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Jugendkanal von ARD und ZDF startet nur im Internet - Kosten von 45 Millionen Euro jährlich

Der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF wird ausschließlich online verfügbar sein. Die digitalen Kanäle EinsPlus und ZDF-Kultur werden dafür eingestellt. Das haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer am Freitag in Potsdam beschlossen.

17.10.2014, 17:31 Uhr (Quelle: DPA)
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Der von ARD und ZDF geplante Jugendkanal wird anders als geplant nur im Internet an den Start gehen. Ein eigenes Angebot in Radio und Fernsehen soll es nicht geben. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder am Freitag bei ihrer Konferenz in Potsdam nach monatelangem Streit beschlossen. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten ursprünglich einen Multimedia-Auftritt für 14- bis 29-Jährige in Fernsehen, Radio und im Netz geplant. Doch dagegen hatte es in einigen Bundesländern Widerstand gegeben. Für das neue Online-Angebot werden der ARD-Digitalkanal EinsPlus und ZDF-Kultur eingestellt.

ARD und ZDF wollen jünger wirken

"Wir wählen den Ansatz, durch die Online-Brille zu sehen und nicht durch die Fernseh-Brille", erklärte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Potsdam. Dabei sei man vom Nutzungsverhalten der jungen Leute ausgegangen. "Das ist ein guter Kompromiss", sagte die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder. Für ARD und ZDF sei das die große Chance zu zeigen: "Wir sind auch jung und machen es mal ganz anders", sagte Dreyer.

Vor allem die unions-geführten Länder Sachsen, Bayern und Hessen hatten gegen das ursprüngliche Konzept Front gemacht. So war die Entscheidung auf der Ministerpräsidentenkonferenz im März vertagt worden. Dreyer erklärte, es habe Protagonisten unter den Regierungschefs gegeben, die das Projekt gar nicht wollten. Andere wollten ein zeitgemäßes Angebot, das vom Internet ausgehe. Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage sei die Entscheidung ein Durchbruch, sagte Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU).


Der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF wird nur im Internet zu sehen sein. EinsPlus und ZDF-Kultur werden eingestellt. Screenshot: onlinekosten.de

Kosten: 45 Millionen Euro pro Jahr

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor und ZDF-Intendant Thomas Bellut trugen es mit Fassung. Marmor erklärte, es erschwere den Start des Kanals, wenn es kein eigenes Programm im Fernsehen gebe. Bellut nannte das Votum der Regierungschefs einen Ansporn, noch mehr Angebote für junge Zuschauer zu machen. Dagegen machte der bei dem Projekt federführende SWR-Intendant Peter Boudgoust aus seinem Ärger keinen Hehl: Die geplante, konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen sei ein "innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz" gewesen. Es werde "nun schwerer, das Jugendangebot zum Fliegen zu bringen", warnte Boudgoust.

Das Projekt solle auch in dieser Form 45 Millionen Euro pro Jahr kosten, erläuterte Dreyer. Die ARD soll 30 Millionen Euro übernehmen, das ZDF 15 Millionen Euro. Die Finanzierung sei bis 2020 gesichert und werde bis dahin auch keine weiteren Kosten bei den Gebührenzahlern verursachen, versicherte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). Das neue Angebot soll auf Smartphone, Tablet und PC abrufbar sein. Dreyer sagte, der Online-Auftritt solle mit den bestehenden jungen Hörfunkwellen und Angeboten im Fernsehen vernetzt werden.

Die Idee mit dem "Webchannel" für die Jugend kam nicht etwa aus heiterem Himmel. Etwas Ähnliches ist in Großbritannien geplant: BBC 3. Der Jugendkanal, der sich an 16- bis 34-Jährige richtet und als Zukunftslabor gilt, soll ins Internet gestellt werden. Der ZDF-Intendant erwähnte dieses Programm schon im März.

Auswirkungen auf Digitalkanäle

Was wird nun aus den Digitalkanälen von ARD und ZDF? Nach den bisherigen Plänen sollten von sechs Kanälen drei wegfallen - ZDFkultur, EinsPlus und EinsFestival von der ARD -, der Jugendkanal sollte hinzukommen. Nun bleibt neben ZDFneo, ZDFinfo und Tagesschau24 auch EinsFestival bestehen. EinsPlus hätte als Verzahnung gut zu dem Jugendangebot im Internet gepasst. Nun kommt auf Wunsch der Länder etwas ganz Neues - und birgt Chance und Risiko zugleich. Medienforscher Gäbler rät den Verantwortlichen in ARD und ZDF zu mehr Mut und Experimenten, auch in ihren Vollprogrammen: "Damit diese nicht zu Spartensendern für Senioren verkommen."

(Marcel Petritz)

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