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Kann eine Zeitungs-Flatrate nach dem Modell Spotify die Printmedien retten?

Ist ein Flatrate-Modell wie bei dem Musik-Streamingdienst Spotify die Lösung für die schwächelnden Zeitungen in Deutschland, die mit stetig sinkenden Auflagen kämpfen? Das Thema wurde auf den Medientagen München kontrovers diskutiert.

24.10.2014, 12:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Der Geschäftsführer der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Laurence Mehl, sieht einen großen technischen Nachholbedarf bei Regionalzeitungen. "Wir müssen viel technischer werden", sagte Mehl am Donnerstag beim "Publishing-Gipfel" der Medientage München. "Die Hälfte der Mitarbeiter müssen wahrscheinlich Techniker sein." Denn neben den Inhalten komme es zunehmend darauf an, den Lesern ein maßgeschneidertes, leicht bedienbares Produkt anzubieten.

Printmedien fehlt die "Produkt-Denke"

Zustimmung kam vom Geschäftsführer des Musikinternetdienstes Spotify Deutschland, Stefan Zilch. "Algorithmus schlägt Redaktion", sagte er. "Spotify ist deshalb so erfolgreich, weil das Produkt besser ist als die Piraterie." Den Printmedien fehle die "Produkt-Denke". Nicht die Inhalte seien entscheidend. "Content ist mittlerweile überall."

Je nach Tageszeit, Wetter und persönlicher Situation zu Hause oder unterwegs höre ein Mensch unterschiedliche Musik, betonte Zilch. Auch eine Zeitung müsse ihren Leser ein situationsbezogenes Produkt anbieten und die Ressortgrenzen überwinden. "Wie kann es sein, dass Google oder Facebook mehr über meine Lesegewohnheiten weiß als der "Spiegel", wenn ich doch den "Spiegel" lese?"

Flatrate für Auswahl an allen Zeitungstitel technisch sehr schwierig

Die Chefredakteurin der "Frankfurter Rundschau", Bascha Mika, hielt dagegen: "Wenn es um digitalen Imperialismus geht, sollten wir den nun nicht als gutes Beispiel nehmen. Dass Verlage ihre Leser nicht so ausforschen wie Google und Facebook das tun, ist ja eher eine Qualität."

Auch der Verleger des "Straubinger Tagblatts", Martin Balle, meinte: "Ich möchte als Medium nicht mitmachen, dass Bedürfnisse immer messbarer werden. Das kann man ja auch manipulieren." Das Leben beginne dort, wo es sich einem Algorithmus entziehe. "Ich hoffe nicht, dass meine Redakteure so funktionieren, dass sie erahnen, was das Bedürfnis des Lesers ist, und darauf eingehen. Das wäre eine billige Beziehung."

Ein Spotify für Zeitungen hält Mehl aus anderen Gründen für schwer machbar. Den Lesern gegen eine monatliche Grundgebühr eine Auswahl aus allen Zeitungstiteln zu ermöglichen sei teuer und technisch sehr schwierig. Außerdem gäben die Zeitungen dann ihre Kundenbeziehungen an den Aggregator ab. Und: "Wir müssten uns mal alle zusammenfinden. Das ist so eine Hürde, die ist bisher ganz selten genommen worden."

Dass die Branche Veränderungen herbeiführen muss, wird von Prognosen untermauert. Die Einnahmen der Print-Zeitschriften werden einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers zufolge von etwa 5,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 5,3 Milliarden in vier Jahren sinken, bei den Zeitungen geht es um rund 500 Millionen auf knapp 7,3 Milliarden zurück. Der jährliche Zuwachs bei der Online-Werbung dagegen beträgt demnach 6,4 Prozent und soll im Jahr 2018 bei rund 7,0 Milliarden Euro liegen.

(Jörg Schamberg)

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