ARD/ZDF-Studie

Jüngere nutzen mehr Zeit für Netflix & Co. als für lineares TV

Online abrufbare Inhalte sind zunehmend gefragt. Laut einer Studie von ARD und ZDF zur Massenkommunikation erreichen Fernsehsender und Radioprogramme auch 2020 weiterhin die höchste Nutzungsdauer beim Gesamtpublikum.

Jörg Schamberg, 10.09.2020, 15:05 Uhr
Netflix StreamingNetflix statt ARD, ZDF & Co: Nutzer von 14 bis 29 Jahren verwenden weniger Zeit für lineares Fernsehen.© diy13 / Adobe Stock

Mehr als sieben Stunden pro Tag nutzen die Menschen in Deutschland Medien. Der Trend weg vom linearen TV zu online abrufbaren Inhalten setzt sich weiter fort. Zudem führte die Corona-Pandemie dazu, dass vertrauenswürdige Inhalte stärker nachgefragt wurden. Das geht aus der aktuellen "ARD/ZDF-Massenkommunikation Langzeitstudie 2020" hervor.

Fernsehsender und Radioprogramme weiterhin mit höchster Reichweite

Die höchsten Reichweiten mit Blick auf die gesamte Bevölkerung in Deutschland erreichen laut der Studie nach wie vor Fernsehsender und Radioprogramme. Sie kommen zudem auf die längsten Nutzungsdauern. In diesem Jahr sei im Vergleich zum Vorjahr nur eine leichte Verschiebung der Reichweite vom linearen Fernsehen hin zu Video-Streamingdiensten und YouTube ermittelt worden. Vor allem jüngere Nutzerinnen und Nutzer würden aber auf Online-Videos setzen. Davon würden auch die Mediatheken der Sender profitieren - in allen Altersgruppen.

Bei den Audio-Angeboten platziert sich das lineare Radioprogramm ganz vorne. Bei den unter 30-Jährigen werden aber Musik-Streamingdienste und YouTube stärker und länger genutzt als die Radiosender. Die Studie von ARD und ZDF wurde mitten in der Corona-Pandemie erstellt. So wundert es nicht, dass die Nachfrage nach redaktionellen Informationsangeboten wie Nachrichten zugelegt hatte. Da wegen der Zunahme von Home Office und Kurzarbeit der Arbeitsweg häufig entfallen ist, sei auch die Audionutzung etwas zurückgegangen.

Großteil der Mediennutzungszeit entfällt auf Bewegtbild-Inhalte

Das Bewegtbild in Form von TV-Inhalten, Videos in Mediatheken, auf YouTube oder bei Videostreaming-Diensten erreichte eine Gesamt-Tagesreichweite von 86 Prozent. Das Radio sowie sonstige Audioinhalte kam auf eine Reichweite von 82 Prozent. Im Durchschnitt 47 Prozent der Bevölkerung lesen pro Tag Artikel und Berichte in Zeitungen, Zeitschriften, auf Webseiten, in sozialen Medien oder Bücher.

Die gesamte Mediennutzungszeit pro Tag liegt bei 424 Minuten. Der Großteil von netto 213 Minuten und damit neun Minuten mehr als im Vorjahr entfällt auf Bewegtbildinhalte. Für Audio-Inhalte werden im Schnitt 179 Minuten aufgewandt, das sind sieben Minuten Minuten weniger als 2019. Auf das Lesen von Artikeln entfallen durchschnittlich 53 Minuten der Mediennutzungszeit (- 1 Minute).

Günstige Internet-Tarife finden

Jüngere nutzen eher Netflix & Co. statt lineares TV

72 Prozent der täglichen Videonutzung wird vom Gesamtpublikum für das Schauen von linearem TV verwendet. Lediglich 28 Prozent wird für Sendermediatheken, Videostreaming-Dienste, YouTube, DVDs & Co aufgewandt. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen ergab sich dagegen ein genau umgekehrtes Bild. Lediglich 28 Prozent schauten linearen Fernsehen, 39 Prozent der Videonutzung entfiel auf Video-Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime Video, 19 Prozent auf YouTube. Jüngere nutzten erstmals seit dem Start der Studienreihe im Jahr 1964 mehr Zeit für Bewegtbild-Inhalte als für Audio-Inhalte.

Die Zeit für die Mediennutzung über das Internet stieg weiter an. 126 Minuten sind es pro Tag in der Gesamtbevölkerung für die mediale Internetnutzung. Daneben werden im Internet 114 Minuten für Kommunikation, Gaming, Shopping & Co. genutzt. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt die Mediennutzung per Internet sogar bei 275 Minuten.

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