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"Killerspiele" unter Beschuss

Was sollte mit so genannten Killerspielen am besten passieren? Sollte man sie wirklich verbieten? Nicht nur in der Politik ist man sich uneins über Counter Strike und Co.

14.01.2007, 16:30 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Erfurt, Emsdetten und was noch? Die Debatte über "Killerspiele" ist nicht nur in Deutschland mit dem Amoklauf eines 18-jährigen Schülers vor rund acht Wochen neu entbrannt. Auch in Europa werden Rufe nach schärferen Regeln für gewaltverherrlichende Computerspiele lauter. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) muss sich am Dienstag auf Druck aus Brüssel mit ihren EU-Kollegen in Dresden über das Thema beugen - auch wenn die Debatte bei ihr Stirnrunzeln auslöst.
Viele Bundesbürger gegen "Killerspiele"
Für die meisten Bundesbürger liegt die Antwort auf der Hand: Ein Verbot von "Killerspielen" müsse her, antworteten 65 Prozent bei einer kürzlich veröffentlichten Allensbach-Umfrage. Nur 34 Prozent und damit ein gutes Drittel glauben, dass ein solches Verbot wirkungslos wäre.
Auch Franco Frattini kann sich über die "obszönen und perversen Spiele" in Rage reden. Der italienische EU-Justizkommissar und bekennende Katholik hat an seine europäischen Kollegen einen Brief geschrieben. Der 49-Jährige ruft die Justizminister darin auf, ihrer "Verantwortung zum Schutz der Kinder" gerecht zu werden. Für ihn ist ausgemacht, dass Spieler, die am Computer Menschen abschießen, auch in der Realität vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Frattini plädiert für schärfere Kontrollen: Die EU müsse verhindern, dass gewaltverherrlichendes Material in die Hände von Minderjährigen gerät. "In einigen Ländern kann man Videospiele oder DVDs kaufen, ohne den Personalausweis vorzeigen zu müssen", empört sich der Vater einer jugendlichen Tochter. Er will nun zunächst mit Herstellernverbänden und Jugendschützern über eine freiwillige Selbstverpflichtung reden. Für den Fall, dass dies nichts fruchtet, will er mit den EU-Justizministern die Möglichkeit für härtere Kontrollen abstecken. Verkäufern, die nicht jugendfreies Material weitergeben, droht er mit Strafen. Die Debatte über "Killerspiele" wie etwa das beliebte Counterstrike erhitzt die Gemüter in vielen Staaten Europas. Gestritten wird von Frattinis Heimat Italien bis nach Großbritannien. In Deutschland ist es vor allem Bayern, das gegen die Spiele mobil macht. "Killerspiele gehören in Deutschland verboten", sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit Blick auf eine Bundesratsinitiative, die er nach einem Beschluss seines Kabinetts vom vergangenen Montag starten will. Danach sollen auch Spiele verboten werden, bei denen die Teilnehmer mit Spielzeugwaffen aufeinander schießen.
Bundesjustizministerin mit Skepsis
Zypries hingegen bleibt skeptisch. Zwar geht sie nicht so weit wie die Grünen, die den Bayern Populismus vorwerfen. Aber sie hält die in Deutschland geltenden Regeln für ausreichend. Dabei beruft sie sich auf den Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs. Dieser sieht Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr für all jene vor, die Schilderungen über "grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen" verbreiten oder Jugendlichen unter 18 Jahren überlassen. Der Gesetzestext bezieht sich explizit nur auf "Schriften", kann nach Zypries' Ansicht aber auch auf Computerspiele angewendet werden - was Bayern bestreitet.
Allerdings argumentiert Zypries teils gegen ihre eigene Partei: SPD und Union sprechen sich im Koalitionsvertrag klar für ein Verbot von "Killerspielen" aus. Psychologen und Pädagogen sind sich dagegen längst nicht einig, ob durch Spiele oder brutale Filme die Schwelle zur eigenen Gewaltbereitschaft gesenkt wird. Ganz abgesehen von der nach wie vor ungeklärten Definition, was überhaupt ein "Killerspiel" ist.

(Hayo Lücke)

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