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Internet aus der Steckdose - (Alb-)Traum oder Wirklichkeit?

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com
Ein Bericht von Sven Wagenhöfer

Nach dem Willen der deutschen Stromkonzerne soll die (Internet-)Zukunft sehr rosig aussehen. Egal wo im Haus man sich befindet, man steckt einfach den Computer in die Steckdose und – voilá – ist man "drin". Neben xDSL, Internet über Fernsehkabel und den Funktechologien ist die "Powerline" genannte Technik eine der Hoffnungen auf einen schnellen und bezahlbaren Internetzugang für die Massen.

Wie funktioniert's?

Ansich ist die Powerline-Technik nichts neues. Schon seit den 30er Jahren verschicken die Energieversorger im Hochspannungsnetz "Rundmails", um zum Beispiel, günstige Tarifzeiten anzukündigen. Eine andere typische Anwendung sind die Babyphones. Auch sie werden direkt ans Stromnetz angeschlossen und der Apparat im Kinderzimmer sendet über die vorhandenen Stromleitungen die akustischen Signale des Babys an die Gegenstelle. Auch andere Einsatzmöglichkeiten wie Messapparate, die dann zentral von einem Rechner gesammelt werden, sind schon in Betrieb.

Die Daten werden dabei über Trägerfrequenzen im Kilohertz-Bereich übertragen. Die Modulation erfolgt mit einer eng mit der DSL Modulationsart verwandten Technik, dem sogenannten OFDM/QAM-Verfahren. Die Frequenzbänder werden dabei in Europa in 4 Teile aufgeteilt, die zwischen 9 und 148,5 kHz liegen. Für Privatnutzer verwendbar sind dabei das B-Band (95 bis 125 kHz) und das D-Band (140 bis 148,5 kHz). In anderen Ländern wie in den USA oder Japan, liegt die Obergrenze bei ca. 500 kHz.

Die Problematik mit den Funkern

Die Nutzungsbestimmung 30 der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) legt die Grenzwerte für den Betrieb einer Powerline-Anwendung fest. Die Hersteller und Anbieter halten – zumindest nach eigenen Angaben – diese Grenzwerte natürlich ein. Anders sehen dies jedoch die Gegner des Internet per Stromkabel – Polizei, Feuerwehr, Militär und nicht zuletzt die privaten Funkamateure. Die Powerline-Technik würde ihre Frequenzbänder stören und damit eventuell sogar die Sicherheit der Bevölkerung aus Spiel setzen, behaupten diese. Die Technik sei sicher und würde keine Störung nach ausserhalb abgeben, halten die Hersteller und Befürworter dagegen.

Doch auch der Powerline-Anwender ist nicht vor Störungen gefeit. So sind Stromkabel – im Gegensatz zu Netzwerkkabeln oder handelsüblichen Computerkabeln – nicht abgeschirmt und damit auch empfänglich für Störungen von außen. Natürlich wird dank der verwendeten Protokolle ein "kaputtes" Paket noch einmal versandt. Massive Störungen können die Datenübertragungsrate allerdings stark vermindern oder sogar ganz zum Erliegen bringen. Auch wenn ein Haushaltsgerät wie ein Mixer oder ein Toaster plötzlich eingeschaltet wird können Schwankungen im Stromnetz auftreten – und dabei den Datenempfang stören.

PC direkt an die Steckdose? Oder wie jetzt?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, den Internetzugang im Haus zu gewährleisten. Bei allen beiden Möglichkeiten kommen die Datenströme per Niederspannungskabel ins Haus. Zum einen können die Daten direkt im Keller das Hauses umgelegt werden. Ein einzelner "Demodulierer" wird installiert. Der Nachteil ist, dass dann vorhandene LAN-Kabel genutzt werden oder neue verlegt werden müssen, um die Computer an den Demodulierer anzuschließen. Positiv ist hier, dass die Rechner außer einer passenden Netzwerkkarte keine zusätzliches Equipment benötigen. Diese Methode dürfte sich also hauptsächlich für Firmen rentieren, die sowieso schon ein LAN besitzen.

Bei der zweiten Möglichkeit werden die Internetdaten mit in das Stromnetz im Haus geschleift. Jeder Computer kann dann direkt mit einem "Splitter" an die Steckdose angeschlossen werden – damit hat jeder Raum im Haus einen eigenen Internetanschluss. Hier muss jedoch für jeden PC ein eigenes Gerät gekauft werden, um ihm den Zugang ins Internet zu ermöglichen. Damit dürfte diese Technik eher für private Haushalte geeignet sein, die wenige Computer besitzen.

Allerdings kommt auch hier ein weiterer großer Nachteil der Powerline-Technik ins Spiel. Von den "Umspannwerken" wird meist eine Bandbreite von um die 2 Megabit pro Sekunden bereitgestellt. Diese müssen sich jedoch alle Angeschlossenen teilen. Daher bleibt bei geplanten zwanzig Teilnehmern pro Anschluss, die alle einen Download am laufen haben, gerade einmal knapp doppelte ISDN-Geschwindigkeit. Nicht genug für heutige und kommende Breitbandanwendungen.

Was kostet es und wo wird's angeboten?

Bisher gibt es nur wenige Anbieter, die Powerline auch zuerst einmal in einer Probephase testen. Das spätere Produkt wird vorerst wahrscheinlich nur regional und vor allem in Ballungszentren angeboten – also dort, wo meist auch schon DSL verfügbar ist. Hier liegt auch der große Minuspunkt der Powerline-Technik: Die Kosten sind im Vergleich zu anderen Breitbandangeboten nicht mehr tragbar. Vor allem weil bei den meisten Anbietern keine "echte" Flatrate angeboten wird, sondern bisher nur volumenabhängig abgerechnet wird.

Die Anbieter im einzelnen:

Fazit:

Nicht sehr interessant ist die Powerline-Technik bei den bisherigen Preisen. Zu gering ist das Volumen, das dem User bei den günstigen Tarifen zugestanden wird, kommen doch gerade bei Onlinespielen oder den neuen breitbandigen Multimediaangeboten auch ohne Downloads viele Megabyte zusammen. Auch die Verbreitung spricht gegen Powerline als Konkurrenz für DSL, wird es doch auch nur in Ballungsgebieten angeboten, in denen DSL meist bereits verfügbar ist. Allein für Firmen, die die 2 Mbit voll ausnutzen können und mit den Anbietern einen fairen Preis verhandeln könnte die Technik interessant sein, erspart sie doch die Verlegung neuer Netzwerkleitungen.

(Sven Wagenhöfer)

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