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Kein Nachweis für mehr Gewalt durch "Killerspiele"

Die Debatte um die Wirkung von gewalttätigen Computerspielen existiert schon seit den 1980er Jahren. Laut Experten seien es viele Faktoren, die Jugendliche aggressiv machten.

11.04.2009, 11:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen eindeutigen Nachweis, dass Computerspiele Gewalt oder Aggressionen bei Jugendlichen hervorrufen können. Es seien viele Faktoren, die darauf einen Einfluss hätten, sagte die Kölner Psychologin Julia Kneer nach einer Tagung empirisch arbeitender Psychologen an der Universität Jena in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Für Gewalt braucht es zum Beispiel Frustration, die geht voraus." Einige Studien belegten einen minimalen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu Gewalt und dem Spielen von "Killerspielen" wie Ego-Shootern. Andere Studien wiederum zeigten, dass es keinen Zusammenhang gebe oder sogar eher, das Spieler weniger zu Gewalt neigten ­ "das scheint ja widersprüchlich", erklärte Kneer, die an der Universität Köln forscht.
Amokläufe nicht wegen Games
Die Spiele könnten zwar ein Gewaltpotenzial bei den Spielern hervorrufen; die Gewalt dann auch auszuleben, sei jedoch ein anderer Faktor. "Auf Computerspiele allein sind Amokläufe nicht zurückzuführen. Da spielten Komponenten wie das soziale Umfeld, die Persönlichkeitsstruktur, Isolation und Frustration eine Rolle." Bei den Amokläufern in Erfurt und Columbine und auch in Winnenden wurden im Elternhaus Gewaltspiele und -filme gefunden. "Die Amokläufer hatten diese Spiele daheim, aber welcher 18-Jährige hat das nicht?", fragte Kneer. Die Debatte über den Zusammenhang von gewaltverherrlichenden Computerspielen und Aggression gebe es seit den 1980er Jahren. Mitte der 90er Jahre wurde die Darstellung von Ego-Shootern und anderen Computerspielen realistischer und der Streit erneut entfacht. "Killerspiele" sind auch für Minderjährige leicht erhältlich.
Kneer untersuchte in einem eigens konzipierten Experiment die Wahrnehmung eines Gewaltspiels durch Jugendliche, die in ihrer Freizeit regelmäßig spielen und solchen, die es noch nie getan haben. "Wir haben herausgefunden, dass die Dauer des Spielens keine Auswirkung auf die Aggressionsbereitschaft hat." Junge Erwachsene, die gern und oft Zeit mit Spielen wie "Counterstrike" oder "Unreal Tournament" verbringen, würden damit nicht Gewalt verbinden, sondern eher die Freude am Spielen, den Zeitvertreib.
Gewaltspiele vermitteln bereits vor dem Spielen Aggressionen
Die Studie zeige aber auch, dass mit den Gewaltspielen Aggressionen assoziiert werden. Eine der Gruppen im Experiment hatte noch nie zuvor ein solches Spiel gespielt, wurde aber vor dem Start der Untersuchung darüber informiert, dass dies Bestandteil sein werde. Diese Gruppe zeigte nach dem Experiment eine erhöhte Reaktion auf aggressive Reize. "Wir führen das auf die negative mediale Beeinflussung zurück", erklärte die Psychologin. Die Versuchspersonen hatten schon vor dem Spielen Aggressionen aufgebaut, da sie das mit den Spielen verbinden.

(Jörg Schamberg)

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