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Interview mit einem Telefonzellen-Liebhaber - Schüler (17) pilgert täglich zum Telefonhäuschen

Handy-Boom hin, Smartphone-Hype her: der Schüler Stefan Zaum aus Augsburg liebt Telefonzellen. Und will sie bewahren: Die "Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der deutschen Telefonzelle" setzt sich für die Kommunikationsinseln am Straßenrand ein. Auf der Homepage gibt es sogar eine Bastelanleitung für gelbe Modell-Häuschen.

01.03.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Auf den Straßen gibt es immer weniger Telefonhäuschen - und die verbliebenen werden nicht selten zerstört. Sehr zum Ärger von Stefan Zaum. Der 17-Jährige hat die "Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der deutschen Telefonzelle" gegründet. Warum er sich für die Häuschen einsetzt, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Telefonzelle?

Heute Mittag erst. In der Nähe meiner Schule ist ein richtig klassisches Telefonhäuschen. Das besuche ich fast täglich nach dem Unterricht. Telefoniert habe ich das letzte Mal vor einer Woche aus einer Telefonzelle - mit Münzen.

Haben Sie denn kein Handy?

Ich habe sogar mehrere Handys. Die meisten sind aber eher nostalgisch. Das älteste ist so alt wie ich, Baujahr 1996. Mittlerweile braucht man Handys für Notfälle, weil die Telefonzelle ausstirbt. Ich finde aber, dass das Handy auch Nachteile hat.

Welche denn?

Die meisten Leute verbringen viel Zeit damit, nur noch auf das Display zu schauen. Viele passen deshalb im Straßenverkehr nicht mehr auf. Das hat man bei der Telefonzelle nicht: Da steht man drin, telefoniert kurz und dann hat sich die Sache.

Was ist denn der Reiz an Telefonhäuschen?

Es ist nicht direkt das Telefonieren. Telefonhäuschen strahlen etwas Gemütliches aus. Sie sind ein Fluchtpunkt mitten auf der Straße, ein kleines Wohnzimmer. Wenn es zum Beispiel anfängt, zu regnen, sucht man den Schutz des Telefonhäuschens.

Da ist man dann in einer ganz eigenen Welt, im Frieden, im Trockenen. Es ist ein richtiger Ausruhpunkt, aus dem man aus dem schnellen Straßenalltag flüchten kann.

Wie kämpfen Sie mit ihrer "Arbeitsgemeinschaft" für den Erhalt der Telefonzelle?

Wir wollen die Leute in erster Linie aufmerksam machen und einen Treffpunkt für die Szene bieten. Das große Ziel ist eine Sammlung oder ein Museum - aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik.

Gibt es eine richtige Szene?

Aber ja. Die Leidenschaft für Telefonzellen geht quer durch alle Altersklassen. Man kennt sich, und wir tauschen uns über Facebook aus. Da entwickelt sich gerade was.

Kann man den Trend zum Abbau von Telefonzellen aufhalten?

Ich glaube kaum. An Knotenpunkten wie an Flughäfen oder an Bahnhöfen werden sie sich aber auch weiterhin halten. Wahrscheinlich kommen dort verstärkt Multimediastationen hin, mit denen man dann auch ins Internet gehen kann, quasi stationäre, kompakte Smartphones in groß: Alleskönner-Telefonzellen. Den Basistelefonen prophezeie ich hingegen keine Zukunft. Ich bin mir aber sicher: Ganz aussterben wird die Telefonzelle nie.

(Dorothee Monreal)

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