Breitbandausbau

Kampf mit Breitband-Lücken: Viele Firmen warten auf Highspeed-Internet

Zahlreiche Unternehmen in Deutschland, vor allem in ländlichen Regionen, sind mangels schnellem Internetzugang schlecht für den digitalen Wandel gerüstet. Bis 2018 sollen zwar 2,7 Milliarden Euro Fördermittel für den Breitbandausbau bereitstehen, doch bis dahin warten noch viele Firmen auf den schnellen Internetanschluss.

Jörg Schamberg, 02.01.2016, 10:31 Uhr (Quelle: DPA)
BüroUnternehmen sind auf schnelle Internetzugänge angewiesen, noch ist Highspeed-Internet aber nicht überall in Deutschland verfügbar.© drubig-photo / Fotolia.com

München/Berlin - Die Geduldsprobe beginnt in manchen Büros täglich neu direkt nach dem Hochfahren des Rechners: E-Mails gehen nur stockend über den Draht, die wichtige Internetplattform öffnet sich erst beim fünften Anlauf, und an Videokonferenzen ist erst gar nicht zu denken - noch immer fehlt vielen Unternehmen vor allem in ländlichen Regionen der Anschluss an die schnelle Datenautobahn.

2,7 Milliarden Euro Fördermittel: Flächendeckend 50 Mbit/s bis 2018

Abhilfe soll jetzt auch mit dem Milliarden-Förderprogramm für den Breitbandausbau des Bundesverkehrsministeriums geschaffen werden. Ob es Deutschland damit aber wie geplant schafft, in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 an der Spitze mitzumischen, bleibt vorerst abzuwarten.

Insgesamt 2,7 Milliarden Euro an Fördermitteln haben Bund und Länder für den Breitbandausbau eingeplant, die ersten Gelder sind schon auf dem Weg. Ehrgeiziges Ziel dabei: Bis 2018 sollen damit die letzten weißen Flecken auf der Landkarte verschwinden und flächendeckend alle Regionen mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde versorgt sein.

Breitbandnetz ist vielerorts noch löchrig - Gewerbegebiete werden beim Breitbandausbau teils vergessen

Bisher kann man davon mancherorts nur träumen. In Bayern etwa, das sich sonst oft als High-Tech-Standort rühmt, bleibt das Netz trotz aller Ausbaupläne bisher löchrig, wie der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Driessen, beklagt. Immer wieder komme es vor, dass ganze Gewerbegebiete beim Breitbandausbau schlicht vergessen würden. "Dann schauen die Unternehmen in die Röhre oder müssen sich um teure Ersatzlösungen kümmern." Dabei gelte die Breitbandversorgung mittlerweile bei vielen Unternehmen als wichtigstes Infrastrukturkriterium - "noch vor der Energieversorgung oder der Verkehrsanbindung", sagt Driessen.

Leidvolle Erfahrungen mit dem Thema hat beispielsweise die Firma Amenda Transporte im oberbayerischen Markt Hohenwart gemacht. Seit vielen Jahren plagen sich Dispositionsleiterin Petra Amenda und ihre Mitarbeiter mit der schlechten Netzanbindung. Probleme bereitet das nicht nur bei der Auftragsabwicklung, sondern auch bei der elektronischen Fehlersuche in der firmeneigenen Lkw-Werkstatt. Nun soll das Warten endlich ein Ende haben: "Zufrieden und glücklich" sei man, dass bis Ende März endlich eine schnelle Verbindung zur Verfügung stehen soll, sagt Amenda.

Digitaler Wandel: Schnelle Internetzugänge wichtig für Unternehmen

Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kennt man solche Klagen vor allem von Mittelständlern in ländlichen Regionen. Dabei steht viel auf dem Spiel für die Wirtschaft, wie BDI-Experte Jan Christian Sahl deutlich macht: Neben der IT-Sicherheit gehörten schnelle Internetzugänge zu den wichtigsten Voraussetzungen für den digitalen Wandel. Der hat mittlerweile alle Branchen und Betriebsbereiche erfasst, wie der Hauptgeschäftsführer des IT-Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder, betont: Vom Sportartikelhersteller bis zum Architekten und von der Produktentwicklung bis zum Kundenservice.

Arbeitswelt ändert sich massiv: Homeoffice im Trend

Auch für Beschäftigte verändert sich die Arbeitswelt massiv: Mehr Freiberufler buhlen um Aufträge im Netz und wo es passt, nutzen Mitarbeiter Möglichkeiten, im Homeoffice zu arbeiten. Das macht besonders für solche Menschen Sinn, die längere Anfahrtswege zum Arbeitsplatz haben und dank flexibler Modelle Job und Familie besser unter einen Hut bekommen wollen. Doch auch dafür braucht es möglichst gute Internetverbindungen.

Dass vom Gelingen der Digitalisierung viel abhängt, dürfte heute kaum noch jemand bezweifeln. Grundsätzlich sei Deutschland hier auf einem guten Weg, sagt Rohleder. "Aber die Unternehmen müssen das Tempo beibehalten beziehungsweise weiter erhöhen, wenn sie in Zukunft konkurrenzfähig bleiben wollen."

Breitband-Abdeckung: Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt

Laut Breitbandatlas der Bundesregierung verfügten Mitte 2015 im Schnitt zwar fast 69 Prozent der deutschen Haushalte über Breitbandanschlüsse mit Übertragungsgeschwindigkeiten mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde - in ländlichen Regionen liegt die Abdeckung aber oft weit darunter.

Von den Bundesländern stehen natürlich die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin am besten da. Schlusslicht dagegen war zur Jahresmitte Sachsen-Anhalt, wo nicht einmal 41 Prozent aller Haushalte auf 50 Megabit und mehr kamen. Von allen Firmen waren zuletzt im Schnitt bundesweit erst 52 Prozent auf diesem Stand.

Das dürfte laut IT-Branchenverband Bitkom auch daran liegen, dass hohe Bandbreiten vielfach über Kabelfernseh-Netze zu erzielen sind. Und die sind klassischerweise nicht in Gewerbegebieten verlegt, in denen sich viele Firmen angesiedelt haben.

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