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Kartellamt könnte Kabelnetz-Fusion stoppen

Die großen Kabelnetzbetreiber sprechen sich für eine Fusion zu einem starken nationalen Anbieter aus. Das Kartellamt sieht dies als problematisch an.

06.04.2009, 15:18 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die großen drei Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW erfreuen sich seit Monaten über ein reges Kundenwachstum insbesondere durch die Paketangebote für Telefonie und Internet. Doch die Kabelnetzunternehmen, die sich alle in den Händen von privaten Investmentgesellschaften befinden, schreiben noch rote Zahlen. Für die Modernisierung der Kabelnetze sind hohe Millionensummen erforderlich. Statt kleinerer, regionaler Einheiten forderten denn auch die Chefs von Kabel Deutschland und Unitymedia wiederholt eine Fusion der Kabelnetzunternehmen zu einem großen, nationalen Anbieter. Das Bundeskartellamt solle umdenken.
Kartellamt sieht Probleme
Das "Handelsblatt" berichtete am Montag, dass sich das Bundeskartellamt gegen eine Fusion der Kabelkonzerne aussprechen würde. Auf Anfrage von onlinekosten.de stellte eine Sprecherin des Kartellamts aber klar, dass noch keineswegs eine Entscheidung gegen oder zugunsten einer Fusion gefallen sei. Derzeit gebe es überhaupt kein Fusionskontrollverfahren. Ein solches Prüfverfahren würde in Gang gesetzt, wenn die Kabelnetzbetreiber eine Fusion beantragen. Erst dann könne das Bundeskartellamt tätig werden. Richtig sei jedoch, dass das Kartellamt eine Fusion aus Wettbewerbsgründen als problematisch ansehe, gerade wenn dies auf der sogenannten Netzebene 3 geschehe. Unproblematischer wäre ein Zusammenschluss von Unternehmen der Netzebene 4, die also die sogenannte "letzte Meile" abdecken würden.
Kabel Deutschland sieht regionale Aufteilung als überholt an
Gegenüber onlinekosten.de teilte Kabel Deutschland auf Anfrage mit, dass Adrian von Hammerstein, Vorstandsvorsitzender von Kabel Deutschland, von dem volkswirtschaftlichen Nutzen eines bundesweiten Kabelnetzbetreibers überzeugt sei. "Es ist überholt, dass die Kabelnetzbetreiber in Deutschland regional aufgestellt sind und gegen national agierende Wettbewerber antreten müssen. Die Fernseh- und TK-Märkte sind zusammengewachsen", so von Hammerstein. "Es ist deshalb auch überholt, diese Märkte regulatorisch getrennt zu betrachten", so von Hammerstein weiter.
Im Hinblick auf die im Februar verkündete Breitbandstrategie der Bundesregierung sieht Kabel Deutschland keine Umsetzung ohne die Kabelnetzbetreiber. Daher sollten sowohl Politik als auch die Regulierungsbehörde die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen.

(Jörg Schamberg)

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