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Interview: "Wir bieten die einzige DSL-Alternative"

Auf dem Webhostingday stellt Probstei Telekom SAT-DSL mit VoIP als Alternative für DSL-Vernachlässigte vor. Wir haben mit Geschäftsführer Wolfgang Bauer gesprochen.

29.03.2007, 08:00 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Wer auf dem Land wohnt, hat es nicht leicht: Wenig Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten, selten ist mal so richtig was los und vor allem: Es gibt so gut wie kein Breitband-Internet. Während in den Ballungsgebieten die Nutzer die Qual der Wahl haben, leben die meisten Menschen in ländlichen Regionen noch in der DSL-Wüste. Eine echte Alternative stellte Probstei Telekom auf dem Webhostingday 2007 vor. SAT-DSL, zumal wenn es mit VoIP kombiniert wird, ist nach Ansicht von Geschäftsführer Wolfgang Bauer eine echte, wenn nicht sogar die einzige DSL-Alternative. Wir haben mit ihm gesprochen, was Verzweifelte tun können, um endlich auch in ihrem Dorf Breitband-Internet genießen zu können.
Wolfgang Bauer, Geschäftsführer Probstei Telekom
onlinekosten.de: Herr Bauer, ist Ihrer Meinung nach SAT-DSL tatsächlich eine echte Alternative zum kabelgebundenen DSL?
Bauer: Ja und zwar die einzige Alternative nach unserer Meinung. Andere Angebote dienen lediglich dazu, von einem festen Kabelanbindungs-Punkt aus ersatzweise eine weitere Strecke zu überbrücken, auf der eine Versorgung per Kabel nicht möglich ist. Dazu zählen beispielsweise WiMAX, Richtfunk oder auch WLAN. Das heißt, die eigentliche Internet-Anbindung ist nach wie vor terrestrisch über Kabel. Im Gegensatz zu unserer Lösung, weil wir völlig unabhängig vom Kabel sind. Wir gehen direkt über Satellit und sind deswegen, denke ich, die wirklich alternative Anbindungstechnik.
onlinekosten.de: Sie sehen Ihr Produkt also nicht als Konkurrenz zu WiMAX und Co.?
Bauer: Nein, überhaupt nicht. WiMAX ist eigentlich eine Technik, die Kabelstrecken ersetzt und bis zu 50 Kilometer weit reicht. Aber es ersetzt nicht den Zugang zum Internet, der erfolgt an irgendeinem Punkt der Strecke wieder über Kabel. WiMAX ersetzt also nur streckenweise das Kabel. Vor Ort werden diese WiMAX-Übertragungen dann in der Regel per WLAN an die Endkunden verteilt, so dass sie sich dann im Ort mit einer Funkkarte und ihrer Zugangsberechtigung irgendwo einwählen können.
onlinekosten.de: Was brauche ich als Kunde, um ihr Angebot nutzen zu können?
Bauer: Wir bieten keine so genannte Hotspot-Technik an, wo Kunden sich einwählen können egal wo sie sind und über irgendwelche Zugangsparameter, die sie von uns bekommen. Unsere Anbindung ist gezielt auf Anwender ausgerichtet, die beispielsweise in einer Gemeinde wohnen und dort keinen DSL-Anschluss bekommen. Wir können dann über eine zentrale Satellitenantenne diesen Nutzern die Möglichkeit geben, per Breitband-Technik ins Internet zu gehen. Das geht aber nicht von unterwegs aus, weil die Kunden von uns die Genehmigung und genaue Ausrichtung auf die Antenne brauchen, sonst funktioniert das nicht. onlinekosten.de: Wie viele Kunden haben Sie bei SAT-DSL und was sind das für Nutzer?
Bauer: Unsere Kundenstruktur ist im Moment sehr privat-lastig, weil wir Wert darauf gelegt haben, mit Gemeinden zu starten und da sind in der Regel Endkunden die Nutzer. Aber wir haben in der Zwischenzeit auch Projekte, bei denen reine Gewerbegebiete angebunden werden, auch über diese zentrale Verteilertechnik. Es handelt sich dann eben nur um Gewerbekunden mit anderen Bandbreiten, als Privatkunden. Alles in allem ist die momentane Verteilung bei unseren Kunden etwa 70 Prozent Privat- und 30 Prozent Gewerbekunden.
onlinekosten.de: Was muss denn nun ein verzweifelter Nicht-DSLer tun, damit er Ihre Lösung bekommen kann?
Bauer: Es gibt drei Wege: Der eine ist, den Bürgermeister oder Gemeinderat zu aktivieren, damit die mit uns Kontakt aufnehmen. Denn unser Konzept basiert auf einer Gemeinde- und nicht auf einer Einzelanbindung, obwohl wir natürlich auch Einzelanbindungen realisieren. In der Regel stellt daher der Bürgermeister oder Gemeinderat den Kontakt zu uns her, wir sprechen das mit denen durch und organisieren eine Infoveranstaltung in der Gemeinde, zu der alle Interessierten eingeladen werden. Dann hat jeder die Möglichkeit, uns seinen Vertrag zu übermitteln und dadurch die Anbindung zu gewährleisten. Der andere Weg ist, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen und dann über eine Privatinitiative diesen Infoabend zu organisieren, also ohne Einbindung der Gemeinde. Der dritte Weg wäre dann eben die Einzelanbindung, wenn sich das jemand leisten möchte und kann. Der Mindesteinsatz dafür sind 176 Euro im Monat, das wäre die Miete für unsere SAT-Antenne von 99 Euro und dann die 77 Euro für die geringste Bandbreite mit 128 Kilobit pro Sekunde Up- und 512 Kilobit pro Sekunde Downstream. Aber das ist wohl für Privatkunden weniger geeignet, für mittlere oder kleine Gewerbebetriebe jedoch durchaus lohnenswert zu überdenken, wenn sonst kein anderer da ist, der sich für unser Produkt interessiert.
onlinekosten.de: Wenn sich nun eine Gemeinde dazu entschlossen hat, Ihre Lösung anzuwenden und die zentrale SAT-Antenne von Ihnen aufgebaut wurde, wie viele Kunden können Sie damit dann versorgen?
Bauer: Die Anlage selbst, also die zentrale Verbindung kann 300 Kunden aufnehmen und versorgen. Wir haben uns aber aus Sicherheitsgründen selbst eine Grenze gesetzt, die bei 100 liegt. Mehr als 100 Kunden an einer Antenne nehmen wir nicht, dann setzen wir lieber eine zweite Antenne und splitten die Nutzer, damit dann auch wirklich jeder die Bandbreite zur Verfügung hat und die Anlage auch nicht überlastet wird.
onlinekosten.de: Sie bieten parallel auch Voice over IP (VoIP) an. Kann man mit Ihrem Angebot den Festnetz-Anschluss komplett ersetzen?
Bauer: Ja, denn über unsere Anbindung sind alle Anschlüsse erreichbar. Auch Notrufnummern, Sonderrufnummern oder andere wie die Seelsorge. Kunden können natürlich auch Sonderrufnummern bei uns skalieren, beispielsweise 0900-Nummern sperren oder nur deutsche Festnetznummern erreichbar machen und ausländische sperren. Man kann auf einen normalen Telefonanschluss somit komplett verzichten.
onlinekosten.de: Wie verbreitet ist Ihre Lösung mittlerweile?
Bauer: Wir haben aktuell, angebundene inklusive in der Abwicklung befindliche Projekte, ungefähr 18 laufen. Was wir festgestellt haben ist, dass die Anlaufzeit sehr lang ist. Wir sind seit August 2005 mit SAT-DSL in Deutschland vertreten und hatten die erste positive Entscheidung einer Gemeinde erst im November vergangenen Jahres. So lange dauert das, aber dafür kommt es jetzt Schlag auf Schlag.

(Aleksandra Leon)

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