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kino.to - Gejagt, nicht gefunden, aber legal?

GVU, Polizei und Staatsanwaltschaften fahnden nach den Hintermännern des Portals kino.to. Gefunden wurde bisher noch kein Strippenzieher. Doch drohen deutschen Nutzern überhaupt Gefahren?

22.02.2010, 14:49 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Sie gilt als eine der meistbesuchten Internetseiten bei deutschsprachigen Fans aktueller Film- und Serien-Hits. Bei kino.to stehen tausende Filme und TV-Serien zur Nutzung bereit - zum Nulltarif. Dabei landet das archivierte Material häufig noch vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin, spätestens aber kurz danach, auf den Servern der Seite. Das Besondere: Anders als bei klassischen Tauschbörsen werden die Raubkopien nicht zum waschechten Download angeboten, sondern als Stream über das Internet verteilt. Bisher ist es nicht nur ein Rätsel, wer genau die Seite betreibt. Fraglich ist auch, ob die Nutzung rechtlich unbedenklich ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. kino.to - Ärger bei Kinos und TV-Sendern
  2. Hintermänner gesucht, aber nicht gefunden
  3. Legal oder nicht? Das sagt der Anwalt

kino.to als Medienproblem

Schon seit Monaten versuchen die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) und Staatsanwälte, diejenigen dingfest zu machen, die kino.to zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein großes Problem für die Film- und TV-Industrie. Denn das Portal sorgt nicht nur dafür, dass in Kinos weniger Eintrittskarten verkauft werden. Auch die Einschaltquoten im klassischen TV-Geschäft gehen zurück, weil zum Beispiel Erfolgsserien wie "Lost" oder "24" bei kino.to deutlich vor Ausstrahlung im klassischen Free-TV zu sehen sind.

Filmstudios und TV-Sender tragen Mitschuld

Insbesondere der Konsum aktueller TV-Serien wird aber auch durch ein bisher ungelöstes Problem der Filmstudios gefördert. Durch die zunehmende Verbreitung von breitbandigen Internetzugängen lassen es sich echte TV-Junkies nicht nehmen, ihre Lieblingsserien über Webstreams aus dem US-Fernsehen im Original zu schauen. Portale wie justin.tv oder spezielle Software-Lösungen wie Sopcast ermöglichen das problemlos. Mitschnitte dieser Originale landen dann - teils mit eingefügten Untertiteln - auf kino.to, weil Synchronisation und Ausstrahlung in Deutschland einfach zu lange auf sich warten lassen.

Die Auswirkungen können momentan bei der ProSiebenSat1 Media AG am Beispiel der amerikanischen Erfolgsserie "Lost" beobachtet werden. Einst bei Pro7 mit großem Erfolg gestartet, wurde die Serie zwischenzeitlich aufgrund eingebrochener Quoten zum Schwestersender kabel eins abgeschoben. Doch auch dort läuft es alles andere als berauschend. Am vergangenen Donnerstag erreichte die Serie um 21.15 Uhr nur noch 720.000 Zuschauer, eine Stunde später verfolgten eine weitere Episode sogar nur noch 540.000 Personen. Mit einer Einschaltquote von rund zwei Prozent erreicht "Lost" damit nicht einmal den Senderdurchschnitt. Und das eben auch, weil die jetzt ausgestrahlten Free-TV-Premieren schon lange im Internet abrufbar sind.

Trotz dieser Problematik wird alles daran gesetzt, den vermutlich deutschen Betreibern von kino.to und Co. den Stecker an den betriebenen Servern zu ziehen. Doch genau das ist alles andere als einfach. Die Strippenzieher und Hintermänner haben ihr Angebot nicht nur an eine Top-Level-Domain des Inselstaats Tonga (.to) gekoppelt, was eine einfache Abschaltung unmöglich macht, sondern liefern sich auch ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlern.

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  2. Hintermänner gesucht, aber nicht gefunden
  3. Legal oder nicht? Das sagt der Anwalt

Spurensuche verläuft schleppend

Laut eines Berichts der "WirtschaftsWoche" wurden Spuren bereits in den Niederlanden, in Russland und im spanischen Lloret de Mar verfolgt. Außerdem in Zwickau, Düsseldorf und Hamburg. Doch wo auch immer die Ermittler die ihnen zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung setzen, navigieren sie früher oder später in eine Sackgasse. Die Betreiber von kino.to verstehen es, geschickt falsche Fährten zu legen und ihre Spuren zu verwischen. Zudem können die ermittelnden Behörden offenbar nicht immer auf Kooperation hoffen. So verlief zum Beispiel schon 2008 eine Spur im Sande, weil Suchmaschinenriese Google auf Faxe und Briefe nicht reagierte. Aufgegeben wird aber nicht. Aktuell werden neue heiße Spuren verfolgt, zu denen aus ermittlungstechnischen Gründen allerdings nichts gesagt wird.

Ermittelt wird aber nicht nur aufgrund des Verstoßes gegen das Urheberrecht, sondern auch, weil auf kino.to gefährliche Abofallen lauern. Wer sich einen Film oder eine Serie anschauen möchte, wird nicht selten in einem aufpoppenden und in der Regel nur schwierig zu schließenden Browserfenster dazu aufgefordert, eine spezielle Software wie den DivX-Player herunterzuladen und zu installieren. Dabei wird nicht nur die Adresse des Nutzers abgefragt, sondern auch geschickt versteckt darauf hingewiesen, dass mit der Installation eine an einen Zweijahresvertrag gekoppelte Monatsgebühr fällig wird. Viele Nutzer erhielten bereits Mahnschreiben und zahlten aus Angst vor angedrohten Inkassogebühren die geforderten Beträge.

Doch ist die Nutzung von kino.to überhaupt legal? Unbestritten ist, dass das auf den Streaming-Servern lagernde Material dort nicht zu finden sein dürfte. Macht sich aber ein deutscher Nutzer strafbar, wenn er einen kino.to-Stream nutzt?

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  2. Hintermänner gesucht, aber nicht gefunden
  3. Legal oder nicht? Das sagt der Anwalt

Ist die Nutzung von kino.to legal?

Markus Gronau, Rechtsanwalt, Referat für Urheber- und Medienrecht bei der Kanzlei Praetoria Rechtsanwälte in Hamburg, hält die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken aus dem Internet für nicht ungefährlich. Bei einer Nutzung von kino.to würde zwar keine dauerhafte Kopie eines Werks auf dem eigenen Rechner abgelegt, technisch bedingt aber zumindest vorübergehend Doppel erzeugt und in den Arbeitsspeicher geladen. "Diese Kopien werden zwar beim Neustart des Rechners gelöscht, urheberrechtlich handelt es sich aber streng genommen um Vervielfältigungen", argumentiert Gronau.

Der Rechtsexperte gibt aber auch zu bedenken, dass es derzeit noch an unmittelbar einschlägigen Gerichtsentscheidungen fehle. "Vergleichbare Verfahren gab es bisher nur zur Verwendung von Computerprogrammen. Auch die dazu vorliegende Rechtssprechung ist uneinheitlich. Das Amtsgericht Freising stellte bereits im Jahr 1999 fest, dass das Einlesen des Programms in den Arbeitsspeicher des Computers eine Vervielfältigung im Sinne von § 16 UrhG und nach § 106 UrhG strafbar sei." Eine ähnliche Entscheidung habe 2007 das Landgericht München gefällt und wurde vom Oberlandesgericht bestätigt. Das Landgericht Mannheim entschied hingegen im Jahr 1999, dass das bloße Laden in den Arbeitsspeicher mit Ausnahme von Fällen außergewöhnlicher Nutzung entgegen der herrschenden Meinung in der Literatur nicht strafbar sei.

Nutzung in der Grauzone

Dennoch mahnt Gronau zur Vorsicht. Wer kino.to nutze, erzeuge flüchtige oder begleitende Vervielfältigungen auf dem Rechner. "Diese Vervielfältigungsmethoden sind mangels rechtmäßiger Nutzung meines Erachtens nicht zulässig", so der Anwalt. Man könne sich auch nicht auf das Recht einer Privatkopie gemäß § 53 UrhG berufen. Dazu fehle es an dem notwendigen Original. Es bleibe daher festzuhalten, "dass der kostenlose Genuss von aktuellen Kinofilmen über kino.to riskant ist." Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten handele es sich zumindest um eine Grauzone.

(Hayo Lücke)

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