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Islamische Freitagspredigt per Mausklick

Das ZDF hat eine Idee für ein islamisches "Wort zum Freitag" vorgestellt, aber noch kein fertiges Konzept. Muslimische Verbandsvertreter haben konkrete Vorstellungen. Sie wünschen sich eine Sendung nach Vorbild des christlichen "Worts zum Sonntag".

23.02.2007, 08:01 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Die Muslime sollen sich am Vorbild ihrer Propheten orientieren, mahnt der bärtige Imam. Um seiner Botschaft Nachdruck zu verleihen, zitiert der Theologe aus dem Koran. Wer die Predigt ansehen will, kann sie auf der Website der türkischen Religionsbehörde anklicken. Jede Woche steht dort eine neue Freitagspredigt.
Wort zum Freitag
Ob ein islamisches "Wort zum Freitag" auf der ZDF-Internetseite einmal ähnlich aussehen wird, ist noch völlig offen. Der öffentlich-rechtliche Sender hat bisher nur die Idee dafür vorgestellt, aber noch kein fertiges Konzept. Muslimische Verbandsvertreter haben hingegen schon konkrete Vorstellungen. Sie wünschen sich mehr als einen Internetbeitrag - nämlich eine Sendung nach Vorbild des christlichen "Worts zum Sonntag".
Für den Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, ist auch schon klar, wer solch einen Beitrag gestalten sollte. "Wir gehen davon aus, dass das 'Wort zum Freitag' redaktionell bei den Muslimen liegt, so wie dies für die Kirchen beim 'Wort zum Sonntag' längst gilt". Alles andere wäre Etikettenschwindel, sagte Mazyek dem Berliner "Tagesspiegel". Auch der Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union, Bekir Alboga, kann sich nicht vorstellen, dass ein solcher Programmbeitrag ohne Zusammenarbeit mit den islamischen Verbänden zustande kommt. "Es müssen Gespräche laufen, sowohl intern unter den Muslimen, als auch zwischen ZDF und uns", sagt er.
ZDF rudert zurück
Das ZDF tritt derweil auf die Bremse. An eine Gestaltung durch die islamischen Verbände ist nach Angaben des Senders nicht gedacht. Zuständig für das Projekt ist die ZDF-Kirchenredaktion. "Die Redaktion macht sich jetzt konzeptionelle Gedanken", sagt Sender-Sprecher Walter Kehr. Es gebe bislang weder einen Titel noch ein Format und auch keinen festen Platz im Internetprogramm. Über Inhalte des Webangebots für Muslime will er ebenso wenig spekulieren wie über einen angeblichen Starttermin im Mai oder eine spätere Übernahme ins Fernsehen. Neu ist die Idee für ein islamisches "Wort zum Freitag" nicht. Immer wieder wurde ein solches Sendeformat angeregt - in aller Regel auf das Fernsehen und nicht auf das Internet bezogen. Dabei wurde auf den möglichen Nutzen solch einer Art der Selbstdarstellung für die Integration und den Abbau von Vorurteilen verwiesen.
Keine neue Idee
Bereits 2004 hatte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, für einen solchen Beitrag ausgesprochen. Zuletzt forderte die Türkische Gemeinde in Deutschland beim Islamgipfel im vergangenen September die Einführung einer islamischen TV-Ansprache. Die Diskussion zieht mittlerweile weitere Kreise. So meldete auch der Zentralrat der Juden Interesse an einem "Wort zum Sabbat" an.
Offene Fragen gibt es indes zuhauf. Soll der Beitrag nur ein Dialogforum über den Islam sein oder eine Art religiöse Verkündigung wie das christliche "Wort zum Sonntag" in der ARD? Wenn es tatsächlich eine islamische Kurzpredigt würde, wer dürfte als Imam sprechen? Die öffentlich-rechtlichen Programmgestalter hätten dann ein ähnliches Problem wie die Kultusministerien der Länder bei der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts: Wer kann die Muslime hierzulande vertreten?
Offen für Gespräche
Für Alboga stellt sich diese Frage nicht. Er verweist auf den Koordinierungsrat, in dem sich die vier größten islamischen Verbände in Deutschland beraten. Das Gremium erklärte am Donnerstag, ein "Wort zum Freitag" sei ein "wichtiger Schritt in Richtung Gleichbehandlung der Muslime in Deutschland" und trage zu einem besseren Verständnis des Islam bei. Für Gespräche mit dem ZDF sei der Koordinierungsrat offen.
Über zumindest eine Frage herrscht derweil offenbar Einigkeit. Wie und wo auch immer ein "Wort zum Freitag" auf dem Bildschirm zu sehen sein wird, es soll auf Deutsch sein. "Die Predigt muss von allen verstanden werden, und die gemeinsame Sprache hier ist Deutsch", stellt Alboga klar. Auch ZDF-Sprecher Kehr betont, dass die Angebote des Senders ausschließlich deutsch seien.

(Denise Bergfeld)

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