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Kopierschutz: Die Franzosen machen ernst

Das französische Parlament hat entschieden: Das neue Kopierschutz-Gesetz in Frankreich hilft nicht nur im Kampf gegen Raubkopierer.

04.07.2006, 16:33 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Frankreichs Gesetz zum Digital Rights Management ist durch. Das neue Gesetz schützt endgültig Autorenrechte im Internet, fordert aber gleichzeitig eine Kompatibilität aller digital geschützten Formate. Für Kunden und Künstler ein Fortschritt, für Anbieter wie Apple hingegen ein Schuss vor den Bug, berichtet das amerikanische Wirtschafts-Magazin Red Herring.
Das neue Gesetz soll hauptsächlich Autoren davor schützen, dass ihre Werke im Internet verbreitet werden. Ein umfangreicher Strafkatalog regelt genaustens, welche Strafe für welches Raubkopier-Vergehen angewandt werden soll. Auf diese Weise werden einerseits die Recht der Urheber geschützt, andererseits werden aber auch Raubkopierer vor zu hohen Strafen bewahrt, die oft von den geifernden Anwälten der Musik- und Filmindustrie gefordert werden.
Gesetz gegen die Anbieter von Online-Musik
Gleichzeitig hat das Gesetz aber noch einen wesentlich wichtigeren Punkt: Es schreibt den Anbietern vor, dass sämtliche DRM-Formate miteinander kompatibel sein müssten. Mit anderen Worten: Songs und Videos aus dem iTunes-Musicstore würden nicht mehr bloß auf dem iPod laufen, Windows Media könnte auf dem iPod genutzt werden. Fatal für Anbieter, die wie Apple ein komplettes System aus Internet-Musikladen und MP3-Player aufgebaut haben. Die Marktanteile würden schmelzen wie die Alpengletscher. Fast hört man es schon plätschern.
Zumindest in diesem Punkt können die Anbieter digital geschützter Inhalte jedoch aufatmen: Das französische Gesetz gibt dem Kunden keine Möglichkeit, seine Rechte einzufordern. Was seltsam klingen mag, soll die Industrie vor sinnfreien Sammelklagen schützen. Der einzige, der die Musikindustrie zwecks Einhaltung der Gesetze ermahnen darf, ist der französische Staat. Das vermeidet Chaos und sorgt für einheitliche Strukturen. Schwierige Situation
Und das Zittern der Anbieter hört nicht auf: Das französische Kopierschutz-Gesetz schützt den Künstler selbst. Er soll wählen dürfen, ob er ein DRM-Angebot nutzt oder nicht. Für Anbieter von digitaler Musik wäre das fatal, müssten sie doch völlig ungeschützte Dateien in ihre Shops einstellen oder auf den Verkauf der Titel verzichten oder jeden einzelnen Künstler um Erlaubnis fragen. Das ganze Konzept der Online-Musikgeschäfte wäre dahin, wenn sich der eine Titel als MP3 auf allen Playern abspielen ließe, während andere, geschützte Titel nur mit iPods oder WMA-Playern funktionieren würden.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Anbieter geschützter digitaler Inhalte ihre Formate untereinander öffnen und austauschen müssten. Alternativ müsste ein digitaler Standard im digitalen Rechtemanagement geschaffen werden, der von allen Playern unterstützt wird. Solche einheitlichen Formate in Form offener Industrie-Standards würden jedoch auch ein Knacken der Formate massiv erleichtern. Schließlich müsste jeder Hard- und Software-Hersteller auf dieses Format zugreifen können. Bisher funktionierten entsprechende Schutzmaßnahmen jedoch nur Dank der geheimen Verfahren einzelner Hersteller.
Fazit: Verbraucherschutz auf Kosten der Anbieter
Für Apple bedeutet die französische Rechtssprechung möglicherweise den Abzug des iTunes-Stores aus Frankreich, es ist schließlich anzunehmen, dass Apple sein Fair-Play-Konzept nicht öffnen möchte. Genausowenig, wie der Hersteller seine iTunes-Marktanteile am Verkauf digital geschützter Musik und Inhalte an andere Hersteller abgeben wird. Mit anderen Anbietern dürfte es sich ähnlich verhalten, einzig kleine Musik-Geschäfte im Netz könnten von der neuen Regelung profitieren und ihren Absatz steigern.
Ein Rückzug aus Frankreich würde für das international tätige Unternehmen Apple nur einen im Vergleich zum Wert des eigenen DRM-Systems kleinen Verlust bedeuten. Allerdings ist mit dem französischen Kopierschutz-Gesetz ein Damm gebrochen: Auch andere europäische Staaten arbeiten an vergleichbaren Gesetzen, um Kunden den Zugang zu jeder gekauften Musik mit jedem Player zu ermöglichen. Im Sinne des Verbraucherschutzes sind derartige Gesetze ein massiver Fortschritt, für die etablierten Hersteller sind sie hingegen kaum durchführbar, ohne eigene Marktanteile zu verlieren.

(Christian Rentrop)

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