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Interview: NGN ist keine Gefahr für VoIP

Auf dem Webhostingday 2007 war, ebenso wie auf der Cebit, das Next Generation Network ein großes Thema. Wir haben mit Outbox-Vorstand Joern Dost über die Bedeutung von NGN für das VoIP-Geschäft gesprochen.

30.03.2007, 16:01 Uhr
Internettelefonie© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Das Next Generation Network (NGN) war auf der Cebit 2007 das neue Zauberwort für die Zukunft der Telefonie. Auch beim Webhostingday diskutierten die Experten über den Einfluss des IP-basierten Telefonnetzes, vor allem auf das Geschäft der unabhängigen VoIP-Anbieter. Am Markt, ebenso wie in der Regulierung, wird die Tendenz deutlich, zwischen beiden Techniken eine klare Trennlinie zu ziehen. Wir haben mit Joern Dost, Technik-Vorstand der Outbox AG über das Thema gesprochen. Aus seiner Sicht ist Voice-over-NGN (VoNGN) keine Konkurrenz für Voice-over-Internet (VoInternet). Jedoch droht die Trennung der beiden Techniken, VoIP einen Stempel als Telefonie zweiter Klasse aufzudrücken.
Joern Dost, Vorstand Technik Outbox AG
onlinekosten.de: Was versteht man eigentlich unter NGN und welche Vorteile bringt es für den Kunden?
Dost: NGN ist ein IP-basiertes Telefonnetz, also erstmal nichts anderes als "VoIP", nur dass auch die IP-seitig eingesetzten Komponenten von Anfang an auf Sprachdienste ausgelegt sind. So kann auch sichergestellt werden, dass die Sprache, die vorne reingeht, auch hinten wieder 1:1 genauso in Festnetzqualität rauskommt. IP heißt in diesem Fall nicht zwingend Internet, das NGN kann beispielsweise auch in privaten Datennetzen oder im Mobilfunk zum Einsatz kommen.
onlinekosten.de: Und was bedeutet NGN für VoIP, hat es Einfluss auf Ihr Geschäft? Inwieweit sehen Sie die Angebote der großen Netzbetreiber als ernsthafte Konkurrenz für die unabhängigen VoIP-Anbieter?
Dost: Ich sehe Voice-over-NGN (VoNGN) nicht wirklich als Konkurrenz zu Voice-over-Internet (VoInternet), um mal bei dieser Unterteilung zu bleiben. Voice-over-NGN ist eine Technik, wie sie beispielsweise bei Arcor zum Einsatz kommt, um einen normalen Telefonanschluss abzubilden. Dabei arbeitet die Lösung aus Providersicht mit IP, wovon der Kunde jedoch nichts mitbekommt. Voice-over-Internet hingegen ist eine Technik, bei der Internet- und Sprachdienst bewusst getrennt sind, gegebenenfalls von verschiedenen Anbietern eingekauft werden und auch getrennt voneinander nutzbar sind. Sie bietet nomadische Nutzung, bei der ich meine Bürorufnummer abends mit nach Hause oder ins Ausland mit auf den PC nehmen kann, und viele andere Features, die sie von einem normalen Telefonanschluss unterscheidet – und damit auch von Voice-over-NGN.
Ich sehe VoNGN daher als Konkurrenz oder Nachfolger des klassischen Festnetzes, aber nicht als Konkurrenz zu VoInternet. Einzig die bei VoNGN vielleicht gegenüber dem klassischen Festnetz günstiger realisierbare Technik macht den, ohnehin schon geringen, Preisvorteil bei VoInternet zunichte. Aber Kostenvorteile sind nicht mehr das Haupt-Argument für VoIP, das heißt da sehe ich kein Problem. Aber: Die vom Regulierer derzeit diskutierte – beziehungsweise ihm von der beauftragten Expertengruppe vorgeschlagene – regulatorische und technische Trennung in VoNGN und VoInternet kann sehr wohl Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell haben. Wenn VoInternet aufgrund der per Definition festgelegten Nicht-Festnetzqualität zur Telefonie zweiter Klasse – auch in den Entgelten – abgestuft wird, hat das sicherlich negativen Einfluss auf den Markt.
onlinekosten.de: Wie wird sich der VoIP-Markt in Zukunft Ihrer Meinung nach entwickeln, wo stehen die Anbieter in zehn Jahren?
Dost: Ich denke, dass Voice-over-NGN zunehmende das traditionellen Festnetz ablösen wird, wie es ja von großen Carriern schon angekündigt wurde, aber für die Kunden nicht zwingend einen Mehrwert bringt. Und ich denke, dass sich Voice-over-Internet als die flexiblere virtuelle Alternative weiter durchsetzen und in der Professionalität steigen wird. Wie die Telefonie in zehn Jahren aussehen wird, bestimmt aber letztlich nicht das Angebot an Telefonieprodukten, sondern die Anforderungen des Marktes. Ich kann mir viele Szenarien vorstellen, in denen die Telefonie die Arbeitswelt im Jahre 2017 unterstützen kann – sei es bei Home-Offices, bei Unternehmens-übergreifenden Teams oder auch bei in Unternehmens-Prozesse integrierten Freelancern. Aber letztlich ist das nur die Konsequenz aus der Entwicklung, wie Arbeitsplätze 2017 aussehen werden – und die kann und will ich nicht vorhersagen.

(Aleksandra Leon)

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