News

IBM lässt den Rotstift tanzen

Weltweit sollen bis zu 13.000 Stellen gestrichen werden, ein Großteil davon in Europa. Auch Deutschland wird es treffen.

06.05.2005, 08:24 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Der US-Computerriese IBM setzt in Deutschland und Europa kräftig den Rotstift an: Im Zuge einer groß angelegten Neuausrichtung sollten weltweit 10.000 bis 13.000 Stellen gestrichen werden, der Großteil davon bei den europäischen Niederlassungen, wie IBM in den USA mitteilte.
Konkret betroffene Länder nannte der Konzern zunächst nicht. Französische Gewerkschaften gingen gestern vom Wegfall von 7.000 bis 9.000 Jobs in Europa aus. Die IG Metall befürchtetete für Deutschland den Abbau von bis zu 2.500 Arbeitsplätzen. Dies wäre jede zehnte Stelle bei der größten europäischen IBM-Landesgesellschaft.
Aktivitäten auf globalem Niveau
Insgesamt sollen weltweit drei bis vier Prozent der insgesamt 329.000 Stellen bei IBM gestrichen werden. Ziel der Umstrukturierung sei es, "die Aktivitäten auf globalem Niveau zu integrieren, aber auch Rentabilitätsprobleme in den Regionen mit weniger starkem Wachstum anzugehen, vor allem in Europa", erklärte der Konzern. "Dies wird es IBM auch erlauben, Ressourcen in Märkte mit höherem Wachstum zu verschieben."
In Europa soll dabei eine ganze Hierarchieebene wegfallen, die bisher für die internationale Abstimmung zuständig war. An ihre Stelle sollen kleinere Teams treten, die grenzüberschreitend eingesetzt werden und einen direkteren Draht zum Kunden haben sollen. Der Konzern rechnet durch den Umbau mit Belastungen des Nettoergebnisses zwischen 1,3 bis 1,7 Milliarden Dollarbis 1,3 Milliarden Euro) im zweiten Quartal. Erste positive Auswirkungen auf das Ergebnis erwartet IBM im zweiten Halbjahr.
Die deutsche Niederlassung in Stuttgart erklärte, sie werde vorerst keine Angaben zu den konkreten Auswirkungen auf Deutschland machen. "Wir befinden uns zur Zeit in Gesprächen mit den Mitbestimmungsgremien über freiwillige Aufhebungsangebote", sagte Konzernsprecher Peter Gerdemann. Dies werde voraussichtlich mehrere Wochen dauern.
Kai Bliesener von der IG Metall Stuttgart warf IBM vor, die Einschnitte "ohne Not" anzukündigen. "Es gibt angesichts eines Konzerngewinns von neun Milliarden Dollar keinen Anlass, jetzt Stellen zu streichen", sagte er. "Auch Europa erwirtschaftet Gewinn." Es gehe hier offenbar um "Renditesteigerung" auf dem Rücken der Beschäftigten. Schon Anfang März hatte IBM angekündigt, in Deutschland 580 Mitarbeiter zu entlassen. Betroffen sind 250 Beschäftigte in Hannover und 330 in Schweinfurt. Diese Beschäftigten sind laut Gerdemann im nun angekündigten Stellenabbau bereits enthalten.
Für die IBM Deutschland GmbH arbeiten zur Zeit rund 25.000 Menschen in 40 Niederlassungen. Sitz ist Stuttgart-Vaihingen. Mit rund 1700 Mitarbeitern ist die IBM Deutschland Entwicklung GmbH in Böblingen das größte Entwicklungszentrum außerhalb der USA. Die übrigen Standorte sind quer über das Bundesgebiet verteilt.
Im vergangenen Monat hatte IBM mit schwachen Quartalszahlen die Branche an der Börse mit nach unten gezogen. Analysten und das Unternehmen selbst hatten schon damals auf das schwache Geschäft in Europa verwiesen, vor allem bei Serviceleistungen, die rund 40 Prozent des IBM-Umsatzes ausmachen. Die Geschäftsbank Citigroup Smith Barney hatte damals unter anderem auf das schleppende Geschäft in Deutschland, Frankreich, Italien und Japan verwiesen.
International Business Machines (IBM) galt lange Zeit als der unangefochten größte Computerbauer der Welt. 1981 hatte das Unternehmen den ersten Personal Computer (PC) angeboten. Doch Ende vergangenen Jahres hatte IBM angesichts des scharfen Preisdrucks durch den US-Konkurrenten Dell und asiatische Hersteller sein PC-Geschäft an den chinesischen Lenovo-Konzern verkauft und will sich künftig nur noch auf Server, Speichersysteme und andere Hardware sowie Software und Dienstleistungen konzentrieren. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Nettogewinn von 8,4 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 96,5 Milliarden Dollar.

(Hayo Lücke)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang