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Kommentar: Neue Ära durch Crash-Tarife

Dumping-Angebote werden mittelfristig dazu führen, dass die Minutenpreise auch in anderen Vertragstarifen sinken. Für die Deutsche Telekom und das Festnetzgeschäft sind sie jedoch Gift.

09.07.2007, 13:53 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Rund um die Uhr für alle nationalen Handy-Gespräche 13 beziehungsweise neun oder gar nur fünf Cent pro Minute zu zahlen, ist nicht nur günstig, sondern auch übersichtlich. Der größte deutsche Mobilfunk-Serviceprovider debitel geht mit seinen crash-Tarifen einen neuen und vor allem interessanten Weg.
Neue Vermarktung
Die etwas andere Vermarktung nach einem ausgeklügelten Zufalls- und Rotationsprinzip in einer Onlinebörse sorgt kombiniert mit günstigen Konditionen einmal mehr für Bewegung am ohnehin schon hart umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt. Die crash-Preise setzen nicht nur die vier großen Netzbetreiber unter Druck, sondern auch die Mobilfunk-Discounter. Rund um die Uhr in alle deutschen Netze für neun oder sogar fünf Cent pro Minute telefonieren zu können, ist derzeit in Deutschland einzigartig. Ein Blick auf unseren Discounter-Tarifvergleich verdeutlicht dies.
Zu beachten ist aber auch: Während klassische Discounter auf Mindestvertragslaufzeiten und Grundgebühren verzichten, müssen sich crash-Kunden je nach Tarif mindestens sechs Monate vertraglich an debitel binden und zudem Monat für Monat 2,95 Euro Grundgebühr zahlen. Jährlich werden also allein für Grundgebühren 35,40 Euro fällig. Außerdem ist der Preis für das Versenden von SMS vergleichsweise teuer und die Beschränkung auf maximal 3000 Minuten im Tarif crash 5 macht deutlich, dass sich die neue debitel-Marke auf Basis einer Mischkalkulation rechnen soll. Dauer-Quassler sind unerwünscht. Zu berücksichtigen ist ferner, dass der attraktive 5-Cent-Tarif nur limitiert angeboten wird. Frei nach dem Motto "Der frühe Vogel fängt den Wurm" sind die Chancen, dieses Angebot am frühen Morgen zu ergattern deutlich höher als am Nachmittag.
Trotzdem: Der eingeschlagene Weg, günstige Minutenpreise bei einer niedrigen Grundgebühr anzubieten, ist zu begrüßen und bringt neue Impulse mit sich. Mittelfristig werden Dumping-Angebote wie die Crash-Tarife dazu führen, dass auch in anderen Vertragstarifen die zum Teil maßlos überteuerten Minutenpreise (für netzexterne Gespräche) sinken. Das zeigt auch ein Blick nach Österreich, wo die Billigmarke Bob von mobilkom austria das Preisgefüge mit einem einheitlichen Minutenpreis von 3,9 Cent gehörig durcheinander gewürfelt hat.
Gift für die Telekom
Günstige Minutenpreise führen aber zu noch weitreichenderen Konsequenzen: Der Deutschen Telekom spukt debitel mit den neuen Kampfpreisen ordentlich in die Suppe. Schon eine aktuelle Umfrage unseres Magazins hat gezeigt, dass viele Telekom-Kunden gewillt sind, ihren Festnetzanschluss zu kündigen. Sinken die Mobilfunkpreise weiter, werden noch mehr Kunden dazu übergehen, ihren Festnetzanschluss komplett durch Mobilfunk zu ersetzen. Erst Recht, wenn ein Telefonanschluss nicht mehr zwangsweise an einen DSL-Anschluss gekoppelt ist.

(Hayo Lücke)

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