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Kabelnetze als ernstzunehmende DSL-Konkurrenz

Diesen Monat feiern die deutschen Kabelnetze ihren 25-jährigen Geburtstag. Grund genug, die Entwicklung der heute nahezu größten DSL-Konkurrenten in einem Special näher zu betrachten und die aktuellen Tarife vorzustellen.

24.07.2007, 13:17 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die deutschen Kabelnetzbetreiber haben in den vergangenen Jahren ein enormes Tempo an den Tag gelegt. Einst ausschließlich für den Empfang von analogem Radio und Fernsehen ausgelegt, haben sich die Kabelnetze heute, 25 Jahre nach ihrem Start, zu einer vielseitigen und multimediafähigen Breitband-Übertragungstechnik gewandelt. Und sie bieten der herkömmlichen DSL-Technik mehr und mehr die Stirn.
Die Post als Herr des Netzes
Dabei war das TV-Kabel in seinen Anfängen ausschließlich für den Rundfunkempfang ausgelegt. Der Startschuss für die flächendeckende Verkabelung der Bundesrepublik fiel in den 80er Jahren. Bereits 1972 startete die Deutsche Bundespost jedoch mit dem Bau von Kabelnetzen zu Testzwecken bei Hamburg und Nürnberg. Zum Start des Testbetriebs zwei Jahre später waren bereits je zwölf Fernseh- und Radioprogramme über das Kabel empfangbar.
Es folgte die flächendeckende Verkabelung der Bundesrepublik mit dem TV-Kabel, das zum damaligen Zeitpunkt nur in eine Richtung funktionierte. Ein Rückkanal wurde zwar angedacht, aber allein aufgrund der enormen Kosten wieder fallen gelassen. Bei der Aufsplittung und Privatisierung der Deutschen Bundespost im Jahr 1989 ging das Kabelnetz an die Deutsche Telekom mit ihrer damaligen Tochter Kabel Deutschland über.
Telekom muss Netz wieder verkaufen
1999 musste die Telekom das Netz aber aus kartellrechtlichen Gründen wieder verkaufen. Zudem hatte das Unternehmen kein Interesse an der Weiterentwicklung der zu dieser Zeit bereits veralteten Kabelnetztechnik. Der Plan: Das Netz sollte in kleinen, regionalen Stücken mit möglichst hohem Gewinn an Interessenten abgetreten werden. Die anfängliche Freude wich aber schnell der Ernüchterung, denn von dem anfangs anvisierten Gewinn in Höhe von weit mehr als 20 Milliarden Mark musste die Telekom schnell wieder abrücken.
Im Jahr 2004 scheiterte eine geplante Übernahme der regionalen Unternehmen ish, iesy (heute Unitymedia) und Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) durch Kabel Deutschland. Das Kartellamt erlaubte den geplanten Zusammenschluss nicht, es hatte Bedenken wegen einer neuen Monopolisierung auf dem deutschen Kabelmarkt. Kabel Deutschland ist aber auch heute noch der größte deutsche TV-Kabelnetzbetreiber. Nachdem sich die Kabelnetzbetreiber über Jahre neu organisierten, haben sie heute wieder Fuß gefasst und rüsten ihre Netze für das so genannte Triple-Play auf, von zahlreichen Telekommunikations-Unternehmen als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte angesehen. Nicht nur Fernsehen kommt heute aus dem Kabel in die deutschen Haushalte, sondern auf Wunsch auch Breitband-Internet und Telefonie. Dafür wird die alte Technik mit einem Rückkanal ausgestattet, der es ermöglicht, Daten nicht nur zu empfangen, sondern auch zu versenden. Außerdem erweitern die Kabelnetzbetreiber in einigen Gebieten die Zahl der gleichzeitig übertragbaren Kanäle und des dabei genutzten Frequenzbereichs auf leistungsstarke 860 Megahertz (MHz). Denn auf Dauer sehen die Netzbetreiber keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten allein mit analogem und digitalem Fernsehen.
Fernseh-Konkurrenz wächst
Hinzu kommt, dass die Konkurrenz auf dem Fernsehmarkt durch das kostenlose DVB-T und diverse IPTV-Angebote immer größer wird. Die drei großen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW investieren Milliarden für den Ausbau ihrer Netze. Doch sie sahen sich in der Vergangenheit zunächst vor großen Problemen, verursacht durch die strukturelle Gestaltung der Kabelnetze.
Denn die Kabelnetzanbieter haben nicht die Hoheit über alle Netzbestandteile. Bei der Konzeption wurde das Kabelnetz in vier Ebenen aufgeteilt: Die Netzebene 1 ist ausschließlich den TV- und Hörfunkstudios zugeteilt, die zweite Netzebene umfasst die Verteilwege über Rundfunksender, Satelliten, Richtfunk und die Rundfunkempfangsstelle. Auf der dritten Netzebene dann findet sich das Kabelverteilnetz, das die Daten zu den privaten Haushalten bringt bis zur Grundstücksgrenze oder dem zentralen Übergabepunkt der Wohnanlagen. Die Netzebene 4 schließlich umfasst die privaten Hausverteilanlagen.
Streitpunkt "letzte Meile"
Diese "letzte Meile" bremste in der Vergangenheit den Ausbau des Netzes erheblich. Da die Signalverteilung in die Häuser nicht in der Hand der großen Kabelfirmen liegt, sondern in der von hunderten kleinen Hausverwaltern, Wohnungsbaugesellschaften und anderen lokalen Anbietern, war es schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Denn allein die Zahl kleiner lokaler Betreiber auf der Netzebene 4 wird auf mehrere Tausend geschätzt. Dem stehen nur wenige große Betreiber gegenüber, die auf dieser Ebene zu finden sind. Doch heute schreitet der Ausbau mit großen Schritten voran. Allein im Jahr 2006 konnten die Kabelnetzbetreiber nach Angaben des Deutschen Kabelverbands die Zahl ihrer Breitband-Internetanschlüsse von 114.000 auf 390.000 mehr als verdreifachen. Die Zahl der Telefonkunden stieg in der gleichen Zeit von 63.000 auf 293.000 und hat sich damit fast verfünffacht. Auch die Pay-TV-Kunden verdoppelten sich nahezu von 575.000 auf 1.234.000. Diesen Trend wollen die Unternehmen fortsetzen.
Preise runter, Fernsehen optional
Die verlangten Gebühren für die neuen Breitband-Angebote sind in den vergangenen Monaten konkurrenzfähiger geworden. Der neue Trend ist nun, dass die Kabelunternehmen ihre DSL- und Telefonanschlüsse auch ohne die Zwangskopplung mit dem Kabelfernsehen anbieten. Das Kabelfernsehen wird in den Haushalten, die diese Tarife bestellen, einfach gesperrt.
Für dieses Jahr haben die Kabelnetzbetreiber weitere Investitionen in den Netzausbau geplant. Derzeit haben rund 13,5 Millionen Haushalte in Deutschland Zugang zum Breitband-Internet und Telefon aus dem Kabel. Bis zum Jahresende soll die Zahl auf mehr als 19 Millionen Haushalte steigen. Allein in diesem Jahr wollen die drei großen Player auf dem Kabelmarkt Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW mehr als eine halbe Milliarde Euro in den weiteren Netzausbau investieren.
Marktchancen in ländlichen Gebieten
Davon können auch viele Einwohner ländlicher Gebiete profitieren, denn die Kabelunternehmen sind zunehmend auch in Gegenden aktiv, in denen ein DSL-Anschluss nur mit reduzierter Bandbreite oder überhaupt nicht verfügbar ist. Die Preise sind mittlerweile auf ein bezahlbares Niveau gesunken. Für ein Kabelinternet-Paket mit einer Downloadgeschwindigkeit von sechs Megabit pro Sekunde (Mbit/s) werden im Schnitt 30 Euro pro Monat fällig. Die Preise der drei großen Kabelunternehmen Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW müssen sich nicht mehr hinter ihren DSL-Konkurrenten verstecken. Wir stellen die Angebote der drei Kabelnetzbetreiber vor.
Kabel Deutschland mag Comfort
Kabel Deutschland teilt das eigene Angebot in mehrere Pakete auf: Classic, Comfort und Deluxe. Das Paket Classic umfasst einen Telefonanschluss und Internetzugang plus Flatrate mit verhältnismäßig langsamen 512 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) im Downstream für 19,90 Euro im Monat. Wer vier Euro mehr zahlt, bekommt das Paket Classic 1000 mit einem Mbit/s im Download. Eine Telefonflatrate ist optional für zusätzlich knapp zehn Euro im Monat buchbar.
Das Paket Comfort enthält einen Internetanschluss mit sechs Mbit/s im Downstream, einer Internet-Flatrate, einem Telefonanschluss und einer im ersten Jahr kostenlosen Telefon-Flatrate für 29,90 Euro im Monat. Wer es noch schneller mag, kann das Paket Deluxe ordern, das schnelle 16 Mbit/s im Downstream umfasst und von den weiteren Tarifdetails dem Paket Comfort gleicht. Die Deluxe-Version kostet monatlich 39,90 Euro. Alle Pakete sollen künftig auch ohne den vormals vorausgesetzten Fernsehanschluss erhältlich sein.
Unitymedia mit oder ohne Fernsehen
Bei Unitymedia können Neukunden derzeit das Triple-Play-Angebot Unity3Play mit drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten buchen. Mit zwei Mbit/s im Downstream kostet das Angebot 25 Euro pro Monat, mit sechs Mbit/s 30 Euro und wer 16 Mbit/s benötigt, zahlt pro Monat 35 Euro. Im Preis enthalten sind jeweils der Breitband-Anschluss, eine Internet-Flatrate und ein Telefonanschluss mit Festnetz-Flatrate. Wer auf das Kabelfernsehen verzichten möchte, kann sich für 2play entscheiden. Das Angebot entspricht preislich und auch inhaltlich 3play, allerdings ohne digitales Fernsehen.
Kabel BW setzt auf Clever-Kabel
Kabel BW ist derzeit in Baden-Württemberg mit seinen neuen Clever-Kabel-Tarifen auf Neukundenfang. Bis Ende August noch erhalten alle Kunden, die den Tarif CleverKabel 10 bestellen, 25 Euro Startguthaben. CleverKabel 10 umfasst für monatlich 29,90 Euro einen Telefonanschluss, einen Internetanschluss über das Kabelnetz mit bis zu zehn Mbit/s Download-Geschwindigkeit und eine Internet-Flatrate. Eine Telefon-Flatrate ist in dem Tarif enthalten.
Neben CleverKabel 10 bietet das Unternehmen zudem zwei weitere Pakete an: CleverKabel 4 und CleverKabel 25. Der Einstieger-Tarif Clever-Kabel 4 mit bis zu vier Mbit/s im Downstream hat zur Internet-Flatrate auch einen vollwertigen Telefonanschluss spendiert bekommen. Das Paket kostet monatlich 19,90 Euro. CleverKabel 25 mit bis zu 25 Mbit/s im Downstream umfasst zusätzlich ein Pay-TV-Paket und kostet monatlich 49,90 Euro.

(Denise Bergfeld)

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