News

Joyn: Mobilfunknetzbetreiber geben SMS-Nachfolger kaum noch eine Chance

Joyn wurde im vergangenen Jahr groß als SMS-Nachfolger angekündigt, kann sich aber nicht gegen populäre Dienste wie WhatsApp durchsetzen. Auch der Rückhalt bei den Mobilfunknetzbetreibern ist nur gering, wie eine aktuelle Umfrage von Tyntec und Mobilesquared zeigt.

15.08.2013, 10:03 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Der als SMS-Nachfolger von der weltweiten Industrievereinigung der GSM-Mobilfunkanbieter (GSMA) eingeführte Standard RCS-e wird seit dem vergangenen Jahr unter der Bezeichnung Joyn unter anderem von der Deutschen Telekom und von Vodafone vermarktet. Der Dienst, der auch Video-Telefonie, Chats und den Dateiversand erlaubt, kann sich aber nur schwer durchsetzen. Eine aktuelle, internationale Umfrage von Mobilesquared und Tyntec bei mehr als 40 Mobilfunknetzbetreibern und virtuellen Netzbetreibern offenbarte nur wenig Rückhalt und Begeisterung für Joyn.

Joyn kommt zu spät

Demnach schätzen 29 Prozent der befragten Netzbetreiber Joyn nicht als die Lösung ein, um erfolgreich mit Messaging-Diensten wie WhatsApp und Skype konkurrieren zu können. Lediglich rund 7 Prozent der befragten Unternehmen sehen in Joyn den Hoffnungsträger für einen erfolgreichen Kampf gegen die sogenannten Over-The-Top-Dienste (OTT) für Sprache und Messaging, zu denen unter anderem auch Facebook gehört. Weitere rund 29 Prozent sprechen Joyn zwar Potential zu, stufen den Markteinstieg allerdings als zu spät ein.

Von der Konzeption bis zum Marktstart hat es sieben Jahre gedauert, WhatsApp hätte dagegen nur sechs Monate benötigt. 36 Prozent der Befragten, sind unsicher, ob Joyn das richtige Mittel ist, um sich gegen die OTT-Dienste zu behaupten. Vor allem fehlt es Joyn an einer globalen Verbreitung, die aber nur erreicht werden könnte, wenn jeder Mobilfunknetzbetreiber den Standard anbietet. Das ist aber noch nicht der Fall, und werde nach Einschätzung von etlichen der Netzbetreiber vermutlich auch nie der Fall sein.

Netzbetreiber sehen WhatsApp als größte Bedrohung

Als größte Bedrohung für ihre Erlöse sehen 36 Prozent der befragten Netzbetreiber den populären Dienst WhatsApp an. Google und Facebook folgen mit jeweils 21 Prozent, Apple fürchten 14 Prozent. Skype wurde dagegen lediglich von 7 Prozent der Mobilfunknetzbetreiber als Gefahr benannt. Trotz aller Konkurrenz nimmt die Kooperation von Mobilfunknetzbetreibern mit OTT-Diensten weiter zu: Waren im vergangenen Jahr 32 Prozent der Netzbetreiber solche Partnerschaften eingegangen, stieg der Anteil aktuell auf 36 Prozent.

Da Joyn sich nicht als die bevorzugte Lösung erweist, müssen die Netzbetreiber nun nach Ansicht von Tyntec-Manager José Garcia nach anderen Alternativen suchen, um dem weiteren Sinken der Sprach- und SMS-Erlöse entgegenzuwirken. Immer mehr Anbieter würden von alten Strategien wie dem Blockieren von Messaging-Diensten, der Erhebung von Zusatzgebühren oder der Bandbreitenreduzierung abrücken. Neue Gelegenheiten würden sich durch Ausweitung ihrer A2P SMS-Dienste, also mit dem Versand von Kurznachrichten über Anwendungen, oder durch Partnerschaften mit OTT-Providern ergeben.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang