BREKO-Studie

Ist Sat-Internet von Starlink eine Alternative zu Glasfasernetzen?

Elon Musk will seinem Unternehmen Starlink 42.000 Satelliten ins Weltall schießen und rund um den Globus Sat-Internet anbieten. Doch wie leistungsfähig wäre ein solches Netz. Eine BREKO-Studie untersucht, ob Sat-Internet eine Alternative zu FTTH-Glasfaser sein könne.

Jörg Schamberg, 23.08.2021, 10:47 Uhr
Satellit© lexaarts / Fotolia.com

Der Internetzugang per Satellit ist in Deutschland immer noch ein Nischengeschäft. Lange hinkten Sat-Internetanbieter bei der verfügbaren Bandbreite der Konkurrenz von DSL- und Kabelanschlüssen hinterher. Inzwischen werden per Sat-Internet Download-Bandbreiten von immerhin bis zu 100 Mbit/s für private Kunden angeboten. Anbieter wie das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX, die britische Firma Oneweb oder der Online-Händler Amazon wollen künftig weltweit Breitbandzugänge per Sat-Internet bereitstellen. Doch kann Internet per Satellit eine Alternative für Glasfasernetze sein? Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) gibt darauf eine klare Antwort.

BREKO-Studie: Sat-Internet ist keine Alternative zu Glasfasernetzen

Der BREKO hatte bei der Technischen Hochschule Mittelhessen eine Studie in Auftrag gegeben, die die Leistungsfähigkeit von Sat-Internet nach dem Starlink-Konzept untersuchte. Die Ergebnisse liegen nun vor. In einigen Regionen Deutschland laufen seit März 2021 Beta-Tests von Starlink. Mitte 2021 würden 69.000 Menschen das Angebot nutzen. Das Unternehmen von Elon Musk geht bis Mitte 2022 von bis zu einer halben Million Kunden weltweit aus.

Laut der Studie ist Internet per Satellit keine Alternative zu FTTB/H-Glasfasernetzen. Es lasse sich über Starlink keine flächendeckende Versorgung der Haushalte in Deutschland mit mindestens 100 Mbit/s erreichen. In Deutschland könnten im Idealfall über das Starlink-Netz maximal 1,3 Millionen Anschlüsse mit 100 Mbit/s oder 130.000 Anschlüsse mit 1 Gbit/s realisiert werden. Der Upload erreiche maximal 30 bis 40 Prozent der Downstream-Bandbreite. Mit Glasfaseranschlüssen ließen sich dagegen Bandbreiten von 1 Gbit/s, 10 Gbit/s oder künftig sogar 100 Gbit/s oder 400 Gbit/s realisieren - auch im Upstream.

Starlink-Netz für Versorgung von Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte geeignet

Das Starlink-Netz sei jedoch weltweit sehr gut geeignet für eine flächendeckende Versorgung von Gegenden mit geringer Bevölkerungsdichte wie ländliche Gebiete, Weltmeere, Wüsten, Steppen, Gebirge & Co. Ist eine Sichtverbindung möglich, so könnten auch Wälder mit Sat-Internet versorgt werden. In Deutschland könnte das Starlink-Netz eine Grundversorgung für Haushalte bereitstellen, die ansonsten in den nächsten Jahren wegen eigenwirtschaftlich noch mit staatlichen Fördermitteln erschlossen werden. Das Starlink-Netz könne vor allem mit der globalen Vernetzung sehr vieler Endgeräte mit moderaten Bitraten und geringen Latenzen punkten. Derzeit sei aber nicht absehbar, ob und wann Starlink sein Endausbauziel von rund 42.000 Satelliten im Weltall erreichen werde.

BREKO: Glasfaser ist alternativlos

"Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass Glasfaser als digitale Infrastruktur alternativlos ist. Der Glasfaserausbau muss deshalb auch weiterhin politisch höchste Priorität haben, um eine zukunftssichere und nachhaltige Basis für die Digitalisierung Deutschlands zu schaffen. Gleichzeitig liefert die Studie wichtige Erkenntnisse, was Satelliteninternet leisten kann. Um auch Bürger:innen in sehr ländlichen und besonders dünn besiedelten Gegenden digitale Teilhabe zu ermöglichen, kann das Internet aus dem All sinnvoll als Brückentechnologie eingesetzt werden. Auch im Katastrophenfall, wie jüngst bei der Flutkatastrophe in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, kann Satelliteninternet schnell helfen, um die Internetanbindung sicherzustellen", sagt, BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. "Wichtig ist aber auch, dass bei aller Euphorie über Starlink das Thema Nachhaltigkeit im Blick bleibt. Bisher ist unklar, welche Auswirkungen die vielen tausend geplanten Satelliten haben werden und was mit diesen nach deren Betriebszeit passiert", so Albers weiter.

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