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Klingeltonanbieter Zed unter Betrugsverdacht

Während Jamba mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat, wuchs Zed in der Vergangenheit gegen den Trend. Jetzt stehen böse Verdächtigungen im Raum.

25.04.2006, 09:10 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Der zweitgrößte deutsche Anbieter von Klingeltönen und Handyspielen, Zed Germany, steht nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Verdacht über Monate hinweg Leistungen fehlerhaft abgerechnet zu haben. Die Kunden aller vier deutschen Netzbetreiber seien betroffen.
Internen Dokumenten sei zu entnehmen, dass Zed gekündigte Abonnements wieder aktiviert oder nie existierende Abos abgerechnet habe. Die Netzbetreiber hätten dem Jamba-Rivalen in den vergangenen Monaten mehrfach den Zugang zu den Abrechnungssystemen gesperrt, bei o2 bestehe die Sperre auch aktuell noch. Zed-Geschäftsführer Dietmar Giese bestreite die Vorwürfe und gebe den Netzbetreibern die Schuld an den fehlerhaften Abrechnungen.
Dickes Ding
Beim Verein Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste sei davon die Rede, dass sich die Beschwerden in den vergangenen Monaten gehäuft hätten. Bei einem Blick in einschlägige Foren wird dieser Eindruck bestätigt. Zahlreiche Postings über fehlerhafte Abrechnungen sind dort zu finden. Die FTD berichtet weiter, dass vielen Kunden die Fehlbuchungen gar nicht aufgefallen sein könnten. Statt den damals gültigen Abopreis von 4,99 Euro einmalig abzurechnen, habe Zed fünf Teilbeträge von 99 Cent abgebucht. Die Netzbetreiber sehen hierin einen Versuch der Verschleierung, Verbraucherschützer werten es als versuchten Betrug.
Auch in der Branche wächst Skepsis an den Abrechnungspraktiken von Zed. So konnte die Nummer Zwei am Markt eine Umsatzexplosion verzeichnen, während Jamba mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat. Binnen eines halben Jahres verdoppelte Zed den Monatsumsatz auf 4,6 Millionen Euro. Unter anderem Marktführer T-Mobile wollte hierfür eine Erklärung, die Zed-Chef Giese nach FTD-Informationen mit folgenden Worten geliefert haben soll: "Wir haben umstrukturiert und die Abrechnungsmechanismen optimiert. Nun treiben wir Rechnungen konsequent ein."
Zed unter Beobachtung
Besonders betroffen scheint o2 zu sein. Selbst Neukunden wurden Abos für Monate berechnet, in denen überhaupt noch kein Handyvertrag bestanden hatte. Giese bestreitet den Fehler: "Die Netzbetreiber haben Rufnummern aus gekündigten Verträgen vor Ablauf einer Karenzzeit von drei Monaten an neue Kunden vergeben. Aber wir haben drei Monate das Recht, die Nummern abzurechnen - so kam es zu diesen Fällen." o2 bläst in ein anderes Horn: "o2 hat noch nie eine alte Nummer an einen neuen Kunden vergeben", so ein Firmensprecher. Bei T-Mobile stehe Zed unter scharfer Beobachtung. Der Klingeltonanbieter habe Fehler im eigenen System eingeräumt, allerdings verbindlich zugesichert, dass sich diese nicht wiederholen werden, heißt es.

(Hayo Lücke)

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