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Kabel Deutschland gegen "Open Access" beim Kabel

Kabel Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein sperrt sich im Gespräch mit der "Welt" vehement gegen eine von der Telekom geforderte Öffnung der Kabelnetze für andere Provider. LTE sieht KDG nicht als Gefahr, selber will der Kabelnetzbetreiber vor allem mit seinem HD-Angebot und Highspeed-Internet wachsen.

24.10.2011, 12:11 Uhr
Kabel Deutschland© Kabel Deutschland

Die deutschen DSL-Provider spüren die Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber immer stärker: Inzwischen entscheiden sich bereits über 50 Prozent der Breitband-Neukunden für das Telefonieren und schnelle Surfen über das Kabelnetz. Ein Grund: Die Angebote der großen Kabel-Provider wie Kabel Deutschland (KDG), Unitymedia und Kabel BW sind meist günstiger, die Internet-Bandbreiten höher als bei den DSL-Anbietern. Der DSL-Marktführer, die Deutsche Telekom, drängt bereits auf eine Regulierung der Kabelnetzbetreiber. Kabel Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein weist solche Überlegungen im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" strikt zurück. Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Anbieters von TV, Telefonie und Internet per Kabel verweist auf den Anteil der Kabelnetzbetreiber am Breitbandmarkt, der derzeit lediglich bei zwölf Prozent liege. Das sei weit von einer marktbeherrschenden Stellung entfernt. Auch Forderungen nach einer Öffnung des Kabelnetzes für andere Anbieter erteilt von Hammerstein eine klare Absage.

Kabel Deutschland gegen Netzöffnung

"Für eine Zugangsregulierung gibt es überhaupt keine Handhabe", betont der KDG-Chef. Außerdem würde eine solche Regelung eher dafür sorgen, dass die "Investitionsanreize für die DSL-Anbieter wohl eher abnehmen". Aber auch eine freiwillige Öffnung für andere Provider gegen eine entsprechende Mietgebühr kommt für Kabel Deutschland derzeit nicht in Frage. "Wir schauen uns natürlich solche Möglichkeiten an, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist", erklärt von Hammerstein.

Dabei wäre manch DSL-Anbieter sicherlich froh über eine Alternative zum Netz der Telekom. Für die Nutzung des Telekom-Netzes zahlt beispielsweise Vodafone jährlich rund 500 Millionen Euro an den Bonner Konzern. Vodafone-Chef Joussen setzt daher verstärkt auf den Ausbau des eigenen LTE-Netzes.

LTE keine Gefahr für das Kabel - KDG baut Highspeed-Internet weiter aus

Der KDG-Vorstandsvorsitzende sieht in LTE derzeit keine Konkurrenz. "Dort wo das TV-Kabel verfügbar ist, werden die Menschen zu Hause auch über das Kabel ins Internet gehen", ist von Hammerstein überzeugt. Dabei sei Kabel Deutschland durchaus auch in ländlichen Gebieten "gut vertreten". Bis 2013 plant der Kabelnetzbetreiber, der bereits zwölf Millionen Haushalte mit Internet und Telefon versorgen kann, mehr als eine Million weitere Haushalte mit Internet-Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) auszustatten. Auch viele Haushalte in ländlichen Regionen würden davon profitieren. Von Hammerstein verweist darauf, dass Deutschland mit einer Abdeckung von rund 70 Prozent aller Haushalte innerhalb Europas über das Kabelnetz mit der größten Fläche verfügt.

Die Bestrebungen von Vodafone, Telefónica und der Telekom den Kabelnetzbetreibern mit eigenen Fernseh-Angeboten Kunden abzujagen, sieht von Hammerstein aktuell noch gelassen. Die Kabelgesellschaften verfügen über langjährige Verträge mit den Wohnungsgesellschaften. "Wenn die große Telekom mit ihren Ressourcen und ihrem Marketingbudget in einen Markt hineinstrebt, muss man das ernst nehmen", ist sich der KDG-Chef aber durchaus der Gefahr für das klassische Kerngeschäft der Kabelnetzbetreiber bewusst.

Weiter auf Seite 2: Kabel Deutschland erweitert HD-Angebot - Interesse an Übernahmen

Kabel Deutschland selbst setzt vor allem auf HD. Anfang Oktober hat das Münchener Unternehmen seine gesamte TV-Produktpalette auf hochauflösendes Fernsehen umgestellt. Das neue Angebot wird von den Kunden laut von Hammerstein überraschend gut aufgenommen. "Unsere Callcenter sind mit der Bestellannahme doppelt so stark ausgelastet, wie wir es erwartet hatten".

KDG weitet HD-Angebot aus

Das HD-Angebot wird zudem immer attraktiver. Seit dem 5. Oktober speist KDG vier HD-Sender von ProSiebenSat.1 ein. Noch innerhalb des Ende März 2012 endenden Geschäftsjahres will sich Kabel Deutschland zudem auch mit RTL über die Ausstrahlung der HD-Sender der Kölner Sendergruppe einigen. HD und das zeitversetzte Fernsehen über einen digitalen Videorekorder trieben derzeit das Fernsehgeschäft an.

Dem Fernsehen in 3D bescheinigt von Hammerstein jedoch erst in einigen Jahren eine Tauglichkeit für den Massenmarkt. An der analogen Verbreitung des Fernsehsignals wird Kabel Deutschland auch nach der Abschaltung des Analog-Signals über Satellit im April des kommenden Jahres festhalten. Und das nicht ohne Grund: Erst rund 40 Prozent der KDG-Kunden schauen bereits digital, die große Mehrheit nutzt dagegen noch den analogen TV-Empfang.

Kabel Deutschland war Preis für Übernahme von Kabel BW zu hoch

Im Zuge des Gesprächs mit der "Welt" äußerte sich von Hammerstein auch zur geplanten Übernahme von Kabel BW durch die Unitymedia-Muttergesellschaft Liberty Global. Der 3,2 Milliarden Euro-Deal wird derzeit vom Kartellamt geprüft, eine Entscheidung soll bis Mitte November vorliegen. "Wir haben mit der Übernahme kein Problem", betont der KDG-Chef. Kabel Deutschland war selber an Kabel BW interessiert, winkte angesichts des hohen Kaufpreises dann aber ab. "Wir sind aber nach wie vor generell an Konsolidierungsmöglichkeiten interessiert und haben auch den finanziellen Spielraum dafür", zeigt sich von Hammerstein offen für mögliche Übernahmen in der Zukunft.

(Jörg Schamberg)

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