Werbefreies Web-Magazin sucht Leser als Sponsoren

Kein Geld, keine Zeit - die Plattform "Krautreporter" will ein Fanal gegen den Schnell-und-Hektisch-Journalismus setzen. Gute Recherche, Hintergrundstories und Mitarbeit von Lesern sollen Vorfahrt haben vor Klicks und Werbekunden. Der Haken: Der Reportertraum kostet Geld. Bis 13. Juni müssen 15.000 Leser bereit sein, mindestens 60 Euro im Jahr zu investieren.

17.05.2014, 16:01 Uhr (Quelle: DPA)
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Dem Leser verpflichtet - und nicht der Werbung. Das ist die Idee hinter dem Projekt "Krautreporter". Eine Gruppe von rund 30 Autoren, darunter Journalisten wie Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr und Thomas Wiegold, will mit einem eigenen Internet-Magazin Reportagen und Hintergrundberichte werbefrei ins Netz stellen. "Krautreporter" solle sich ausschließlich über Beiträge von Lesern finanzieren, wie Herausgeber Sebastian Esser am Dienstag in Berlin sagte. Chefredakteur soll Alexander von Streit werden, der unter anderem die deutsche Ausgabe des Magazins "Wired" leitete.

Crowd-Funding: Cash fließt für Start-Ups

Der Name "Krautreporter" geht auf den Begriff Crowdfunding zurück. Dabei verpflichtet sich eine Menge Menschen, mit ihren Beiträgen ein Start-up zu finanzieren. Unter dem Motto "Alles oder nichts" will "Krautreporter" von diesem Dienstag an bis zum 13. Juni 15.000 Nutzer gewinnen, die mindestens 60 Euro im Jahr für das Projekt vorab zur Verfügung stellen - macht fünf Euro pro Monat. Dann könne "Krautreporter" im September starten und sich für mindestens ein Jahr tragen, sagte Esser.

VDZ sieht Trend zurück zum Leserumsatz

Ein Vorbild sei das niederländische Netzmagazin "De Correspondent", das mit Berichten aus erster Hand in nur neun Monaten 30.000 zahlende Unterstützer bekommen habe.

Unabhängig vom Schielen auf Klicks

Der bisherige Online-Journalismus richte sich mehr und mehr danach, genügend Klicks für eine Seite zu bekommen, sagte Esser. "Krautreporter" wolle davon unabhängig sein. Die zahlenden Leser sollen Texte kommentieren können, in die Recherchen einbezogen und zu Veranstaltungen eingeladen werden.

"Krautreporter" nannte sich bisher eine Crowdfunding-Plattform, auf der Medienmacher und Journalisten um Unterstützung für ihre Projekte werben konnten. Die Plattform solle als Rubrik des neuen Magazins bestehenbleiben, sagte Esser.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sieht das Projekt als Teil eines starken Trends zur Neugründung von Magazinen - auch im Netz. Dabei sei das Crowdfunding eine neue Art, "Umsatz vom Leser" zu generieren. Am Ende müsse aber auch hier der Investor, in diesem Fall die Menge der Geldgeber, zufrieden sein, erklärte der VDZ auf Anfrage.

(Dorothee Monreal)

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