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Infineon will sich vom Speicher-Geschäft trennen

Update: Nun ist es beschlossene Sache: Spätestens ab Juli nächsten Jahres soll die schwächelnde Speicherchipsparte vom Mutterkonzern unabhängig sein.

17.11.2005, 16:28 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Der deutsche Chiphersteller Infineon steht angeblich vor der Trennung von seiner defizitären Speichersparte. Der Aufsichtsrat solle auf seiner Sitzung am 17. November den Weg für eine Aufspaltung des Unternehmens frei machen, meldete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.
Der Speicherbereich könnte demnach als eigenes Unternehmen an die Börse gebracht werden. Ein Infineon-Sprecher nannte den Bericht "Spekulation". Er räumte aber ein, dass der Konzern im Herbst - wie jedes Jahr - seine Struktur überprüfen werde.
Lange geplant
Wegen des schwächelnden Aktienkurses plant Konzernchef Wolfgang Ziebart laut "Handelsblatt" bereits seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr diesen Schritt. Er verspreche sich von der Trennung deutlich bessere Entwicklungschancen für das Geschäft mit den Logik-Chips, die vor allem von Industrie- und Telekommunikationsunternehmen nachgefragt werden. Mit diesem Bereich macht die frühere Siemens-Tochter mittlerweile 60 Prozent ihres Gesamtumsatzes von rund sieben Milliarden Euro; die übrigen 40 Prozent werden in der Speichersparte umgesetzt.
Eine interne Prüfung habe ergeben, dass die Synergien zwischen den beiden Sparten Speicher und Logik-Chips gering seien, berichtete das "Handelsblatt". Der Speicher-Bereich hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren. Hier ist die Konkurrenz aus Asien groß; außerdem ist der Markt schwankend. Ein Börsengang der abgespaltenen Unternehmenssparte könne bereits im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres erfolgen. Dem müsste nach dem Aufsichtsrat im Herbst auch die Hauptversammlung im Februar zustimmen.
Interne Berechnungen hätten ergeben, dass beide Sparten auf eigenen Beinen gut überleben könnten, hieß es weiter. Außerdem würden sie an der Börse unterschiedliche Investorengruppen ansprechen: Während der Logik-Bereich auf Sicherheit bedachten Anlegern zuspiele, spreche der Speicherbereich wegen seiner Schwankungen eher "Zocker" an. Die Infineon-Aktie verlor am Mittwochmorgen zunächst leicht an Wert und stand gegen elf Uhr bei 7,79 Euro. Das Papier behauptete sich mit einem Minus von 0,25 Prozent aber besser als der Gesamtmarkt. Update 17. November 2005: abspaltung beschlossen
Der Halbleiterhersteller Infineon versucht mit einer Aufspaltung einen Neuanfang: Spätestens ab Juli nächsten Jahres soll die schwächelnde Speicherchipsparte vom Mutterkonzern unabhängig sein, wie der Aufsichtsrat des Unternehmens heute in München beschloss.
Der für etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von sieben Milliarden Euro stehende Bereich soll als eigenes Unternehmen möglichst bald an die Börse gebracht werden. Für die Beschäftigten wird die Abspaltung nach den Worten eines Infineon-Sprechers "unmittelbar" keine Auswirkungen haben. Das neue Unternehmen soll seinen Sitz in Deutschland haben.
Infineon-Chef Wolfgang Ziebart begründete die Entscheidung zur Aufspaltung damit, dass sich die bislang im Konzern vereinten Bereiche Speicher und Logik in ihren Prozessen und Gechäftsmodellen in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Mit der Abspaltung würden für beide Bereiche die Wachstumsdynamik und Profitabilitätsaussichten verbessert. Der Speicher-Bereich hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren. Hier ist die Konkurrenz aus Asien groß; außerdem ist der Markt schwankend.
Das neu entstehende Unternehmen wird laut Ziebart weltweit zu den führenden gehören. Den genauen Standort für den operativen Sitz in Deutschland ließ Infineon zunächst noch offen. Wie bisher soll aber in Dresden das Technologie-Entwicklungszentrum des Unternehmens sein. Chef wird Kin Wah Loh, der auch bislang die Speichersparte bei Infineon führt. Über den genauen Termin für den Börsengang soll erst entschieden werden, wenn die Abspaltung auch vollzogen ist.
Und was macht die Mutter?
Der Mutterkonzern will sich nun auf das Logikgeschäft konzentrieren, zu dem die Geschäftsbereiche Automobil-, Industrieelektronik und Multimarketsowie Kommunikation (COM) gehören. Spekulationen über die Abspaltung der Speichersparte gab es bereits seit einigen Wochen. Angeblich soll Konzernchef Ziebart bereits seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr damit geliebäugelt haben.

(Hayo Lücke)

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