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Interview: Congstar denkt über DSL-Abschied nach

Congstar-Geschäftsführer Martin Knauer sprach im Rahmen der IFA mit Redaktionsleiter Hayo Lücke über die ersten drei Monate seiner Amtszeit, die Zukunft von DSL und die künftige Preispolitik im Mobilfunk.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Herr Knauer, vor drei Monaten haben Sie bei congstar das Ruder übernommen. Zeit für ein erstes Zwischenfazit: wie fällt es aus?

Knauer: Congstar hat als Marke und als Marktteilnehmer eine Menge Potenzial. Wir haben aber auch noch Luft nach oben. Der Marktanteil der in Deutschland aktiven Mobilfunk-Discounter liegt gemessen an den Kundenzahlen inzwischen bei 18 bis 20 Prozent und meine persönliche These ist, dass sich dieser Wert in Richtung 30 Prozent entwickeln wird. Die Kunden haben inzwischen verstanden, dass bei bekannten Discountern wie congstar, aber auch Wettbewerbern wie simyo oder Fonic, keine Gefahr lauert, dass der Anbieter vielleicht in sechs Monaten nicht mehr existiert. Congstar selbst steht für günstige Preise und Flexibilität, hat zeitweilig aufgetretene Performance-Probleme inzwischen beseitigt und kann eine klare Wachstumsstory aufzeigen. Daran gilt es, anzuknüpfen.

Immer wieder gibt es Berichte über hohe Verluste, die congstar einfährt. Sehen Sie das Unternehmen dennoch auf Kurs?

Knauer: Auch wenn ich an dieser Stelle keine Finanzkennzahlen nennen kann, ist das Unternehmen klar auf Kurs. Wir stehen im Vergleich mit anderen Marktteilnehmern gemessen am Umsatz auf ähnlichem Niveau und haben eine klare Wachstumsausrichtung nach vorne.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der aktuelle Kundenbestand.

Knauer: Wir haben heute deutlich über 1,5 Millionen aktive Kunden und ich bin sehr optimistisch, dass wir noch in diesem Jahr die 2-Millionen-Marke knacken werden.

Verraten Sie uns, wie sich Mobilfunk- und DSL-Kunden prozentual aufteilen?

Knauer: Prepaid ist unser größtes Segment in Kundenzahlen, gefolgt von Mobilfunk-Postpaid und DSL.

Stichwort Mobilfunk: congstar agiert am Markt als Mobilfunk-Discounter. Werden die Minutenpreise in Deutschland noch weiter fallen? Die derzeit vielerorts gültigen 9 Cent pro Minute liegen schließlich deutlich über den festgesetzten Terminierungsentgelten.

Knauer: Es gab mal ein berühmtes Zitat: 'Im Mobilfunk kennen die Preise nur eine Richtung: nach unten.' Ich glaube, in der Branche hat insgesamt ein neues Denken eingesetzt. Es muss nicht immer nur nach unten gehen, sondern man kann Preise auch mal auf einem bestimmten Niveau halten. Wir sind überzeugt, dass mit dem Minutenpreis von 9 Cent ein vernünftiger Preis und Haltepunkt gefunden wurde. Ein Preis, der wohl in den nächsten Monaten stabil bleiben wird. Congstar ist nicht der Preisbrecher am Markt – wollen wir auch gar nicht sein. Künftig wird man zwischen Markendiscountern wie uns und reinen No-Frills-Angeboten, die sich nur über den Preis vom Wettbewerb abgrenzen wollen, unterscheiden müssen.

Eine aggressive Preispolitik können wir von congstar in den nächsten Monaten also nicht mehr erwarten?

Knauer: Ich glaube, Aggressivität kann man auch auf anderen Spielfeldern zeigen. Wir haben eine SMS-Flatrate-Option eingeführt, haben eine attraktive Handy Internet Flat im Angebot, eine 100-Minuten-Option und den besonders attraktiven Aktionstarif congstar Smart 100. Darüber hinaus haben wir noch eine Menge Fantasie, was man in den nächsten Monaten zusätzlich machen kann, um aggressive Preispunkte abbilden zu können.

Die All-Net-Flatrate ist als Vertragskundenangebot mit einer monatlichen Grundgebühr von knapp 60 Euro im Vergleich zu so manchem Wettbewerber eher teuer. Zeit für eine Preissenkung, oder?

Knauer: Das Produkt war wettbewerbsfähig, ist aber aus dem Fokus gerückt. Der Tarif wird von uns aktuell nicht in der Vermarktung gepusht. Wir werden das Thema zeitnah noch einmal grundsätzlich anpacken.

Sie hatten bereits erwähnt, dass congstar auch eine SMS-Flatrate anbietet. Sind Messenger-Dienste wie Whatsapp und Co. eine Gefahr für den Umsatz?

Knauer: Der Verdrängungseffekt durch Whatsapp und Co. ist noch überschaubar, perspektivisch wird aber sicherlich ein Verlagerungseffekt da sein. Zurzeit bin ich aber gar nicht so skeptisch. Denn die SMS ist ein etabliertes Produkt, auf das sich der Nutzer verlassen und das er einfach bedienen kann. Das sehen wir auch bei unserer SMS-Flatrate, wo einzelne Kunden nach einer Buchung plötzlich bis zu 1.000 Nachrichten pro Monat verschicken, obwohl sie ein solches Volumen vorher nicht ansatzweise erreichten.

Bei congstar ist auch einen Surfstick im Angebot, auf Prepaid-Basis aber nur in Kombination mit einer Tages-Flatrate. Wäre es nicht sinnvoll, das Angebot zu erweitern und zum Beispiel auch Stundentarife anzubieten?

Knauer: Im Moment richtet sich das Angebot in erster Linie an Wenignutzer mit drei, vier Nutzungstagen im Monat und damit sehen wir uns für diese Zielgruppe gut aufgestellt. Für Vielnutzer brauchen wir sicherlich noch ein zusätzliches Produkt in Form einer Monatsflatrate. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Lassen Sie uns über Ihre DSL-Tarife sprechen: 25 bis 30 Euro Grundgebühr, maximal 16 Megabit pro Sekunde im Downstream. Gegenüber Kabelnetzbetreibern eher unattraktive Angebote.

Knauer: Unser strategischer Vorteil ist, dass wir DSL- und Mobilfunk-Angebote aus einer Hand anbieten können. Allerdings muss ich zugeben, dass wir uns abgesehen von der auf Wunsch kurzen Vertragslaufzeit nicht mehr vom Wettbewerb differenzieren. Insgesamt sind wir mit unserer Position im DSL-Geschäft nicht zufrieden. Deshalb schauen wir uns im Moment alle Zahlen, Daten und Fakten an und wollen im vierten Quartal entscheiden, wie es mit Festnetz- und DSL-Produkten bei congstar weitergehen wird.

Heißt das, es gibt nur Überlegungen, etwas am Preis zu ändern oder ist auch ein kompletter Rückzug aus dem DSL-Geschäft denkbar?

Knauer: Es liegen alle Optionen auf dem Tisch. Von Ausstieg über preislich aggressiver machen bis hin zu einem Vorstoß in neue Bandbreiten – Stichwort VDSL – ist alles möglich.

Wäre es auch denkbar, dass congstar LTE-Tarife anbietet?

Knauer: Wir haben im Telekom-Konzern aus rein technologischer Sicht eher eine Follower-Rolle. Wir sind deswegen eher dabei, unsere Datentarife auf HSDPA aufzurüsten. Lassen Sie sich überraschen, da wird bald etwas passieren. LTE ist ein logischer nächster Schritt, zum jetzigen Zeitpunkt und in diesem Jahr allgemein sehe ich für congstar aber keine Notwendigkeit bei dieser Zukunftstechnologie einzusteigen.

Vodafone will in Zukunft deutlich mehr Smartphones im Prepaid-Segment verkaufen. Das dürfte auch für congstar auf der Agenda stehen.

Knauer: Es bleibt festzuhalten, dass die Anzahl der Smartphone-Verkäufe steigt – mit Trend in Richtung Android. Ein Schwerpunkt unserer Strategie ist, das Angebot an Smartphones attraktiver zu machen. Weil wir ursprünglich aus dem SIM-only-Segment kommen, müssen wir hier aber noch ein wenig lernen. Nicht nur das Angebot an Smartphones selbst wird sich ändern, sondern auch Bündelangebote bestehend aus Endgerät und passendem Tarif wird es häufiger geben. Ab sofort übrigens auch über die etwa 200 Filialen von The Phone House.

Sehr interessant ist auch das Konzept des ersten congstar-Shops in Köln. Skizzieren Sie doch bitte kurz, worin es sich vom Wettbewerb unterscheidet.

Knauer: Der Kölner Shop ist ein Pilotprojekt, der uns zeigen soll, ob es gelingen kann, mit einer Discountmarke, eine eigene gebrandete Shopoberfläche erfolgreich zu betreiben. Unser Versuch soll zeigen, ob die congstar-Markenwelt auch in ein stationäres Shopkonzept übertragbar ist. Unsere Shopmitarbeiter pflegen einen eher lockeren Tonfall, damit das Ganze cool wirkt und unsere Zielgruppen anzieht. Und das ist uns für mein Befinden sehr gut gelungen.

Sind weitere Shops in anderen deutschen Städten geplant?

Knauer: Wir brauchen etwa ein Jahr, um das Pilotprojekt sinnvoll bewerten und analysieren zu können. Im November letzten Jahres ist der Kölner Shop eröffnet worden, sodass wir uns zum Jahresende die Frage stellen werden, wie es weitergeht. Einen einzelnen Shop isoliert zu betreiben macht sicherlich keinen Sinn. Heißt: entweder wird es einen Roll-out-Plan für eine Shop-Expansion geben oder man sagt alternativ, eigene Shops machen für einen Discounter keinen Sinn.

Lassen Sie uns abschließend einen Blick in die Zukunft werfen. Mit welchen Innovationen und Änderungen dürfen congstar-Kunden bis zum Jahresende rechnen?

Knauer: Congstar ist zurück auf dem Wachstumspfad und wir wollen in absehbarer Zeit ganz klar unter die Top 3 im Discount-Segment. Um das zu erreichen stehen drei Eckpfeiler: mehr innovative Produkte, neue Vertriebswege und mehr interaktiver Service in Form von Chat-Beratungen und eines voraussichtlich im Oktober startenden virtuellen Beraters auf der congstar-Homepage. Insgesamt fühlen wir uns mit unserer Roadmap für die nächsten Wochen gut positioniert; congstar is back.

(Hayo Lücke)

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