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Kontrastprogramm Photokina: Retro-Trend trifft Wearable-Knipse

Von der Brosche fürs Selfie bis hin zum Abenteuer Analogfotografie: Kontraste der Fotowelt treffen bei der Foto-Messe "photokina" in Köln aufeinander. Vom 16. bis 21. September heißt es: Ring frei für Spiegelreflex-Kameras, Dashcams und Co.

09.09.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

3D-Kolibri, Wearables, Multikopter oder Dashcams. Auch wenn der Laie bei diesen Namen nicht gleich an Kameras denkt, sie alle haben gemeinsam: Sie machen Bilder und werden in gut einer Woche im Rampenlicht der weltgrößten Fotomesse photokina stehen. Die Branche habe neben neuen Modellen auch wichtige technische Weiterentwicklungen im Gepäck, betont der Photoindustrie-Verband (PIV). Das Angebot sei breiter und vielfältiger geworden.

Auslöser gehen 2.000 mal pro Sekunde

So mancher Hersteller wird sein Geheimnis erst zum Messestart am 16. September in Köln lüften. Dann gehört die Bühne sechs Tage lang den Spiegelreflexkameras, Systemkameras, Kompaktmodellen, Smartphones und Sofortbildkameras. Aber auch dem kabellosen Bildtransfer, der 3-D-Drucktechnik und den immer neuen Foto-Apps.

Das wirtschaftliche Umfeld ganz grob: Der Fotomarkt bleibt lukrativ. Hochwertige Kameras sind weiter gefragt, haben aber angesichts der boomenden Smartphones mit ihren immer ausgefeilteren Fotofunktionen kein leichtes Spiel. Fast jeder macht Bilder, in jeder Sekunde wird hierzulande rund 2.000 Mal der Auslöser gedrückt. Branchenzahlen legt die Industrie in den nächsten Tagen vor.

Fest steht: Große Erwartungen liegen auf den kleinen Wearables - winzigen Hightech-Geräten, die meist mit Kameras ausgestattet sind. "Das Interesse an Wearables ist riesengroß, der Markt wird explodieren", glaubt PIV-Sprecherin Constanze Clauß. Die neuen tragbaren Minis - Thema auch gerade bei der Elektronik-Messe IFA in Berlin - kommen in Form von Kettenanhängern, Brillen, Broschen oder Armbanduhren daher.

Wearables nehmen alles auf, was ihnen vor die Linse kommt, in einem vorher eingegebenen Intervall. Die Aufnahmen lassen sich verbinden mit kompatiblem Smartphone, PC oder Notebook. Kritiker fragen jedoch nach dem Datenschutz Dritter, wenn die Umgebung aufgenommen und die Bilder gleich in Facebook & Co. veröffentlicht werden.

Im 175. Jahr der Fotografie ist ein tiefer Umbruch im Gang - ausgelöst auch durch eine veränderte Bildnutzung. Es geht nicht mehr um das Ablichten und Bewahren für die Ewigkeit, sondern ums Mitteilen über schnelle Bilder. "Selfies" werden gern in Echtzeit versendet. Die Botschaft: "Ich war dabei." Für die Schnappschüsse - millionenfach gepostet und geteilt - werden Smartphones genutzt.

Der PIV sieht diese nicht als Konkurrenten der Kamera. Bei wichtigen Ereignissen wie Schulanfang oder Hochzeit greife der Verbraucher weiter zu hochwertigen Geräten. Der Spaß mit dem Smartphone könne aber zum Kauf einer Spiegelreflex- oder Systemkamera motivieren.

Die Wertigkeit dürfe bei der Flut der Bilder nicht verloren gehen, mahnt Hans Starosta, Geschäftsführer des CentralVerbands Deutscher Berufsfotografen. Und betont: Auch wenn die moderne Kamera als High-Tech-Gerät dem Verbraucher zu guten Bildern verhelfe, brauche es doch weiter den geschulten Spezialisten. "Für die Kreativität, das Sehen, Gestalten, Bildaufbau, optimale Bearbeitung."

Es werde zur photokina viele "baukastenmäßige Verbesserungen und Qualitätssprünge" geben, meint Starosta. Aber: "Ich sehe derzeit nichts technologisch bahnbrechend Neues." Leistungsfähigkeit und Funktionen der aktuellen Kameras seien schon so stark, dass sich nicht mehr einfach obendrauf satteln lasse. Eine Revolution wie die Digitalisierung der Fotografie könne man nicht alle paar Jahre neu anzetteln, sagt Clauß. Neue Trends und Modelle gebe es viele.

"ActionCam" hat sich etabliert

Die ActionCam, 2012 bei der photokina noch als Neuling beäugt, boomt inzwischen. Die robuste Outdoor-Kamera zeichnet am Fahrrad- und Skihelm auf oder beim Tauchen. Drohnen - auch Multikopter genannt - liefern Bilder aus der Vogelsperspektive, etwa für Landwirtschaft oder Städtebau. Eine Kamera zum Schlucken oder auch die sogenannte Kolibri-3D-Kamera mit haargenauen Gesichts-Scans richten sich vor allem an Medizin und Wissenschaft.

Bei den technischen Entwicklungen stellen einige der weit über 1.000 Anbieter die 4K-Auflösung in den Mittelpunkt - sie wird als "Quantensprung" in Sachen Bildqualität für Foto und Video angepriesen.

Auch Retro liegt im Trend: Der Nachwuchs entdeckt offenbar die Analogkameras, so die Verbandssprecherin: "Die jungen Leute finden es aufregend, dass sie sich auf 36 Fotos beschränken müssen und erst nach der Entwicklung erfahren, was drauf ist auf dem Film." Das sei zwar noch eine Nische, aber schon ein wachsender Trend. Clauß prognostiziert: "Die Analogfotografie erlebt eine Wiedergeburt."

(Dorothee Monreal)

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