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Kleine Spione für den Privatgebrauch

Mit einfachen Tricks können fremde E-Mails gelesen, Passwörter ausspioniert, zuletzt angesehene Internetseiten dokumentiert und sogar der Aufenthaltsort eines Menschen ermittelt werden. Die nötige Hard- oder Software findet sich im Internet.

19.02.2007, 10:01 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Die aktuelle Debatte um die Online-Durchsuchungen privater Computer erhitzt die Gemüter. Das Bundesinnenministerium, dem unter anderem die Bundespolizei untersteht, hätte gerne einen Freibrief für heimliche "Bundestrojaner-Attacken" – natürlich nur zum Schutz der Bürger vor Kriminalität und Terror. Die Internet-Gemeinde ist verschreckt. Drohen nun heimliche Spionage-Attacken auf die eigenen Rechner? Wer hat künftig Zugriff auf private Daten? Bezüglich der heimlichen Online-Durchsuchungen liegen die Antworten noch weit in der Zukunft. Doch wer einen Computer mit einer Internetanbindung besitzt, sollte sich schon heute bewusst sein, dass keine James-Bond-Methoden mehr nötig sind, um einen Computernutzer komplett zu überwachen.
Schläfer im System
Mit einfachen Tricks können fremde E-Mails gelesen, Passwörter ausspioniert, zuletzt angesehene Internetseiten dokumentiert und sogar der Aufenthaltsort eines Menschen ermittelt werden. Die nötige Hard- oder Software findet sich im Internet. Prinzipiell ist es für einen einigermaßen technisch versierten Computerfreak ganz einfach, einen fremden und ungeschützten Rechner heimlich auszuspionieren. Der einzige Haken: Es ist verboten und er macht sich damit strafbar.
Doch was vielen Menschen nicht bewusst ist: Überwachung wird schon heute zuhauf über das World Wide Web praktiziert. Und zwar nicht durch Polizei und Ministerium, sondern von Verwandten oder Vorgesetzten. Manche machen es heimlich, andere wiederum ganz offen und mit der eigenen Zustimmung. Der technische Fortschritt macht es möglich: Was früher dem Bundesnachrichtendienst vorbehalten war, kann heute im Prinzip jeder von zu Hause aus praktizieren. Ein Klick und das Internet verrät, wo sich das eigene Kind gerade aufhält oder welche Internetseite zuletzt aufgerufen wurde.
Alles wird protokolliert
Eines der zahlreichen Spionageprogramme, die aus dem Internet heruntergeladen werden können, ist "eBlaster". Die Macher werben damit, dass Eltern mit eBlaster kontrollieren können, was ihr Kind am PC tut. "eBlaster ist eher für Personen gedacht, die nicht so häufig an dem PC sind, dessen Aktivitäten protokolliert werden sollen. Eltern die häufig verreisen, müssen nicht warten bis sie nach Hause kommen, um zu sehen was Ihre Kinder am PC getan haben", heißt es auf der Internetseite. Was auf den ersten Blick so harmlos klingt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als umfassendes Spionage-Tool: "Mit eBlaster sehen diese jederzeit, von jedem Ort der Welt, was zu Hause am PC vorgeht - sobald sie ihre eMails abrufen", heißt es weiter.
Spionage-Infos per E-Mail
Und tatsächlich, die nur drei Megabyte kleine Software ist ein wahrer Alleskönner: Sie protokolliert alle besuchten Internetseiten, alle gestarteten Anwendungen, alle Tastenanschläge, alle ein- und ausgehenden E-Mails und versendet alle 30 Minuten ein Protokoll über die gesammelten Daten per E-Mail an den eingestellten Empfänger. Außerdem erlaubt es eBlaster, bestimmte Schlüsselworte zu hinterlegen. Wird das Wort von dem überwachten Anwender eingegeben, wird sofort eine E-Mail verschickt.
Der bespitzelte Anwender ahnt nichts davon, dass nicht nur seine E-Mail mitgelesen, sondern alles protokolliert wird, was er über die Tastatur eintippt, vom Tagebucheintrag bis zum Schulaufsatz. Fachleute nennen diese Programme auch "Keylogger". Nur am Rande weisen die Softwareentwickler darauf hin, dass ein solches Programm von der zu überwachenden Person genehmigt werden muss. Wer das Spionagetool ohne das Einverständnis der Gegenseite einsetzt, macht sich nach den Paragrafen 201 und 202 des Strafgesetzbuches strafbar. Doch es bleibt zu bezweifeln, dass die überwachten Computernutzer ihr Einverständnis für eine Online-Bespitzelung geben.
Perfekte Tarnung
Wer aber nicht gezielt weiß, wonach er suchen muss, um einen solchen Spion auf dem eigenen Rechner zu enttarnen, wird vielleicht nie davon erfahren. "eblaster" etwa arbeitet komplett im Verborgenen: Kein Symbol auf dem Desktop oder in der Taskleiste, kein Systemdienst der mitgestartet wird, kein Installationsordner der sich einfach löschen lässt und der Computer arbeitet auch nicht langsamer, als sonst. Geschickt getarnt versteckt sich die Schnüffel-Software in den Windows-System-Ordnern. Solche Programme können nur enttarnt werden, wenn der Nutzer gezielt danach sucht, etwa mit dem Programm "Spyware Doctor". Doch nicht nur versteckte Software kann Daten ausspionieren. Ein anderer Weg ist der Einsatz von Spionage-Hardware, die über das Internet geordert werden kann. Da gibt es etwa den so genannten "Tastaturstecker", ein kleines Gerät, das zwischen Tastatur und Computer geschaltet wird und ähnlich der Software jeden Tastendruck protokolliert.
Kleiner Stecker, große Wirkung
Die Hardware-Keylogger sehen aus, wie kleine Stecker. Ganz unauffällig, als würden sie zum PC gehören. Ein kleiner Flashspeicher im Inneren hält jeden Buchstaben, jedes Wort, jeden Satz fest, der über die Tasten eingegeben wird. Einen solchen Spionageangriff kann der Nutzer nur entdecken, wenn er sein Tastaturkabel näher betrachtet: Befindet sich ein ungewöhnliches Gerät zwischen Tastatur und Computer, sollte er misstrauisch werden.
Immer und überall erreichbar
Doch Überwachung lauert nicht nur am heimischen PC, sondern auch unterwegs. Das eigene Mobiltelefon kann anderen ganz schön nützlich sein, wenn es darum geht, herauszufinden, wo man sich gerade aufhält. Das Vorgehen ist in der Regel immer dasselbe: Das zu ortende Handy muss beim Netzbetreiber zur Ortung freigeschaltet werden. Als Bestätigung erhält der Überwachte eine SMS. Ohne die Zustimmung der georteten Person ist auch diese Vorgehensweise illegal. In vielen Fällen wollen die Nutzer einfach nur wissen, wo sich die eigenen Kinder aufhalten. Doch auch manch misstrauische Lebensgefährten spionieren allzu gerne.
Ist das Mobiltelefon erst einmal freigeschaltet, so kann über die Funkzelle, in der das Mobiltelefon eingebucht ist, der Standort abgefragt werden. Die Betreiber solcher Ortungsdienste, wie trackyourkid.de, wandeln diese Daten in Straßenangaben um. Die Angaben sind aber relativ unpräzise. Hat die geortete Person zudem ihr Handy ausgeschaltet, so ist eine Standortabfrage nicht möglich. Es lässt sich aber nachvollziehen, an welchem Ort sich der Handybesitzer aufgehalten hat, bevor das Handy abgeschaltet wurde, und wann dies genau war.
Präziser funktioniert eine Ortung über GPS-Systeme. Für Haustiere, wie Hunde und Katzen, gibt es die kleinen Sende- und Empfangsgeräte. Am Halsband sitzt ein kleiner GPS-Sender mit einer eigenen Mobilfunknummer, die der Haustierhalter anrufen kann. Dann wird der Standort per GPS geortet. Denkbar ist aber auch, dass eine solche "Halsband-Wanze" schnell einmal in der Tasche des Partners oder Kindes verschwindet. Doch warum nicht direkt die Sender ganz offen und ehrlich als kleine Wanzen verkaufen? Das wird sich auch der Anbieter "Secur" gefragt haben und bietet seinen GPS-Sender mit dem Slogan im Internet an: "Wissen Sie immer, wo ihr wertvolles Eigentum ist!??" Doch weit weg von all den Heimlichkeiten gibt es auch noch die Internetnutzer, die sich freiwillig und gerne überwachen lassen. Das Web 2.0 bietet genügend Möglichkeiten für alle, die sich weniger Gedanken um Datenschutz und Überwachung machen.
Web-Exhibitionisten
Allen voran geht das Portal Plazes.com. Mit einem kleinen virtuellen Pin oder - wenn gewünscht - auch mit Foto ist hier entweder für alle oder nur für ausgewählte Besucher sichtbar, an welchem Ort die eingetragenen und angemeldeten Nutzer sind. Die Idee dahinter: Die Nutzer erfahren so mit wenigen Mausklicks, wo sich die eigenen Freunde gerade aufhalten, etwa im Lieblingscafé um die Ecke, in der Uni oder zu Hause.
Das alles funktioniert nicht nur am heimischen Computer, sondern auch unterwegs über das Mobiltelefon. Mit einer speziellen Software kann die aktuelle Position aktualisiert werden - beispielsweise das Restaurant, in dem der Plazes-User gerade sein Lieblingsgericht bestellt hat. Ist man in einer fremden Stadt, so kann man sich rund um sein Hotel alle Plätze anzeigen lassen, die Plazes-Nutzer in das Portal eingepflegt haben.
Der Mensch wird gläsern
Der Trend geht somit immer weiter zum gläsernen Menschen. Rund um die Uhr überall auffindbar zu sein, ist heute technisch kein Problem mehr. Rechtlich muss derjenige, der gefunden werden soll, aber zustimmen. Wer einen Menschen - egal ob mit kleinen Programmen, Tastatursteckern oder Handyortung - ohne seine Zustimmung oder gegen seinen Willen überwacht, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern macht sich strafbar. Im schlimmsten Fall drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Wer möglichst sichergehen möchte, dass sein Computer nicht private Daten über das Internet weiterreicht, sollte ihn ab und zu mit einer kleinen Software auf Spionageprogramme durchsuchen lassen.

(Denise Bergfeld)

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