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Kino.to: Ruckzuck Vertrag am Hals

Einmal falsch geklickt, schon schnappt die Abo-Falle zu: Das Video-Portal kino.to macht durch unseriöse Werbung von sich reden.

06.04.2009, 17:00 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Das Internet - vor allem für Jugendliche dank schneller DSL-Verbindung Medienquelle Nummer eins. Auch die Website Kino.to bereichert die Netzwelt um Kinofilme und TV-Serien und begeistert damit laut "Focus" rund vier Millionen Zuschauer im Monat. Aber Vorsicht: Medienberichten zufolge lauern hier tückische Abo-Fallen. So mancher Nutzer hat plötzlich eine kostspielige Software abonniert - zum "Portokassenpreis" von hundert Euro und mehr.
Raubkopien locken junge Nutzer
Die Website mit der Tonga-Domaine hat kein Impressum und fischt im trüben Rechtsraum nach Nutzern. Das ist den Betreibern offenbar bekannt, denn darauf weisen sie ganz ungeniert im FAQ-Bereich hin.
Laut "Spiegel" bieten sie Links zu Raubkopien auf fremden Servern an. Angelockt werden vor allem jugendliche Nutzer. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich die Seite mehr und mehr als Abo-Falle, so der "Spiegel". Tausende von Fällen beschäftigen inzwischen die Verbraucherzentralen - Ende offen.
Unseriöse Werbepartner
Seit Herbst 2008, so die Recherchen des Magazins, locken die Betreiber vermehrt mit Werbebannern, die Einmalzahlungen oder Dauer-Verträge mit Kosten von knapp hundert Euro im Jahr nach sich ziehen. Der Trick: Bei jedem Aufruf der Seite öffnet sich ein Werbefenster. Und viele dieser Werbepartner sind auf Kundenfang für sogenannte "Fakeware". Das kann zum Beispiel Sicherheits-Software sein, die keine ist, aber laut Anbieter vor einer Virenseuche schützt, die es nicht gibt.
Die optischen Grenzen zwischen seriösen Anbietern und Betrügern sind offenbar fließend: Viele Anbieter kommen wie der Wolf im Schafspelz daher - die Fakeware-Anzeigen sehen denen bekannter Hersteller oft zum Verwechseln ähnlich.
Besonders tückisch: Vermeintliche Zusatzprogramme, die angeblich zum Ansehen der Filme benötigt werden. Der Website-Nutzer wird dabei nach "Spiegel"-Recherchen informiert, dass er den Film seiner Wahl nur mit Hilfe eines bestimmten Freeware-Tools ansehen kann. Und hinter Pastellschrift auf weißem Grund entpuppt sich der Downloadbutton als Annahme eines Abo-Vertrages mit Monatsgebühren von knapp hundert Euro im Jahr.
"Dickes Fell" gefragt
Einmal gefangen in der Abo-Falle, hat man als Erwachsener schlechte Karten, denn am Vertrag ist zunächst einmal nicht zu rütteln. Das Nachweisen unlauterer Werbemethoden kann erfolgreich aber auch langwierig und kraftaufreibend sein. Etwas leichter haben es Minderjährige, denn sie hätten den Vertrag gar nicht abschließen dürfen.
Doch auch hier droht ein Nervenkrieg, so die Verbraucherberater. Denn wenn die Anbieter den Kids mit Mahnungen und den Eltern mit verletzter Aufsichtspflicht drohen, kann das an die Nieren gehen. Wichtig sei das offene Gespräch zwischen Eltern und Jugendlichen - und ein dickes Fell, falls es Mahnungen und Anwaltsschreiben hagelt.

(Dorothee Monreal)

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