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iPhone: Gehypt, gehackt und gewertet

Im Herbst kommt das iPhone nach Europa, auch Deutschland ist fest eingeplant. Nach nur wenigen Tagen wurde das Handy offenbar schon gehackt. Eine entsprechende Anleitung ist im Internet aufgetaucht. Ein Akkuwechsel soll laut Apple mit mehr als 80 US-Dollar zu Buche schlagen, zudem gehen dabei alle Daten verloren.

05.07.2007, 12:23 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Bei der Wahl der meist beachteten Produkte des Jahres ist dem iPhone eine Auszeichnung sicher. Wie die "Financial Times" am Donnerstag berichtet, soll das iPhone im Herbst in Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf den Markt kommen. In Großbritannien hat demnach o2 den Zuschlag erhalten. In den übrigen europäischen Staaten sowie in Asien wird die Markteinführung für das kommende Jahr erwartet. Eine UMTS-Unterstützung ist in Europa nicht vorgesehen. Das Multifunktionshandy wird in den USA nur mit einem 24-Monats-Vertrag der Telefongesellschaft AT&T vertrieben. Für Hacker und Bastler Grund genug, um nach anderen Wegen zu suchen, das Apple-Gerät zum Laufen zu bringen. Jon Lech Johansen, in der Hacker-Szene kein Unbekannter, will das iPhone auch ohne Vertrag aktiviert haben.
Telefonieren verboten
In seinem Blog beschreibt Johansen, dass mit "Magic iTunes numbers" und einer entsprechenden Software zumindest die iPod- und WLAN-Funktionen aktiviert werden können. Zusätzlich wird die Applikation MS.NET Framework 2.0 benötigt, die von der Microsoft-Website heruntergeladen werden kann. Johansen geht aber noch einen Schritt weiter und stellt auch den PAS Source-Code zur kreativen Weiterentwicklung zum Download bereit. Laien sollten sich jedoch nicht daran versuchen, denn ohne genaue Kenntnis, kann die ganze Aktion das iPhone komplett lahm legen.
Telefoniert werden kann so allerdings nicht. Bisher wurde noch kein Weg gefunden, ohne Abschluss des "Knebelvertrages" das iPhone auch als vollwertiges Telefon einsetzen zu können. Schlagzeilen machte Hacker Johansen bereits vor vier Jahren. Damals veröffentlichte er ein Open Source-Programm, mit dem das Rechtemanagement DRM bei Musikdateien teilweise umgangen werden konnte. Inzwischen hat Apple seine Hausaufgaben gemacht und die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. Im vergangenen Herbst hatte Johansen zudem den Apple-Kopierschutz FairPlay geknackt, der Musikstücke aus dem iTunes-Musikportal an den iPod bindet.
Akkuwechsel wird teuer
Unterdessen informiert das Unternehmen nun auch über die Kosten eines Akkuwechsels. Da der Akku fest im Gerät integriert ist, muss das iPhone zu diesem Zweck an Apple eingeschickt werden. Nach Ablauf der Garantiezeit wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 79 US-Dollar in Rechnung gestellt, hinzu kommen 6,95 US-Dollar für den Versand. Somit kostet der Austausch satte 85,95 US-Dollar, umgerechnet 63 Euro. Die Arbeiten soll drei Werktage in Anspruch nehmen. Ferner gehen mit dem Batterie-Tausch sämtliche Daten verloren, die auf dem Gerät gespeichert wurden. Apple empfiehlt, über die iTunes-Software alle Daten auf einen PC zu sichern. Das Marktforschungsinstitut iSuppli hat unterdessen die einzelnen iPod-Komponenten analysiert und kam zu interessanten Ergebnissen. Die Produktionskosten für die acht-Gigabyte-Ausführung des 599 US-Dollar teuren Gerätes liegen bei nur 265,83 US-Dollar. Somit kann Apple von einer Gewinnmarge in Höhe von 55 Prozent pro Gerät ausgehen. Im Januar hatte iSuppli einen Wert von 264,85 US-Dollar ermittelt. Vertriebs- und Logistikkosten sind in dieser Kalkulation allerdings nicht berücksichtigt.
Hohe Gewinne
Der Halbleiterhersteller Infineon aus dem bayerischen Neubiberg tritt erstmals als Zulieferer für ein Apple-Produkt auf und ist unter anderem für das Radio und die Energieverwaltung verantwortlich. Der Infineon-Anteil pro iPhone liegt bei 15,25 US-Dollar, 6,1 Prozent des Gesamtpreises. Die Produktionskosten des verbauten Chips liegen bei etwa 1,50 US-Dollar, weniger als ein Prozent des Endverbraucherpreises.
Auch die Touchscreen-Module kommen aus Deutschland und werden von der Balda AG in Bad Oeynhausen in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen TPK Solutions produziert. Die Kosten sollen bei der acht-Gigabyte-Variante 27 US-Dollar betragen. Dies entspricht 10,8 Prozent des Kaufpreises. Für das LC-Display werden 24,50 US-Dollar angesetzt. Die Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass in diesem Sektor mit Epson, Sharp und Toshiba gleich drei Unternehmen als Lieferanten arbeiten.
Herzstück von Samsung
Der Löwenanteil liegt jedoch bei Samsung. Der südkoreanische Elektronikkonzern produziert mit dem Prozessor das Herzstück des iPhone. 14,25 US-Dollar werden veranschlagt. Die Kosten für den NAND-Flashspeicher werden mit 24 US-Dollar in der vier-Gigabyte- und 48 US-Dollar in der acht-Gigabyte-Ausführung angesetzt. Dieser wird, wie auch der ein Gigabyte DRAM-Baustein, von Samsung beigesteuert. Der Speicher wird von iSuppli mit 14 US-Dollar berücksichtigt.
Der WLAN-Chip im Wert von sechs US-Dollar kommt aus dem Hause Marvell, das Bluetooth-Modul für 1,90 US-Dollar liefert CSR. Während in diesem Jahr mit dem Verkauf von 4,5 Millionen Geräten gerechnet wird, sollen bis 2011 bereits mehr als 30 Millionen iPhones über die Ladentische gegangen sein.

(Stefan Hagedorn)

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