Verbraucher-Atlas

Internetanschluss: Tempobremse beim Surfen auf dem Land

Beim Surfen in den eigenen vier Wänden setzen die Deutschen auf immer höhere Geschwindigkeiten. Ob sich der Wunsch erfüllen lässt, ist noch immer regional abhängig, so das Ergebnis einer Auswertung des Verbraucherportals Verivox.

Diana Schellhas, 27.10.2017, 11:22 Uhr
Stoppuhr© Ovidiu Iordachi / Fotolia.com

Heidelberg - Beim Surfen via Kabel- oder DSL-Anschluss gibt es weiterhin erhebliche regionale Tempounterschiede: Einem Highspeed-Korridor im Westen und Südwesten des Landes stehen vergleichsweise langsame Geschwindigkeiten im Osten und in Bayern gegenüber, berichtet das Verbraucherportal Verivox. Deutlich sei auch der Unterschied zwischen Großstädten und eher ländlichen Regionen. Außerhalb der großen Städte gäbe es weniger Auswahl und langsamere Verbindungen - zu teils teureren Preisen.

Interesse an schnellen Surfgeschwindigkeiten wächst

Verivox hat untersucht, wie sich die Tarifwahl bei den Kabel- und DSL-Wechslern in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat. Die Ergebnisse finden sich im Verbraucher-Atlas, für den Daten für 25 deutsche Großstädte auswertet wurden. 2016 buchten Internetkunden demnach im Schnitt um 12 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) schnellere Verbindungen als noch drei Jahre zuvor.

Internet-Geschwindikeit Verbraucher-Atlas: DieTabelle zeigt die 2016 durchschnittliche gebuchte Internet-Geschwindigkeit an.

Mannheimer surfen im Schnitt mit 70 Mbit/s

Den größten Sprung nach vorne machte demnach in den vergangenen drei Jahren die Stadt Mannheim: 2016 buchten Verbraucher hier Internetgeschwindigkeiten von durchschnittlich 70 Mbit/s. Gegenüber 2013 entspreche das einem Tempozuwachs von 25 Mbit/s, womit sich Mannheim im bundesweiten Vergleich auf einen der vordersten Plätze geschoben hätte.

Beschleunigungen von 20 Mbit/s oder mehr weist der Verbraucher-Atlas auch für Mainz und Wiesbaden sowie Düsseldorf und Kiel aus. In Köln und München sei es mit einem Plus von 7 Mbit/s dagegen am wenigsten vorangegangen.

Highspeed-Korridor im Westen

Durch das schnellste Internet klicken sich der Auswertung zufolge die Düsseldorfer und Karlsruher, hier beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit jeweils 71 Mbit/s. Mit Mannheim, Wiesbaden, Frankfurt, Stuttgart, Köln und Dortmund tummeln sich demnach ausschließlich Städte aus dem Westen und Südwesten oberhalb der Marke von 60 Mbit/s. So entstehe auf der Deutschlandkarte ein Highspeed-Korridor im westlichen Teil des Landes.

Weniger Mbit/s in Bayern und im Osten

Niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeiten fänden sich geballt in Bayern und im Osten des Landes. In Augsburg, München und Nürnberg liege die Internetgeschwindigkeit ebenso unterhalb von 45 Mbit/s wie in Dresden, Erfurt oder Magdeburg.

Gründe für die unterschiedlichen Surfgeschwindigkeiten

In größeren Städten ist die Verfügbarkeit für schnelle Internetanschlüsse in der Regel bundesweit hoch, so das Portal. Dennoch sieht Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox, auch technische Ursachen für die seit Jahren konstanten regionalen Unterschiede: "Je dichter eine Gegend besiedelt ist, desto mehr lohnt sich für Anbieter der Netzausbau. In Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte entstehen hierbei höhere Kosten pro Kopf. Das betrifft zum Beispiel Teile Bayerns oder die ostdeutschen Flächenländer."

Tempolücke zwischen Stadt und Land

Was sich in schnellen und langsamen Regionen gleichermaßen nachweisen lässt, sei eine Tempolücke zwischen Großstädten und eher ländlichen Gebieten. In allen Flächenländern surften Internetnutzer in Städten mit über 100.000 Einwohnern schneller als Menschen in kleineren Ortschaften.

Am deutlichsten sei der Tempounterschied im ohnehin schon langsameren Sachsen: Dort seien die Internetverbindungen in Großstädten durchschnittlich 18 Mbit/s schneller. In Bayern sei der Stadt-Land-Unterschied mit 5 Mbit/s hingegen am geringsten.

Digitale Agenda: 50 Mbit/s für alle?

Laut der Digitalen Agenda der Bundesregierung sollen bis Jahresende 2018 allen Verbrauchern Anschlüsse von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Die Verfügbarkeit von 50 Mbit/s oder mehr ist in kleinen Städten aber noch deutlich geringer als in Großstädten, so die Tarifexperten.

Vergleiche man die jeweils größten mit den jeweils kleinsten Städten der 13 Flächenländer, so zeige sich in den großen Städten eine Versorgungsdichte von fast 90 Prozent. In den jeweils kleinsten Städten liege diese gerade mal bei 38 Prozent. Zwar komme es in Einzelfällen sogar vor, dass in kleinen Orten eine höhere Verfügbarkeit bestehe - im Durchschnitt bestätige sich aber auch hier die digitale Kluft zwischen Stadt und Land.

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