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Kein Pornotopia: ICANN kippt XXX-Domain

Das zuständige Gremium der ICANN sprach sich heute mit 9 zu 5 Stimmen gegen eine gesondert bezeichnete Schmuddelecke im Netz aus und vollzog damit eine Wendung um 180 Grad.

11.05.2006, 14:36 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Im Internet wird es kein Pornotopia geben. Zumindest keines, das sich mit eigener Toplevel-Domain (TLD) schmücken kann. Die umstrittene Porno-TLD ".xxx" wird jetzt doch nicht genehmigt. Das zuständige Gremium der ICANN (Internet Corporation For Assigned Names and Numbers) sprach sich heute mit 9 zu 5 Stimmen gegen eine gesondert bezeichnete Schmuddelecke im Netz aus und vollzog damit eine Wendung um 180 Grad.
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Mit der Entscheidung geht eine wechselhafte und kontroverse Geschichte zu Ende. Seit 2001 versucht das amerikanische Unternehmen ICM Registry die Triple-X-Domain zu etablieren. Das Hauptargument der Befürworter: Ein abgegrenzter Rotlichtbezirk im Netz erleichtere die Kontrolle der horizontalen Aktivitäten und einen effektiven Jugendschutz. Auch sollte die einheitliche TLD für bestimmte Qualitätsmerkmale stehen und den Anbietern damit einen Imagegewinn bringen.
Kritiker der geplanten Pornoecke konnte das nicht überzeugen. Besonders konservative Kräfte aus Kirche und Politik hatten eine massive Druckkulisse gegen die Porno-Domain aufgebaut. Aber auch die Industrie selbst sah die Pläne skeptisch, die Pornobranche fürchtete eine stärkere Kontrolle.
Hin und Her
ICANN hatte die Einführung der Porno-Domain im vergangenen Sommer vorläufig beschlossen und war danach unter starken politischen Druck geraten. Das US-Handelsministerium hatte nach zahlreichen Zuschriften besorgter Bürger einen Aufschub der Einführung erwirkt. Auch die Regierungen anderen Staaten protestierten bei der ICANN. Seither hatte ICANN die Pornofrage auf die lange Bank geschoben.
Bei der Entscheidung des Gremiums heute hätten die politische Überlegungen allerdings keine zentrale Rolle gespielt, sagte Paul Twomey gegenüber der BBC. Der ICANN-Chef hat selbst gegen ".xxx" gestimmt. Bei der BBC hieß es weiter, im Kern sei es um die Rahmenbedingungen für eine so genannte "sponsored Top Level Domain" (sTLD) und den von ICM dafür vorgelegten Vertrag gegangen. Eine sTLD kann auf Antrag eingeführt werden und sollte nur einem bestimmten Nutzerkreis zugänglich gemacht werden. Die administrative und technische Umsetzung obliegt dem Antragsteller, in diesem Fall ICM Registry.

(Volker Briegleb)

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