News

Kabel Deutschland: Internet ohne Kabelfernsehen

Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland will neue Kunden gewinnen. Breitband-Internet und Kabel-Telefonie auch ohne TV-Vertrag wird bis Ende August getestet, bei Erfolg soll es im Herbst die Produktpalette ergänzen.

12.07.2007, 15:06 Uhr
Kabel Deutschland© Kabel Deutschland

Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland begibt sich auf neue Vermarktungswege. Bei einem Vertriebstest vermarktet Kabel Deutschland nun bis Ende August die Breitband- und Telefonieprodukte auch ohne die bisher erforderliche Bindung an einen Kabelfernsehen-Vertrag. Als Zielgruppe gelten rund 1,5 Millionen Haushalte, erläuterte Kabel Deutschland-Sprecher Marco Gassen. Indirekt angekündigt hatte Technikchef Lorenz Glatz das Projekt schon im vergangenen Januar.
Reges Interesse
Bislang sei eine positive Resonanz festzustellen, sagte Gassen. Ende August wisse das Unternehmen, ob der derzeit in Anzeigen, Flyern und Mailings beworbene Testballon erfolgreich landet und daraus ein reguläres Produkt entsteht. Erst dann wird es auch auf der Homepage von Kabel Deutschland erscheinen.
Insgesamt verfügt der Netzbetreiber über 15,6 Millionen Kabelanschlüsse, etwa 8,5 Millionen sind bereits mit einem Rückkanal ausgestattet. Kabel Deutschland zählt nach eigenen Angaben 9,5 Millionen Kunden, von denen etwa sieben Millionen rückkanalfähig ausgebaut sind. Die digitalen Programmangebote nutzen nach Worten von Gassen etwa 1,25 Millionen Haushalte, Tendenz steigend.
Bislang war ein solches Angebot ausgeschlossen, galt bei dem Münchner Anbieter doch die Philosophie, nur bereits bestehenden Kunden die Annehmlichkeiten von Triple-Play zu gewähren. Nun will Kabel Deutschland auch die etwa 1,5 Millionen Haushalte für sich gewinnen, die bislang kein Interesse am TV-Angebot hatten und lieber über Satellit oder DVB-T fernsehen und einen herkömmlichen DSL-Anschluss nutzen. Allerdings müssen potenzielle Kunden in einer Straße leben, die schon rückkanalfähig ausgebaut wurde.
Für sie gelten dann dieselben Konditionen wie für Kunden, die einen Fernsehvertrag mit Kabel Deutschland abgeschlossen haben. Wer nur telefonieren möchten, kann mit Easy 24 einen reinen Voice over IP-Anschluss für monatlich 15,90 Euro buchen. Bei Online-Bestellungen bis 2. September gibt es eine Telefon-Flatrate ins deutsche Festnetz für drei Monate als Bonus. Das Paket Classic umfasst Telefonanschluss und Internetzugang mit lediglich 512 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) für 19,90 Euro pro Monat. Für vier Euro Aufpreis heißt es Paket Classic 1000 und die Surfgeschwindigkeit verdoppelt sich. Die Flat Comfort mit einer Geschwindigkeit von sechs Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gibt es für monatlich 19,90 Euro. Mit Telefonanschluss wird daraus das Paket Comfort, das mit 29,90 Euro pro Monat zu Buche schlägt. Die Flat Deluxe mit 16 Mbit/s wird für 29,90 Euro monatlich angeboten, in Verbindung mit einem Telefonanschluss kostet das Paket Deluxe 39,90 Euro.
Sparen bis 2. September
In den Paketen Comfort und Deluxe ist bei Bestellungen bis zum 2. September eine Telefon-Flat für zwölf Monate im Preis enthalten, im Paket Classic 1000 sind es drei Monate. Zusätzlich kann sich der Neukunde, der bis Anfang September online ein Paketangebot bucht, ein DECT-Telefon oder einen WLAN-Router als Prämie aussuchen.
Die Mindestvertragslaufzeit beträgt stets zwölf Monate, die Einrichtungsgebühr 9,90 Euro. Sollte aus dem Vertriebstest tatsächlich ein reguläres Angebot werden, kann sich Kabel Deutschland als ein ernstzunehmender Konkurrent im Wettbewerb mit den so genannten Internet Service Providern etablieren.
Im vergangenen Jahr wurden 500 Millionen Euro für den Ausbau des Kabelnetzes zur Verfügung stellt. Bis Anfang 2009 soll das Geld aufgebraucht sein. Dann verfügen etwa 90 Prozent aller Kabelanschlüsse über einen Rückkanal und können rein theoretisch die so genannten Triple Play-Angebote buchen. In diesem Jahr wird die Aufrüstung mit Schwerpunkt Niedersachsen ins Auge gefasst, aber auch in anderen Bundesländern wie Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt wird am Kabelnetz geschraubt.
Nach oben "noch Luft"
Mit Blick auf die immer schneller werdenden Breitbandzugänge sagte Gassen, dass es im Kabel auf jeden Fall noch "Luft" gibt, die derzeit maximal möglichen 16 Mbit/s zu überbieten. Dies hänge von der Nachfrage der Kunden ab. Argumente, wonach Bandbreiten zehrendes IPTV Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s im Kabelnetz rechtfertigen könnte, lässt Gassen nicht gelten.
Wer fernsehen mag, wird mit dem digitalen Programmangebot ausreichend bedient und braucht nicht auf Internet-Streams zurückgreifen. Diese Hochgeschwindigkeitsanschlüsse realisiert bislang nur die Telekom auf Basis der VDSL-Technik. Dafür soll das Bezahlfernsehpaket Kabel Digital Home noch vor Jahresfrist erweitert werden. Details wollte Gassen unter Hinweis auf laufende Verhandlungen aber noch nicht verraten.

(Stefan Hagedorn)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang