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Kommentar: Rosinen herausgepickt

Eine Flatrate ist nicht gleich bedeutend mit endlos und immer rund um die Uhr Telefonieren und Surfen. Wird es den Unternehmen zu teuer, so hagelt es Abmahnungen und Kündigungen. Tele2 nennt es "Sicherheitsgurt", doch wo bleibt die Reißleine für die Verbraucher?

17.04.2007, 15:46 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Dass Werbung und Realität oft stark voneinander abweichen, ist leider eine Tatsache. Und dennoch müssen sich Unternehmen noch immer an gewisse Regeln halten. Wenn ein Telekommunikationsanbieter etwa damit wirbt, dass Kunden mit seiner Flatrate "endlos telefonieren" können, darf er sie nicht abmahnen, wenn sie stundenlang zum Hörer greifen. Das ist irreführend. Und dennoch schaffen sich zahlreiche Anbieter immer wieder ein Hintertürchen: Telefoniert ein Kunde übermäßig über seine Telefon-Flatrate, wird er zu teuer und kann mit dem Verweis auf die hauseigene AGB aus dem Vertrag gekickt werden.
Flat ist nicht gleich Flat
Das geschah in der Vergangenheit bereits bei 1&1, Arcor und nun in einem aktuellen Fall bei Tele2. Den Verbraucherzentralen ist es nun zu bunt geworden. Sie ziehen gegen die für den Verbraucher undurchsichtigen AGB-Klauseln vor Gericht. Tele2 selbst bezeichnet die betreffenden Klauseln in einer aktuellen Stellungnahme aber nicht als "Hintertürchen", sondern als "Sicherheitsgurt".
Gegen Missbrauch wolle man sich schützen, heißt es seitens Tele2. Was auf der anderen Seite auch nachvollziehbar ist. Denn sämtliche Flatrates basieren - was viele nicht wissen - immer noch auf einer Mischkalkulation: Kunden, die das Angebot verhältnismäßig wenig nutzen, leisten einen Anteil zur Finanzierung von Vielnutzern. Darum eignen sich solche Modelle auch eher für große Anbieter, bei denen nicht gleich wenige Ausreißer die ganze Kalkulation kippen lassen können. Denn Flatrate-Anbieter können sich nicht nur die Rosinen herauspicken.
Enge Kalkulationen
Aber wo bleibt der Sicherheitsgurt für die Verbraucher? Sie zahlen, binden sich meist für lange zwei Jahre an das Unternehmen und müssen dabei noch versichern, eine Flatrate nicht über ein "verkehrs- und marktübliches Maß" hinaus zu nutzen - obwohl nicht weiter erläutert wird, wie ein solches Maß überhaupt definiert ist. Das liegt einzig und allein im Ermessen des Anbieters. Diese Ansicht teilten die Düsseldorfer Richter. Sie urteilten, dass die Vertragsklauseln bei Tele2 gegen das Transparenzgebot verstoßen. Das ist die richtige Entscheidung.
Lesen Sie dazu auch unsere aktuellen Meldungen:
Tele2: Gericht verbietet Flatrate-Vertragsklauseln und
AGB-Urteil: Tele2 will sich vor Missbrauch schützen
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(Denise Bergfeld)

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